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Erfahrungsbericht Eine BAnane-Mitarbeiterin will für eine Woche die Marine in Kiel besuchen – dann kommt alles anders ...

Fluch der Unzuverlässigkeit

Archivartikel

Vor ein paar Wochen wurde ich per Post von der Bundeswehr zu einem einwöchigen Besuch bei der Marine am Truppenstützpunkt Kiel eingeladen. Eine Woche voller Informationen, Schiffe und interessanter Berufe sollte mich erwarten. Zum Glück habe ich von meinem Arbeitgeber so spontan noch frei für dieses Ereignis bekommen.

Die Bundeswehr hat alles übernommen. Fahrtkosten, Unterkunft und Essen sind gestellt worden. Da ich mich schon immer für alles interessiert habe, was irgendwie mit Wasser und Meer zu tun hat, war das die perfekte Möglichkeit, einen potenziellen Arbeitgeber für die Zukunft genauer unter die Lupe zu nehmen. Deshalb hatte ich auch kein Problem damit, die etwa achtstündige Fahrt von Bensheim ganz in den Norden Deutschlands nach Kiel auf mich zu nehmen.

Zugfahrten sind für mich immer gute Gelegenheiten, zu lesen. Also hatte ich bis Kiel Hauptbahnhof ein Buch komplett durch und wusste nicht so genau, wo ich als nächstes hin musste. Dementsprechend war es zu meinem Vorteil, zufällig einen anderen Besucher zu treffen, der das selbe Ziel hatte wie ich. Gemeinsam sind wir zum Stützpunkt aufgebrochen. Der Weg bot uns die Gelegenheit, sich auszutauschen. Was wird uns erwarten? Wie sind wir zu der Einladung gekommen? Auf beide Fragen hatten wir keine Antwort.

Im Truppenbesuchszentrum angekommen, wurden wir gleich empfangen. Wir waren die einzigen Besucher im Warteraum. Das war wohl der Moment, in dem ich hätte skeptisch werden müssen. Wo sind die anderen Teilnehmer? Wir wurden auf die Zimmer aufgeteilt und sollten Betten beziehen. Ausgesehen hat alles wie in einer klassischen Jugendherberge. Nicht besonders gemütlich, aber zweckerfüllend. Was will man auch anderes? Ich bin ja nicht zur Marine gefahren, um eine Woche Urlaub zu machen, sondern um den Laden kennenzulernen.

Nur leider wurde daraus nichts. Es stellte sich nämlich heraus, dass von 30 Teilnehmern nur neun erschienen waren. Ich verstehe nicht, wie Leute so unzuverlässig sein können. Wenn ich an einem solchen Termin nicht teilnehmen kann, dann melde ich mich doch ab! So wurde unser Truppenbesuch von den nicht erschienenen Teilnehmern zerstört. Denn die ganze Woche wurde abgesagt, und wir sind am nächsten Mittag alle wieder nach Hause gefahren, mit der Begründung, dass der Besuch so in keinem Kosten-Nutzen-Verhältnis stünde. Dafür, dass mehrere Leute aus München kamen oder sogar von noch weiter weg, war das eine sehr ärgerliche Angelegenheit.

Immerhin hatten wir morgens noch die Möglichkeit, einen Mienensucher von innen zu besichtigen, und wir konnten mit ein paar Offizieren und anderen Soldaten reden. Es war sehr interessant, ein solches Schiff mal von einer anderen Seite kennenzulernen, und natürlich wäre es toll gewesen, auch mit ihm zu fahren.

Natürlich haben wir alle einen neuen Termin zum erneuten Truppenbesuch bekommen. Dieser ist allerdings statt fünf nur drei Tage lang und ich glaube, dafür werde ich den weiten Weg nicht nochmal auf mich nehmen. Leider hat dieser Ausflug mir statt der Marine hauptsächlich gezeigt, wie unzuverlässig andere Menschen sein können, und dass man vieles besser organisieren könnte – auch bei der Bundeswehr. Cara Metzner

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