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Interview Sommerzeit ist Urlaubszeit – doch was bedeuten Flugreisen oder südliche Urlaubsziele für den Hund? Die BAnane hat bei Tierärztin Tanja Koradin nachgefragt

Erholung für den Menschen – Stress für das Tier

Archivartikel

Die schönsten Wochen stehen vor der Tür: Nur noch wenige Tage, und es geht in den Sommerurlaub. Doch nicht alle Familienmitglieder dürfen mitfahren. Manche Hunde kommen in eine Tierpension, andere sind bei Verwandten oder Freunden untergebracht, und die, die mitfahren, müssen für das Ausland ausreichend geimpft sein. Welche Untersuchungen und Papiere für die große Reise benötigt werden, hat uns Tanja Koradin, Tierärztin in der Praxis Gräber in Weinheim, bei einem Interview erzählt:

Was ist für eine Reise ins Ausland zu berücksichtigen und welche Voraussetzungen sind bei der Einreise zu beachten?

Tanja Koradin: Um eine Auslandsreise anzutreten, muss der Hund einen EU-Pass (blau) besitzen und gechipt sein. Im Pass muss eine gültige Tollwutimpfung eingetragen sein, die letzte soll mindestens vier Wochen zurückliegen. Empfehlenswert ist eine Sechsfach-Impfung.

Was soll man bei einer langen Autofahrt beachten?

Koradin: Das Auto sollte klimatisiert sein. Der Hund selbst ist am sichersten in einer Reisebox im Kofferraum untergebracht.

Wie oft soll man Pausen machen?

Koradin: Je nach Länge der Gesamtreisezeit müssen ausreichende Pausen mit Gassi gehen etc. eingeplant werden. Circa alle zwei Stunden sollte man zehn Minuten einplanen.

Darf der Hund auch im Flugzeug mitreisen? Was ist hier zu beachten?

Koradin: Natürlich darf der Hund im Flugzeug mitreisen, er kann allerdings nicht in die Kabine, sondern muss in den Gepäckraum, in einer Box untergebracht werden und kommt dann ab einer bestimmten Gewichtsklasse in den Bauch des Flugzeuges. Hier herrscht eine höhere Lärmbelästigung durch die Motoren, und wenn man einen sehr ängstlichen Hund hat, ist es bestimmt traumatisierend für den Vierbeiner.

Wie wird der Hund auf neue Geräusche im Flugzeug reagieren? Müssen seine Ohren geschützt werden?

Koradin: Natürlich wird er darauf reagieren, seine Ohren zu schützen ist aber schwierig. Man sollte dem Hund nichts in die Ohren stecken, das wird er sich bestimmt herauskratzen und vermutlich fressen, daraus resultiert dann das nächste Problem.

Oder soll man bei Flügen dem Hund etwas zur Beruhigung geben?

Koradin: Das könnte man machen. Man muss aber auch damit rechnen, dass der Hund anfängt zu toben. Gerade weil er Beruhigungsmittel bekommen hat und sich nicht verhalten kann, wie er das normalerweise tut. Der Hund befindet sich wie in einem betrunkenen Zustand und er selbst kennt diesen Zustand nicht. Er hat sich somit nicht unter Kontrolle, was einen großen Stress für den Hund darstellt. Daher würde ich persönlich dem Hund nichts zum Beruhigen geben.

Welche Medikamente verträgt der Vierbeiner?

Koradin: Medikamente muss man immer über den Tierarzt besorgen. Man sollte sich vorher beraten lassen, am besten beim „Tierarzt des Vertrauens“. Er kennt den Hund, den Besitzer und kann die Situation dann auch besser einschätzen.

Was ist allgemein zu beachten, damit der Liebling nicht erkrankt?

Koradin: Wichtig ist für eine Reise in den Süden, dass es dort viele Krankheiten gibt, die sich der Hund einfangen kann. Diese werden meist übertragen durch blutsaugende Insekten. Deshalb sollte ein Hund, sobald man in den Süden reist, auch immer ein Spot-on Präparat vom Tierarzt bekommen. Das ist eine Ampulle, die auf der Haut des Hundes verteilt wird. Dies ist ein Insektizid, das die Insekten abwehrt. Oder der Hund sollte ein Halsband tragen, insbesondere, wenn er viel schwimmt, da man dies zum Schwimmen ausziehen kann. Es ist wichtig, hier vorzubeugen, da viele Krankheiten auch nicht heilbar oder sogar auf den Menschen übertragbar sind.

Welche Untersuchungen sind vorgeschrieben?

Koradin: Die letzte Untersuchung muss eine Woche vor Abreise ins Ausland erfolgen. Hier sollte man samt Hund und Impfpass zum Tierarzt. Dort wird der Hund dann ein letztes Mal vor der Abreise untersucht und dies im Pass vermerkt.

Empfehlen Sie, den Vierbeiner mit in den Urlaub zu nehmen oder eher in seiner gewohnten Umgebung zu lassen?

Koradin: Ich persönlich empfehle, den Hund nicht mit in den Urlaub zu nehmen, zumindest, wenn man eine Flugreise plant oder wenn man im Süden urlauben wird. Eben wegen der vielen Krankheiten, die sich der Hund vor Ort holen kann. Das ist weitaus gefährlicher als für uns Zweibeiner.

Sollte man das gewohnte Futter des Haustieres in den Urlaub mitnehmen oder vor Ort einkaufen gehen?

Koradin: Wenn der Hund nur ein bestimmtes Futter verträgt oder frisst, sollte man sich nicht darauf verlassen, dass man es im Ausland kaufen kann. Entweder im Vorfeld informieren oder die entsprechende Futtermenge in den Urlaub mitnehmen.

Nach dem Interview war mir klar, dass der Urlaub für uns nicht unbedingt auch Urlaub für den Hund bedeutet. Alexander Rhein

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