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Schulprojekt I Zeitzeugin berichtet am Goethe-Gymnasium Bensheim im Workshop „Schule in der DDR“ von ihrer Jugend

Bildung mal ganz anders

Archivartikel

In der letzten Schulwoche vor den Ferien fand am Goethe-Gymnasium in Bensheim ein Workshop zum Thema „Schule in der DDR“ statt. Elke Urban leitete das Projekt, bei dem sie in die Rolle einer Lehrerin der DDR schlüpfte und man als Teilnehmer einen ihrer Schüler spielte. Der Workshop hatte den Sinn, am eigenen Körper erleben zu können, wie es gewesen sein muss, Schüler in der DDR zu sein.

Urban wuchs in der DDR auf und arbeitete später fünf Jahre lang als Musik- und Französischlehrerin. Sie wurde im Jahr 1950 in Altenburg in Thüringen geboren. Vor 15 Jahren übernahm sie das „Schulmuseum – Werkstatt für Schulgeschichte“ in ihrer jetzigen Heimat Leipzig. Sie verwandelte das einst normale Museum, in dem man die Exponate lediglich von außen betrachten konnte, in ein Museum zum Miterleben. Das Museum bietet heute Nachstellungsprojekte in Form von Rollenspielen in rekonstruierten DDR-Klassenzimmern an. Elke Urban brachte das Projekt ans Goethe-Gymnasium.

Das Museum in Leipzig ist gefüllt mit Exponaten aus der DDR-Zeit und mit Erinnerungen von Urban und anderen Zeitzeugen. Als ich sie frage, wie es war, in der DDR zu leben, erzählt sie mir, dass sie als Jugendliche zwar „westliche“ Gegenstände wie Poster der Beatles an der Wand hängen hatte, diese aber bei den Besuchen von beispielsweise der Lehrerin abgehangen habe, da die Plakate zu DDR-Zeiten verboten waren. Ohne westliche Gegenstände konnte man problemloser und unbeobachteter leben. Es sei einfacher gewesen, sich bei Besuchen anzupassen, wenngleich man sich damit ein Stück weit selbst belog.

Als Lehrerin arbeitete Elke Urban fünf Jahre lang, inklusive eines Praktikums zu Beginn und einer Schwangerschaft. Sie sagt, sie sei froh, dass sie nicht länger als Lehrerin in der DDR arbeiten musste, da es schon eine Belastung gewesen sei, nach den damals vorhandenen Idealen zu lehren und die eigene Meinung nicht öffentlich kund zu tun. Heute berichtet Urban als Zeitzeugin von ihren Erfahrungen in Form der Workshops an Schulen und im Schulmuseum in Leipzig. Ihr Workshop besteht aus einer Dokumentation als Einleitung in das Thema. Im zweiten Teil des Workshops geht es um die nachgespielte Unterrichtsstunde. Man bekommt einen altmodischen Namen, wie Stefanie, Georg oder Marta. Anschließend geht es mit einer Begrüßung nach DDR-Sitte weiter und Urban, die mit einem fiktiven Charakter die Lehrerin spielt, beginnt, die Stunde nach DDR-Art zu halten. Da man die Stunde eigens miterleben muss, werde ich hier nicht beschreiben, wie es genauer ablief. Nur so viel: Die spezielle Reaktion der Schüler sei wichtig, damit das Spiel funktioniere und gut ausgehe, sagt Urban.

Heute ist sie die Vorsitzende des Fördervereins des Schulmuseums und überlässt die Leitung des Museums anderen. Sie erzählt, dass sie mit den Workshops keine Klischees bedienen möchte. Es gehe darum, aufzuklären und die verschiedenen Facetten der DDR-Schule zu zeigen. Sie betont, dass es wichtig sei, zu differenzieren. Es habe auch Lehrer gegeben, die einem durchaus andere Ideale als die der DDR vermittelt haben, sagt sie. Außerdem zeigt Urban ihren Zuhörern auf, dass es neben den vielen schrecklichen Seiten der DDR auch positive Seiten gegeben habe.

Alles in allem seien die Workshops und das Schulmuseum in Leipzig zur Erinnerung und zur Bildung von jungen Menschen gedacht. Einen Ausflug sei es in jedem Fall wert, sagt Elke Urban. Und nach dem Workshop am Goethe-Gymnasium lässt sich diese Aussage nur bestätigen. Mehr Informationen finden sich unter: www.schulmuseum-leipzig.de. Yara Völker

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