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Ethik Wie soll mit der Organspenderegelung verfahren werden? Schüler der Karl-Kübel-Schule befassten sich mit der Frage

Brisantes Thema Organspende

Die Frage um eine gesetzliche Neugestaltung bezüglich der Regelung von Organspende in Deutschland stellt nicht nur Politiker vor eine große Herausforderung, sondern sorgt auch in der Bevölkerung für Aufregung. Seit Jens Spahn von der CDU sich für eine Widerspruchslösung nach Vorbild Spaniens oder Frankreichs ausgesprochen hat, wird dieses ethisch-moralisch hochsensible Thema in der Öffentlichkeit genauso wie in der Familie und im Freundeskreis heiß diskutiert. Unter anderem haben sich auch Schüler der Karl-Kübel-Schule in Bensheim mit dem Thema auseinandergesetzt… Hier dazu einige Texte von ihnen: Eva-Lotte Wenderoth

Michel und der Traum von der Organspende

Einige unserer Politiker haben sich in den Kopf gesetzt, die Organspende-Regelungen zu ändern. Künftig soll jeder, der nicht explizit widerspricht, dazu verpflichtet sein, seine Organe bei der Feststellung des Hirntods zu spenden. Ethisch-moralisch ist eine solche Regelung mehr als fragwürdig. Was überlegen sich die sogenannten Repräsentanten des Volkes dann als nächstes? Jeder, der nicht widerspricht, muss wöchentlich 10 Euro an die CSU spenden, jeder, der nicht widerspricht, ist automatisch Hindu, jeder, der nicht widerspricht, verpflichtet sich dazu, mindestens einmal in seinem Leben einen Opel zu kaufen? Hier lassen sich Absurditäten jeglicher Art endlos fortführen. Es geht hier nicht nur um die Organspende, es geht um ein Politikum, darum, in was für einer Gesellschaft wir leben wollen. Es geht um Werte. Wer würde schon gerne zustimmen, dass sein Hab und Gut von der Allgemeinheit genutzt werden kann, wenn nicht widersprochen wird? „Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“, bekannte schon Goethes Faust. Gewiss, die Intention ist gut, doch die Realität sieht anders aus. Der Körper ist das ureigene Eigentum des Menschen, und ein jeder Mensch sollte frei über seinen Körper entscheiden können – ohne vorher Widerspruch einlegen zu müssen. Fraglich ist auch, ob eine solche Widerspruchspflicht mit Artikel 1 des deutschen Grundgesetztes vereinbar ist. Wenn die Würde des Menschen unantastbar ist, dürfen ihm dann gegen seinen Willen Organe entnommen werden? Ist es würdevoll, einem lebenden Körper lebensnotwendige Organe zu entnehmen und ihm so ein Ende zu bereiten? Ich denke nicht. Und seien wir ehrlich: Berlin scheint ja gerade nur so zu hoffen, dass der deutsche Michel sich seine Schlafmütze bis über die Nase zieht, frohen Herzens die Realität ausblendet und sich schlafen legt – am besten für immer und ohne Widerspruch eingelegt zu haben. Tanja Herrmann Klasse 12 BM 3

Bringe Nutzen mit dem, was für dich nutzlos ist

Als Mensch, der schon einmal auf ein Spenderorgan angewiesen war und die Erfahrung einer sehr langen Wartezeit aus Mangel an Verfügbarkeit auf ein nur sehr unbedeutendes und leicht kompatibles Organ, genauer eine Hornhaut, machen musste, kann ich somit aus eigener Erfahrung sagen, dass vielen Menschen schneller geholfen werden könnte, wenn auch mehr Menschen bereit wären, ihre Organen nach ihrem Ableben weiterzugeben. Denn wenn man tot ist, braucht man auch keine Organe mehr, warum also sollte man sie Menschen verweigern, die sie dringend zum Leben benötigen? Natürlich hat jeder Mensch das Recht, über seinen eigenen Körper zu bestimmen. Dies darf ihm weder vom Staat noch von Seiten der Medizin genommen werden. Durch die von Gesundheitsminister Spahn geplante Widerspruchslösung ist das meiner Meinung auch nicht der Fall, denn jeder, der nicht zum Spender werden möchte, kann dies einfach verweigern. Ich sehe aber einen großen Vorteil in diesem Konzept, jeder wird dazu gebracht, sich Gedanken über dieses doch heikle und sehr persönliche Thema zu machen. So wird der eine oder andere letztlich vielleicht doch noch den Entschluss fassen zu spenden – auch wenn er dies zuvor aus Bequemlichkeit nicht getan hätte. Dies wäre ein Segen für mehr als 10 000 Menschen in Deutschland, die hoffnungsvoll auf ein Spenderorgan warten. Daher fordere ich jeden abschließend nochmals auf, sich die Frage zu stellen: Brauche ich meine Organe wirklich noch, wenn ich einmal verstorben bin? Maximilian Dörsam 11 VW

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