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Coffee to go Ein trendiges Mehrwegbehältnis soll auch an der Bergstraße Müllberge reduzieren – die BAnane hat mit Geschäften und Kunden darüber gesprochen

Auch Bensheim bleibt seinem Becher nun treu

Im März 2018 wurde in Mannheim eine Aktion ins Leben gerufen, die den übermäßigen Verbrauch von Coffee-to-go-Bechern einschränken und somit einen Teil zum Umweltschutz durch Müllvermeidung beitragen sollte. Anstatt für jedes Getränk, ob Kaffee oder Limo, einen Papp- oder Plastikbecher zu nehmen, gibt es in Mannheim seitdem die Möglichkeit, sich einmalig einen sogenannten „Stadtbecher“ zu kaufen, den man bei teilnehmenden Cafés oder Bäckereien auffüllen lassen und somit beliebig oft wieder benutzen kann.

Unter dem Motto „Bleib deinem Becher treu“ soll sich die Aktion auch in vielen weiteren Städten in der Region etablieren. Nun gibt es die schicken Mehrwegbecher endlich auch in Bensheim.

Der Kampagnenbecher ... ... besteht aus schadstofffreiem Hartkunststoff und wird ausschließlich in Deutschland produziert. Dank des zugehörigen Deckels ist der Becher auslaufsicher und kann sogar in der Spülmaschine gewaschen werden. Er kostet einmalig vier Euro und kann in Geschäften gekauft werden, die an der Aktion teilnehmen.

Die Teilnehmer ... ... sind in Bensheim bisher nur zu dritt: In den Schaufenstern von Tea Time und der Bäckerei Jost in der Bensheimer Innenstadt sowie bei der Agip Service Station in Auerbach findet man den hellblauen Aufkleber, der die Betriebe als Teilnehmer ausweist.

Diese Aufkleber geben außerdem individuell an, ob der Teilnehmer Becher lediglich befüllt oder sie auch verkauft und im Tausch gegen eine Pfandmarke für einen neuen Becher zurücknimmt.

Bei Tea Time und der Bäckerei Jost sind alle drei Optionen möglich – die BAnane hat dazu drei Fragen an die beiden Geschäfte gerichtet:

Was hat Sie bewogen, an der Aktion teilzunehmen?

Jost und Tea Time: Umweltverschmutzung ist ein großes und sehr wichtiges Thema im Moment. Dass wir durch diese Mehrwegbecherkampagne als Geschäft die Möglichkeit haben, unsere Kunden darüber zu informieren und durch Müllvermeidung einen kleinen Teil zum Umweltschutz beitragen können, finden wir eine sehr gute Idee.

Ist die Kampagne für Sie mit finanziellen Nachteilen oder organisatorischem Aufwand verbunden?

Tea Time: Wir müssen natürlich darauf achten, dass wir nur saubere Becher annehmen und ausgeben, deswegen müssen die Becher vor dem Befüllen gespült werden. Das dauert etwas und ist daher ungünstig, wenn viel Betrieb ist, dann müssen die Kunden kurz warten. Ansonsten nein.

Jost: Nein, gar nicht. Die Kunden zahlen ja einfach den normalen Getränkepreis.

Wie kamen die Becher bisher bei den Kunden an?

Jost und Tea Time: Wir haben schon einige Becher verkauft und bisher nur positive Rückmeldungen erhalten.

Aber nicht alle Unternehmen können oder wollen teilnehmen – zwei äußern sich dazu in der BAnane:

Bäcker Weck: Natürlich ist die Aktion eine gute Idee, Umweltschutz ist wichtig. Allerdings ist es für einen kleinen Betrieb schwer, teilzunehmen, da die Teilnahme und die Becher das Geschäft Geld kosten und es nicht sicher ist, ob der Gewinn dann noch da ist. Größere Geschäfte sind darauf nicht so angewiesen. Auch das Auffüllen der Becher ist schwierig, da sie nicht unter meine Kaffeemaschine passen. Wenn mir Leute allerdings saubere Becher oder Boxen geben, fülle ich diese gerne auf. Eine eindeutige gesetzliche Regelung zu den Hygienevorschriften würde mir da allerdings außerdem entgegenkommen.

Tchibo Bensheim: Wir können als einzelne Filiale nicht einfach teilnehmen, sondern müssen solcherlei Angelegenheiten mit der Zentrale klären. Wir werden aber auch nicht teilnehmen, da wir bereits eine eigene Aktion haben: Wer in einer Tchibo-Filiale einen eigenen Becher zum Auffüllen mitbringt, erhält zehn Cent Rabatt.

Und was sagen die potentiellen Kunden zu der Aktion?

Lea, Natalie und Sonja (alle 17): Wir haben von dieser Aktion bisher nichts gehört, finden die Idee aber gut und würden für einen Becher auf jeden Fall vier Euro investieren. Wir achten auf die Umwelt, vermeiden beispielsweise auch Plastiktüten.

Johanna (16) und Jonas (13): Wir finden die Idee gut, denn was man über Umweltbelastung durch Müllberge weltweit sieht und hört, ist furchtbar. Der Preis ist absolut gerechtfertigt.

Mein persönliches Fazit: Die Aktion ist zwar nur ein kleiner Schritt auf einem langen Weg, aber die Kampagne erfüllt eine wichtige Aufgabe. Denn ganz egal, wie viele Kunden den Becher tatsächlich kaufen und nutzen – es wird ein Bewusstsein geschaffen, dass man gerade nebenbei mal wieder Müll produziert oder diesen eben ganz einfach vermieden hat. Somit wird auf das Thema Müll aufmerksam gemacht. In Bensheim war die Aktion den Jugendlichen allerdings leider völlig fremd – Werbung in Form von Bannern und Plakaten muss her.

Meiner Meinung nach muss es auch nicht unbedingt der Stadtbecher sein – ein anderer Mehrwegbecher geht auch. Wenn man bei den Geschäften nachfragt, kann man sich über so viel Entgegenkommen direkt wundern: Die meisten füllen gerne sämtliche Becher oder Boxen auf – solange diese sauber sind.

Eine rechtliche Grauzone

Für das Befüllen von selbst mitgebrachten Mehrweg-to-go Bechern in Cafés gibt es in Deutschland kein rechtliches Verbot. Es liegt im eigenen Ermessen des Anbieters, ob er mitgebrachte Gefäße befüllen möchte. Er muss sich dabei lediglich an einige hygienische Vorschriften halten, die von der Deutschen Umwelthilfe in Zusammenarbeit mit deutschen Gesundheitsämtern erarbeitet wurden. Die Gefäße müssen zum Beispiel nach Augenmaß sauber sein und sollen mit anderen Utensilien nicht in Kontakt kommen. Damit soll jedes gesundheitliche Risiko für den Kunden ausgeschlossen werden. Eva-Lotte Wenderoth

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