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Erfahrungsbericht Deutsche Bahn versus Flixtrain / Mit welchen Anbieter reist es sich besser?

Bequem in die Hauptstadt

Archivartikel

Wer in den Ferien einen Städtetrip unternehmen möchte, sieht sich mit der Frage konfrontiert, wie man am schnellsten, bequemsten und günstigsten von A nach B gelangt. Die BAnane hat darum die Strecke von Bensheim nach Berlin genauer unter die Lupe genommen, um den Konzernriesen Deutsche Bahn (DB) mit seinem Konkurrenten Flixtrain zu vergleichen.

Die Buchung

In vier Wochen steht eine Reise von Bensheim nach Berlin an – bevor die Koffer gepackt werden können, müssen erst einmal die Zugtickets gebucht werden. Dazu werden zunächst die Preise der unterschiedlichen Verkehrsanbieter verglichen. Der erste Klick führt gewohnheitsmäßig auf www.bahn.de. Am gewünschten Reisetag gibt es ab 8.27 Uhr eine Kombination aus zwei ICEs (Umstieg im Hauptbahnhof Frankfurt), die Reisende in die Hauptstadt bringt. Die Fahrtzeit beträgt 5.35 Stunden, der Preis für dieses Ticket beläuft sich auf 95,90 Euro. Da ich bei einer so beliebten und langen Strecke nicht auf einen Sitzplatz verzichten will, beträgt der Endpreis 100,40 Euro.

Relaxtipp

Die Fahrt in der ersten Klasse kostet am gewünschten Tag inklusive Sitzplatz lediglich 7,50 Euro mehr. Wer einen größeren Wert auf Komfort durch breitere Sitze und leerere – ergo ruhigere – Abteile legt, kann günstig upgraden. Es lohnt sich oft, die Preise der ersten mit denen der zweiten Klasse zu vergleichen.

Das Verkehrsunternehmen FlixMobility ist unter dem Namen Flixtrain seit 2018 der größte und einzige innerdeutsche Konkurrent der Deutschen Bahn. Das Unternehmen hat die bisherigen Fernbus-Betreiber in großen Teilen Europas aufgekauft und ist schließlich auch in den Schienensektor eingestiegen. Da mir die Bahnpreise recht teuer erscheinen, stelle ich sie online denen auf www.flixbus.de gegenüber. Die Webseite zeigt mir gleich eine Busverbindung von Darmstadt nach Berlin an, die nur 19,99 Euro kostet, für die Strecke aber 14:30 Stunden benötigt und darum völlig unattraktiv für mich ist.

Der Flixtrain, der am gewünschten Reisetag um 8.40 Uhr in Darmstadt losfährt, bietet für 29,99 Euro eine umsteigefreie Verbindung, die nach Berlin 4:52 Stunden benötigt. Sitzplatzreservierungen sind bei einem Preis von 3,49 beziehungsweise 3,99 Euro in wenigen Wagen möglich, allerdings sind alle reservierbaren Plätze schon ausgebucht. Ein kurzer Anruf bei Flixtrain und der zuständige Mitarbeiter teilt mir mit, dass jeder Kunde bei freier Platzwahl eine Sitzplatzgarantie bekommt. Der Flixtrain hat den Nachteil, dass er nicht in Bensheim hält; er kann aber nach einer kurzen Fahrt nach Weinheim oder Darmstadt erreicht werden, was mit dem Maxx- beziehungsweise Hessenticket sogar kostenlos ist. So kann, ebenso wie bei der Verbindung mit der Deutschen Bahn, Berlin mit nur einem Umstieg erreicht werden.

Fazit: Beide Anbieter ermöglichen auf ihren Webseiten und in ihren Apps eine übersichtliche und bequeme Buchung von zu Hause aus an. Der telefonische Service von FlixMobility macht das Fehlen von Bahnschaltern wett.

Die Fahrt

Sobald der weiße Zug mit dem roten Balken im Bahnhof hält, strömen die Leute auf ihre reservierten Sitzplätze in den nummerierten Wagen zu, die sie dank der Infotafel schnell finden. So wird größeres Chaos außerhalb des Zuges verhindert; innen quetschen sich die Fahrgäste, teilweise mit viel Gepäck, aber doch den engen Gang entlang und aneinander vorbei. Die ICEs der Deutschen Bahn bieten auf bequemem Sitzen eine angenehme Beinfreiheit. Es gibt WLAN, onboard-Unterhaltung, ausreichende Toiletten und ein Bordbistro, das Snacks und Getränke verkauft. Ein kleiner Kaffee kostet zum Beispiel drei Euro, ein Tee 3,20 Euro und eine Limonade 2,50 Euro. Den Schokoriegel bekommt man für 1,50 Euro.

Auch wenn der grüne Zug im Bahnhof hält, strömen die Leute wie verrückt auf die sich öffnenden Türen zu und versuchen, möglichst schnell möglichst gute freie Plätze zu finden. Zwar sind die Abteile großzügiger als bei der DB; wer Pech hat, muss allerdings auf einem Klappsitz im Gang sitzen. Nur ein Gepäckstück ist inklusive. WiFi ist vorhanden. Es gibt nur eine Sitzplatzklasse. Man merkt dem Zug an, dass es sich um ein älteres Modell handelt. Ausgesessene Sitzplätze und ein kaputtes WC stehen aber freundlichem Personal und einer sympathischen Philosophie entgegen. In der Snackbar kostet der Kaffee 2,30 Euro, der Tee zwei Euro und die Limo 2,50 Euro. Auch hier gibt es den Schokoriegel für 1,50 Euro. Der Flixtrain kann bisher nur auf wenigen Strecken gebucht werden, er rauscht aber schon mehrmals täglich an der Bergstraße vorbei.

Fazit: Im Flixtrain reist es sich wie in einem IC der Deutschen Bahn. Für Alleinreisende ist der inkludierte Sitzplatz eine Bereicherung, Familien oder Gruppen müssen auch hier reservieren oder gegebenenfalls getrennt sitzen. Die Snackbar ist alles in allem günstiger als das Bordbistro, das allerdings mehr Auswahl anbietet. Gut ist, dass beide Zuganbieter vermehrt Bio- und Fairtrade-Produkte anbieten.

Meine Meinung

Der Schienensektor von FlixMobility steckt noch in den Kinderschuhen, hat aber viel Potenzial. Der Flixtrain ist bei ähnlicher Schnelligkeit und vergleichbarem Komfort oft günstiger als die Deutsche Bahn, aber teurer als der langsamere FlixBus. Insgesamt ist er mehr auf die Bedürfnisse von jungen Reisenden zugeschnitten, was den inkludierten Sitzplatz, die lockere Atmosphäre im Zug und die moderaten Snackpreise betrifft. Das Original DB besitzt eine bessere Infrastruktur, was die Zu- und Umsteigemöglichkeiten angeht, und besitzt dank günstiger Bahncards für Jugendliche und junge Erwachsene Sparmöglichkeiten für Vielfahrer. Meine Hoffnung ist, dass der Flixtrain die Konkurrenz auf der Schiene ankurbelt und für Verbesserungen für Pendler sowie Urlaubsreisende sorgt. Moritz Müller

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