Bananeweb

Interview Pfarrer Harald Poggel von der Gemeinde St. Laurentius und Diakon Andreas Debus von St. Nazarius erklären die Hintergründe von Aschermittwoch und Fasten

Ernste und zugleich hoffnungsvolle Zeit

Archivartikel

Am 11.11. um 11.11 Uhr herrschte in vielen Orten Deutschlands Ausnahmezustand, denn die Karnevalssaison 2018/19 wurde eröffnet. In Köln, Mainz, München und vielen weiteren Städten stürmten die Narren an diesem Vormittag die Straßen.

In Bensheim fanden in den vergangenen Tagen unzählige Sitzungen und Karnevalsveranstaltungen statt, von der Weiberfastnacht vergangenen Donnerstag bis hin zum heutigen Rosenmontagsball, der im Kolpinghaus stattfinden wird. All diejenigen, die immer noch nicht genug vom Feiern haben, können auch morgen noch einmal richtig närrisch sein, bevor die Karnevalssaison am Aschermittwoch begraben wird und die ruhige Fastenzeit beginnt.

Die BAnane befragte Pfarrer Harald Poggel von der Gemeinde St. Laurentius und den Diakon Andreas Debus von St. Nazarius zu den religiösen Hintergründen dieser Tradition.

Was bedeutet Fastenzeit für Sie?

Harald Poggel: Die Fastenzeit ist in der katholischen Kirche die Zeit der Vorbereitung auf das Osterfest. Deshalb nennt man sie auch österliche Bußzeit. Sie beginnt am Aschermittwoch und endet am Abend des Gründonnerstags. Da die Sonntage in dieser Zeit nicht mitgezählt werden, sind das 38 Tage. In einer früheren Ordnung waren es einmal genau 40 Tage. Diese Zahl erinnert an die vierzig Jahre der Wanderung des Volkes Israel ins Gelobte Land. Für Christen ist das Osterfest das Ziel der „Wanderung“ – das Fest der Auferstehung Jesu Christi. Der Name Fastenzeit ist ein wenig missverständlich. Es geht zwar auch um ein Fasten im Sinne von „weniger Essen“, aber das ist nicht alles. Drei Dinge prägen die Fastenzeit, so hat Jesus selbst es uns gesagt. Zum einen natürlich der Verzicht (Fasten), um frei zu werden für das Wesentliche. Also ein Verzicht auf alles „Zuviel“ – das kann der Verzicht auf bestimmte Speisen sein, zum Beispiel Fleisch oder Süßes, aber auch der Verzicht auf Fernsehen, Autofahren, Computerspiele und so weiter. Zum Zweiten gehört zur Fastenzeit das Gebet, also die Zeit für Gott, frei werden für die Gemeinschaft mit Gott. Und ein dritter Gedanke ist das Teilen – frei werden für die Mitmenschen, besonders für die Armen und Notleidenden. Beim Teilen geht es nicht nur um Geld. Man kann auch Zeit oder besondere Fähigkeiten teilen, das heißt anderen damit Gutes tun.

Wie sehen Sie die Fakten beim Fasten?

Andreas Debus: Beim Fasten geht es nicht um öffentlich demonstrierte Verzichtsleistungen, sondern um die innere Beziehung zu Gott und den Mitmenschen, was eine persönliche Umkehr einschließt. Fasten ist niemals gegen etwas oder jemanden gerichtet wie der Hungerstreik. Die Fastenzeit hat drei Elemente, diese sind das Gebet, das Fasten und die Almosen. Während der Fastenzeit wird die Katholische Kirche St. Nazarius Lorsch gemeinsam mit der Evangelischen Kirche Lorsch zu Glaubensgesprächen im Rahmen einer Fastenaktion einladen. Mit der Fastenaktion „Mal ehrlich! Sieben Wochen ohne Lügen“ widmen wir uns dem Umgang mit der Wahrheit. Aber auch wir werden öfter mal die Komfortzone verlassen. Wir wollen gemeinsam danach suchen, was die Wahrheit eigentlich ist und wie wir sie erkennen. Wir werden versuchen, uns selbst nicht zu belügen und mit anderen ehrlich zu sein. Wir sollten auch über Wahrhaftigkeit nachdenken. Und darüber, wann man für die Wahrheit streiten muss. In den Wochen bis Ostern können wir vielleicht auch Gottes Wahrheit näherkommen – und dabei auch uns selber.

Was bedeutet für Sie der Aschermittwoch?

Debus: Aschermittwoch, das heißt für mich entdecken, was für mich wertvoll und lebensnotwendig ist. Mit dem Aschermittwoch beginnen die vierzig Tage der Vorbereitung auf die Feier des Todes und der Auferstehung Jesu Christi. Die österliche Bußzeit will die Christen dazu anleiten, das eigene Leben zu überdenken und – wo nötig – die Weichen neu zu stellen. In meiner Heimatgemeinde St. Nazarius Lorsch wird am Aschermittwoch um 19 Uhr ein Hochamt mit Austeilung des Aschenkreuzes gefeiert. Bei der Austeilung werden folgende Texte gesprochen: „Kehrt um, und glaub an das Evangelium“ (Markus 1,15) oder „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“ (Genesis 2,7).

Poggel: Der Aschermittwoch ist schon seit etwa 1500 Jahren der Beginn der christlichen Fastenzeit. Sie hatte sich entwickelt als Vorbereitung auf das höchste Fest der Christen, das Osterfest. Der Aschermittwoch hat seinen Namen von der Asche, die allen Gottesdienstbesuchern an diesem Tag in Form eines Kreuzes auf die Stirn gezeichnet oder in Kreuzform auf den Kopf gestreut wird. Asche ist seit der Antike ein Zeichen der Trauer und der Buße. Der Mensch ist sich bewusst, dass er auch Schuld mit sich trägt und von Gott Vergebung erhofft. Das zeigt er durch das Aschenkreuz. Außerdem erinnert die Asche daran, dass wir Menschen vergänglich sind. Wir alle müssen einmal sterben. Doch die Christen beginnen ja am Aschermittwoch ganz bewusst eine Vorbereitung auf Ostern – das Fest des Lebens. Deswegen wird die Asche hergestellt aus den trockenen Zweigen des letztjährigen Palmsonntags, dem Sonntag vor Ostern. So wie Jesus an Ostern auferstanden ist, hoffen sie auf ein ewiges Leben bei Gott. Der Aschermittwoch ist also ein ernster und doch hoffnungsvoller Tag. Die Fastnachtstage direkt vor Aschermittwoch sind deshalb so etwas wie ein ausgelassenes Feiern, bevor eine ernstere Zeit kommt. Beides gehört zum Leben dazu – Feiern und Ernsthaftigkeit.

Für mich, Alexander, ist die Fastenzeit jedes Jahr etwas Besonderes. Ich versuche bewusst den Konsum, wie XBOX spielen und Süßes naschen, einzuschränken. Lieber lese ich in dieser Zeit Bücher, die sonst im Regal verstauben. Alexander Rhein

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel