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Aus der Reihe getanzt

Archivartikel

Kommt Euch der Moment bekannt vor, wenn im Wartezimmer alle beim Zeitunglesen das rechte Bein über das linke geschlagen haben – nur einer nicht, der es vorzieht, den rechten Schenkel auf dem linken abzulegen? Und wenn dann hinter dieser Person noch ein Bild schief an der Wand hängt? Das. Macht. Mich. Wahnsinnig. Ich mag es, wenn es ordentlich ist. Wenn sich kein Störfaktor im Blickfeld befindet. Nennt mich pedantisch, aber ich liebe einfach die Reinheit von sauber gestapelten Unterlagen, eines gemachten Bettes oder einer gut sortierten Sockenschublade. Es beruhigt mich zu wissen, dass ich, egal, wie chaotisch mein Leben gerade verläuft, auf die Regeln des großen Ganzen zählen kann. Doch immer wieder werde ich in der Realität mit Systemsprengungen konfrontiert und das nicht nur beim Arzt. Auch im Aerobic-Kurs sehne ich mich, während ich in das gegenüberliegende Spiegelbild schaue, nach Einheitlichkeit. Doch während 99 Prozent der Kursteilnehmerinnen brav mit der Trainerin von links nach rechts pendeln, fällt immer eine aus der Reihe, die von rechts nach links steppt oder die Arme unkoordiniert durch die Lüfte schwingt. Am liebsten würde ich sie an Marionettenfäden in den richtigen Takt bringen. Aber es geht nicht. Menschsein heißt, nicht perfekt zu sein und sich mit Menschen, sprich den nicht perfekten Lebewesen auf diesem Planeten, zu arrangieren. Im ersten Moment strengt das tierisch an, aber irgendwann finde sogar ich Gefallen an den Ecken und Kanten meiner Gegenüber. Hin und wieder tut es uns schließlich allen ganz gut, einmal aus der Reihe zu tanzen. Bis neulich, Eure BAte

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