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Interview Zecken gehören zu den unangenehmen Begleiterscheinungen des Sommers – wie kann man sich gegen sie schützen?

Blutsauger mit Nebenwirkung

Kaum steigen die Temperaturen, steigt auch die Gefahr, dass man von einer Zecke gebissen wird. Bei einer Lufttemperatur von sieben Grad Celsius kriechen die Plagegeister aus der Erde und warten in Büschen oder auch auf Gräsern auf ihre Opfer. Für schnüffelnde Hunde gibt es eine entsprechende Vorbeugemaßnahme, aber gibt es auch für uns Menschen einen Impfstoff gegen diese Bakterieninfektion? Die BAnane interviewte hierzu den Hautarzt Dr. Alexander Magerl aus Bensheim.

Warum sind Zecken so gefährlich?

Dr. Alexander Magerl: An sich wäre ja ein Zeckenstich nicht problematisch, die kleinen Mengen Blutverlust verkraftet ein Mensch problemlos. Allerdings sind Zecken Überträger von Krankheitserregern. Das können sowohl Bakterien als auch Viren sein. In Deutschland sind insbesondere die Borrelien und die FSME- beziehungsweise TBE-Viren von Bedeutung.

Gibt es eine Möglichkeit, sich dagegen zu schützen?

Magerl: Ja, in der Tat. Infektionsvorbeugende Maßnahmen sind: Tragen geeigneter Kleidung, sorgfältiges Absuchen des Körpers nach Zecken, rasche Entfernung der Zecken. Des Weiteren ist es wichtig, die Biologie der Erreger und den zeitlichen Ablauf des Zeckenstichs zu kennen. Die FSME-Viren können sehr rasch schon zu Beginn des Stichs übertragen werden. Diese Erkrankung ist selten, in Hessen sind nach meinem Kenntnisstand 2017 „nur“ 18 Menschen erkrankt. Jedoch kann die Erkrankung bei Ausbruch nicht beeinflusst werden. Gefürchtet sind bleibende neurologische Schäden, wie zum Beispiel Lähmungen, Schluck- oder Sprechstörungen.

Wenn nur so wenige daran erkranken, ist dann eine Impfung empfehlenswert?

Magerl: Aufgrund der Tatsache der Nichtbeeinflussbarkeit bei Erkrankung halte ich eine Impfung für sehr nützlich, insbesondere, da wir in Südhessen in einem Risikogebiet für diese Erkrankung wohnen. Meine Familie ist geimpft, da wir die Natur mögen und leider zu der Gruppe Menschen zählen, die für Zecken schmackhaft sind. Impfkomplikationen sind möglich, aber mit den zur Verfügung stehenden Impfstoffen extrem unwahrscheinlich.

Wie viele Impfungen braucht man und wie lange halten oder schützen diese?

Magerl: Für die vollständige Immunisierung werden drei Impfungen benötigt, die im Normalfall innerhalb von einem Jahr verabreicht werden. Ein viel häufigeres, im Sommer oft täglich mehrfach in unserer Praxis gesehenes Problem ist die Borreliose: Leider gibt es gegen diese Bakterieninfektion keinen Impfstoff für uns Menschen, hier sind unsere vierbeinigen Freunde, die Hunde, privilegiert.

Wie merkt man selbst als Patient, dass man an Borreliose erkrankt ist?

Magerl: In vielen Fällen treten Rötungen an der Stichstelle auf, oftmals allerdings erst nach längerer Zeit – drei Tage bis vier Wochen nach Stich. Deshalb sollten Zeckenstichstellen auch lange Zeit nachbeobachtet werden, damit man reagieren kann. Wenn eine Frühborreliose nicht behandelt wird, kann Sie in einem Teil der Fälle sogar von alleine ausheilen. Leider ist dies aber in vielen Fällen auch nicht der Fall und dann können obig genannte Folgeschäden entstehen.

Muss man sofort einen Arzt aufsuchen?

Magerl: So wichtig aus meiner Sicht eine Behandlung ist, so wenig muss man unter Stress kommen, da die Hautinfektion sehr langsam abläuft. Es ist also durchaus möglich, zum Beispiel einen zweiwöchigen Urlaub noch durchzuführen und erst danach zu behandeln.

Sollte die Zecke infiziert sein, wie muss ich mich dann als Patient verhalten?

Magerl: Ich persönlich behandle in der Regel bei Kenntnis einer infizierten Zecke, da ich in Risiko-/Nutzenabwägung mit einer einfachen nebenwirkungsarmen Behandlung das höhere Risiko der Borreliose verhindere. Allerdings muss eine infizierte Zecke nicht bedeuten, dass man auch erkrankt, insofern sollte stets der Einzelfall betrachtet werden.

Wie lange dauert die Borreliose-Behandlung?

Magerl: Die Frühborreliose bessert sich rasch in Wochen; eine Spätborreliose bedarf häufig intensiver und langfristiger Behandlungen über Monate bis Jahre.

Heißt das, man hat ein Leben lang Probleme mit seiner Gesundheit?

Magerl: In unglücklichen Verläufen können leider auch lebenslange Gesundheitsprobleme entstehen. Alexander Rhein

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