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Interview Die BAnane sprach mit dem Internisten Dr. Joachim Wilke über mögliche Gesundheitsgefahren durch Handystrahlung

Ein unterschätztes Risiko?

Archivartikel

Erwartungsvoll verweile ich im Eingangsbereich einer hausärztlichen Praxis und warte auf meinen Interviewpartner. Heute komme ich mit einem Thema, das uns Jugendliche tagtäglich begleitet. Das Handy – und die Frage, ob es gesundheitsschädlich ist, es in der Hosentasche zu tragen. Die BAnane interviewte hierzu den Bensheimer Internisten Dr. Joachim Wilke.

Wie wirken die „Handystrahlen“ auf den Körper?

Dr. Joachim Wilke: Stellt euch, rein theoretisch, mal vor, ihr haltet euch eine kleine Mikrowelle ans Ohr ... Allein die Wahrscheinlichkeit, dass da einem was „wegbrizzelt“, steigt mit der Dauer der Nutzung des Handys. Das ist jedoch absolut nur meine ungefilterte, eigene Meinung. Soweit ich als Internist es wissen kann, wirken die sogenannten Handystrahlen nur so lange, wie das Handy eingeschaltet ist, demnach im Ruhezustand weniger als bei Aktivität.

Wie lange kann man das Smartphone am Körper tragen, ohne Langzeitschäden zu riskieren?

Wilke: Das weiß derzeit noch kein Mensch. Zudem gibt es bisher keine rechtfertigenden Untersuchungen, die einen tatsächlichen schädigenden Nachweis erhärten würden.

Und ist es besser, Kopfhörer zu tragen, als das Handy direkt am Ohr zu halten?

Wilke: Nun ja, die Empfehlungen gehen klar dahin, Kopfhörer zu tragen, aber wo befindet sich das Handy selbst? Bestimmt nicht frei schwebend über dir im strahlengeschützten Raum.

Ist es für einen Jugendlichen gefährlicher, das Handy permanent in der Hosentasche zu tragen, als für einen Erwachsenen?

Wilke: Ich sage mal so: Für eine voraussichtlich noch nicht erwartende Familienplanung würde ich das Handy zumindest während des Schlafens auf dem Nachttisch ablegen wegen möglicher, jedoch bisher noch nicht bewiesener Spätschäden oder -folgen.

Führt das permanente Tragen eines Smartphones zu Unfruchtbarkeit oder gar zu einem Krebsleiden?

Wilke: Das mit der Unfruchtbarkeit ist heutzutage wohl mehr eine sozioökonomische Challenge. Man sagt lapidar: Let’s see what happens! Seit der Erfindung der „Pille“ ist alles möglich. Man kann sich durchaus Krebsarten vorstellen, die man nicht „am Körper“ haben möchte.

Liegen Ihnen da Studien vor und wer gab diese in Auftrag?

Wilke: Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und deren vorliegenden Studien soll Hochfrequenzstrahlung „möglicherweise krebserregend“ sein.

Welche Tipps geben Sie uns Jugendlichen, dass wir gesund bleiben und trotzdem das Handy nutzen können?

Wilke: Wenn du so fragst: Grundsätzlich nur noch unter dem Wasser telefonieren. Das klappt zwar (derzeit) noch nicht, schadet euch aber auch gesundheitlich zu 100 Prozent nicht. Aber mal im Ernst: Das Handy würde ich persönlich weg vom Körper tragen, in einer Tasche, dem Rucksack, oder es dem Freund in die Einkaufstüte stecken.

Welche Strahlungswerte sollten beim Kauf eines Smartphones entscheidend sein?

Wilke: Der SAR-Wert – Strahlung minus Gewebeerwärmung geteilt durch Strahlung. Hier ist alles unter 2W/Kilogramm unbedenklich.

Strahlt denn das Handyteil eines Festnetzanschlusses zu Hause auch, und sind diese Strahlen gefährlich?

Wilke: Laut Aussage meines Computerverwalters waren die SAR-Werte für das Festnetz „früher“ viel schlimmer. Das scheint sich geändert zu haben. Ob inzwischen die Handy-strahlen gefährlicher oder weniger gefährlich sind, kann ich nicht sagen.

Nutzen Sie das Handy in der Praxis? Inwiefern setzen Sie es sinnvoll ein?

Wilke: Ja, ich für mich kann sagen, dass ich es nutzen muss, kann und darf. Denn viele Patienten benötigen kurzfristig akute Hilfe. Diese kann ich ihnen Dank des Smartphones direkt anbieten, sozusagen zwischen zwei Untersuchungen in der Praxis, und das ohne lange Wartezeiten.

Eine Frage noch zum Abschluss: Und wo tragen Sie Ihr Handy?

Wilke: Ich selbst trage es so wenig wie möglich in der Hosentasche – siehe oben stehende Tipps.

Mit neuem Wissen über Strahlenwerte und mögliche Langzeitfolgen verlasse ich die Praxis. Dr. Wilke hat das richtige Händchen, einem medizinische Informationen weiterzugeben, ohne dass man sich gleich krank fühlt. Sein Smartphone lag übrigens die ganze Zeit über auf dem Schreibtisch, meines steckte im Rucksack, weil es ich in der Hosentasche eher als störend empfinde. Das werde ich auch weiterhin so machen, denn die Gesundheit ist mir persönlich wichtiger als mein Handy. Alexander Rhein

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