Bananeweb

Interview I Selina Drax nimmt Stellung, warum immer wieder Menschen in Flüssen oder Seen ertrinken / Selbstüberschätzung und Unkenntnis über Gefahren

DLRG warnt: Nicht in unbekannten Gewässern schwimmen

Archivartikel

Die Anzahl der Menschen, die in Hessen ertrinken, steigt von Jahr zu Jahr. Doch wie ist das möglich, obwohl an jedem Badesee oder in jedem Schwimmbad Rettungsschwimmer stationiert sind? Diese geben dort ihr Bestes und können in den meisten Fällen das Schlimmste vermeiden. Doch die meisten Todesfälle gibt es nicht in Schwimmbädern oder extra angelegten und überwachten Baggerseen, sondern in Seen und Flüssen, die nicht für den Badebetrieb vorgesehen sind. Die offizielle Todeszahl durch Ertrinken in Hessen lag 2019 bei 20 Menschen. Selina Drax, Mitglied der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), erklärt, warum diese Menschen ertrinken.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass immer noch einige Menschen ertrinken?

Selina Drax: Ich denke, dass viele Menschen sich und ihre Fähigkeiten oftmals sehr überschätzen und sich den Gefahren des Gewässers nicht bewusst sind. Gerade während der Corona-Zeit suchen viele Jugendliche und auch Familien Abkühlung in Gewässern, die nicht zum Baden geeignet sind. Das hat meistens den Grund, dass örtliche Badeseen oder Schwimmbäder aufgrund der Kontaktbeschränkungen und der Abstandsregeln oftmals geschlossen haben. Mögliche Gefahren, welche diese „Badestätten“ mit sich bringen können, werden entweder zu spät oder auch gar nicht erkannt oder manchmal auch ignoriert. Durch eine zu starke Strömung oder das Absacken eines Stückes Ufer kommt es daher verstärkt zu Unfällen.

Was kann man tun, dass es zu weniger Unfällen kommt?

Drax: Um Unfälle größtenteils zu vermeiden, hilft es meist, generell etwas vorsichtiger zu sein und die Baderegeln zu beachten. Leichtsinnige Sprünge in unbekannte Gewässer sind vermeidbar und sollten vermieden werden. Dies gilt auch auf den Verlass auf einer Luftmatratze als „Boot“, da diese weder ausreichend Schutz noch genügend Hilfe bieten. Der einfachste Weg, Badeunfälle zu reduzieren und sich selbst nicht in Gefahr zu bringen, ist es dort baden zu gehen, wo es erlaubt ist. Dort sind dann notfalls auch Rettungskräfte vor Ort, die extra darauf geschult sind, Gefahrensituationen rechtzeitig zu erkennen und zu entschärfen. Zusätzlich hilft es natürlich auch, wenn man von klein auf das Schwimmen lernt.

Aufgrund der Corona-Pandemie finden aktuell keine Schwimmkurse mehr statt. Könnte das Folgen für die kommenden Jahre haben?

Drax: Meiner Meinung nach ja. Viele Kinder lernen heutzutage das Schwimmen in solchen Schwimmkursen. Entfallen diese, bedeutet das nichts Geringeres, als mehr Nichtschwimmer. Diese sorgen natürlich nicht immer für Badeunfälle oder Notfälle, sind aber deutlich gefährdeter, gerade in Seen und Flüssen. Sicherlich und hoffentlich ist es nächste Saison möglich, wieder Schwimmkurse zu besuchen. Diese werden dann aber vermutlich überfüllt sein, was zur Folge haben kann, dass nicht jedes Kind einen Platz bekommt und somit erst mal auch ein Nichtschwimmer bleibt. Marco Mautry

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel