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Befahren auf eigene Gefahr

Archivartikel

Ich schlug die Tür ins Schloss. „Wie oft?“, hörte ich meinen Vater aus der Küche rufen. „Durchschnittlich“, antwortete ich. „Drei Mal.“ Wenn ich unser Haus nicht mit einem freundlichen hallihallo betrete, weiß meine Familie schon, dass ich keinen guten Tag hatte. Doch weder Schulnoten noch sportliche Leistungen zählen wir, sondern die Anzahl der gefährlichen Momente auf meinem Heimweg mit dem Fahrrad. „Der eine hat mich schon angehupt, als er noch ewig weit entfernt war“, lasse ich meine Heimfahrt vom Sportverein Revue passieren. „Wohl um zu sagen, dass die Straße ihm gehört. Blöd nur, dass es keinen Radweg gibt, also muss ich entweder den Autos auf der Straße oder den Fußgängern auf dem Bürgersteig im Weg sein...“ Im Weg sein. Das trifft die Rolle der Fahrradfahrer ganz trefflich, denn auf vielen der größeren Straßen in meiner Stadt gibt es einfach keinen Platz für uns. Gleichberechtigte Teilnahme aller Verkehrsmittel? Reines Wunschdenken. „Und dann ist da noch das Problem, dass die Leute denken, der Radweg auf der B3 wäre ein Parkstreifen, den sie nutzen können, während sie sich ihr Abendessen abholen“, stöhnte ich. „Ein Durchkommen ist dort ebenso wenig möglich wie auf dem Berliner Ring, wo der Radweg als Be- und Entladezone aller Badesee-Besucher fungiert.“ „Das ist mir neulich auch passiert“, sagt Papa. „Ich habe geklingelt wie verrückt, aber das interessiert niemanden. Die haben weiter alle vier Türen ihres Autos offen stehenlassen, während sie einen überdimensionalen Aufblasflamingo in ihren Kofferraum gezwängt haben.“ Ich musste lachen. Auch wenn mir nach fast jeder Fahrt mit dem Rad zum Heulen zumute ist. Während auf jedem kleinsten Weg der Hinweis „Betreten bei Glätte auf eigene Gefahr“ 350 Tage im Jahr nutzlos mahnt, wäre er auf Bensheims Radwegen täglich angebracht. Bis neulich, Eure BAte

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