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Reisebericht Marokko Auf einer Busreise durch den nordafrikanischen Staat begegnet man großer Gastfreundschaft, faszinierenden Landschaften – aber auch der Armut

Ein Land mit vielen Gesichtern

Archivartikel

Zum ersten Mal in Marokko – wie hatte ich mir dieses Land vorgestellt? Um ehrlich zu sein, so ein bisschen wie 1001 Nacht mit arabischer Musik, Wüste, Tee – eben ein Orienterlebnis. Vom Süden Spaniens ist Marokko unkompliziert mit der Fähre zu erreichen, weshalb ich mir dachte „Wieso nicht mal rüberfahren und schauen, was Marokko zu bieten hat?“ Eines steht fest: Ich wurde definitiv nicht enttäuscht, ja sogar positiv überrascht.

Marokko ist ein Land mit zwei Gesichtern. Es hat viel Schönes wie zum Beispiel die vielen glücklichen Menschen, große Gastfreundschaft, eine tolle Landschaft und das lustige Chaos auf den Straßen. Aus einer zweispurigen Straße werden kurzerhand fünf Spuren gemacht, auf denen neben Autos auch Fußgänger, Karren, Esel und Hühner unterwegs sind. Auf der anderen Seite sieht man aber auch viel Armut – es kann ein befremdliches Gefühl aufkommen. Man darf nicht vergessen, dass in Marokko 98 Prozent der Bevölkerung muslimisch sind, was sich in vielen Regionen bemerkbar macht. Gerade als Frau fühlt man sich etwas unwohl, wenn man nur Männer auf der Straße sieht und keine einzige Frau – es sei denn, sie ist mit ihrem Mann unterwegs. Auch der Gebetsruf, der plötzlich laut durch die Straßen hallt, kann im ersten Moment irritieren.

Land der Gegensätze

Die Kulinarik bildet einen weiteren interessanten Punkt. Die marokkanische Küche verwendet typischerweise starke Gewürze. Für meinen Geschmack ist das zu stark und übertüncht den Eigengeschmack des Gerichtes. Somit hat alles einen ähnlichen Geschmack, was aber nichts daran ändert, dass das Essen sehr lecker ist. Auf Dauer wäre mir das allerdings zu viel Würze.

Ich entschied mich für eine Busreise, was ich im Endeffekt nur sehr empfehlen kann, sollte man sich für eine Marokkoreise interessieren. Denn aus dem Bus heraus kann man viele interessante Beobachtungen machen und ein vielfältigeres Bild des Landes bekommen. So habe ich auf den Fahrten Orte gesehen, in denen Frauen in luftiger Kleidung alleine auf den Straßen unterwegs waren, aber auch sehr traditionelle und religiös geprägte Städte. In ländlicheren Regionen sieht man häufig Nomadenzelte am Straßenrand, und ab und zu steht auch mal ein einsamer Esel mitten im Nirgendwo.

Meine Route begann in Ceuta. Die Stadt befindet sich schon auf marokkanischem Territorium, allerdings ist es eine spanische Kolonie und gehört daher auch zu dem europäischen Land. Hier überquert man die Grenze. Danach ging es nach Meknès, eine doch sehr religiös geprägte Stadt. Im Anschluss fuhren wir über Midelt nach Merzouga. Merzouga ist eine Stadt am Rande der Saharawüste. Von hier aus hat man Zugang zu den Wüstentrips, was auf meiner Reise natürlich nicht fehlen durfte und das absolute Highlight war. Die unglaublich weiten und hohen Dünen, der blaue Himmel als Kontrast, der Ritt auf einem Kamel und zu guter Letzt eine Nacht in einem nomadenähnlichen Zelt: Das war wirklich 1001-Nacht-Feeling pur. Von Merzouga ging es dann weiter in die Kulturhauptstadt Fez. Fez und Meknès gehören neben Rabat und Marrakesch beide zu den vier einstigen Königsstädten Marokkos. Die Altstadt ist die weltweit größte mittelalterliche Stadt. In den tausenden kleinen Gässchen, die nicht auf Google Maps zu finden sind, muss man wirklich aufpassen, dass man sich nicht verläuft. Es bietet sich an, eine geführte Tour durch das Zentrum zu machen. Es macht auch schon Freude, sich einfach an eine Ecke zu stellen und das verrückte Treiben zu beobachten.

Marokko ist ein sehr facettenreiches Land, das einen Besuch wert ist. Vor allem dann, wenn man seinen Horizont erweitern und mal etwas ganz anderes, außerhalb Europas, sehen möchte. Antje Heitland

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