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Hörspiel Enid Blytons Jugendkrimi-Serie kehrt mit einem Diätfall zurück

„Fünf Freunde essen glutenfrei“

Archivartikel

Enid Blytons Fünf Freunde sind zurück. Doch auch bei ihnen ist die Zeit nicht stehen geblieben, und Anne, George, Julian und Dick sind erwachsen geworden. Im neuen Hörspiel „Fünf Freunde essen glutenfrei“ sind sie nicht nur befreundet, sondern teilen sich auch eine Wohnung.

Ihr neuester Fall hat folgendes Ziel: per clean eating gesund und schlank zu werden. Vor allem Anne ist es wichtig, dass die Gruppe (inklusive Hund Timmy) sich gluten- und zuckerfrei ernährt, auf Milchprodukte verzichtet und zusätzlich auf Superfoods setzt. Das Brenzlige an diesem Fall: Die Fünf Freunde müssen die Situationen herauskristallisieren, in denen sie ihre neue Ernährungsweise gefährdet sehen – „im Café“, meint Anne, „im Büro“, sagt George, „auf der Geburtstagsparty“, so Dick und Julian. Vor allem der Verzicht auf Alkohol fällt den Kirrins schwer.

Der Höhenflug hält nicht lange an, und die Versuchungen machen den Freunden zu schaffen, weshalb sie bald darauf ins Felsenhaus, dem Wohnsitz von Georges Eltern, flüchten. Georges Vater Quentin, der immer noch wissenschaftliche Experimente durchführt, testet inzwischen eine kohlenstofffreie, auf Erdnüssen basierende Antriebsform, während ihre Mutter Fanny das Diätvorhaben der vier erwachsenen Freunde mit ihren Kochkünsten, die verdächtig oft ebenfalls Erdnüsse enthalten, zu beenden versucht.

Im Jahr 1978 erschien die erste Fünf-Freunde-Folge als Hörspiel, insgesamt wurden bislang 130 Hörspiele der jungen Abenteurer veröffentlicht. Mit „Fünf Freunde – endlich erwachsen“ versucht das Hörspiellabel EUROPA, einen neuen Ton zu treffen. Ob das gelingt, ist jedoch fraglich.

Die BAnane setzt sich die Kopfhörer auf

Schon die alten Folgen fallen durch Stereotypen negativ auf, die insbesondere veraltete geschlechterbezogene Rollenbilder betreffen. Während die Jungen auf dem Campingausflug über einen guten Orientierungssinn verfügen und das Lagerfeuer entfachen, übernimmt Anne das Kochen und Abspülen. Dass es sich dabei nicht um ein Zeugnis der Entstehungszeit Ende der 1970er Jahre handelt, zeigt die neue Folge, in der die erwachsenen Freunde ihre WG-Zimmer weiterhin von Anne reinigen lassen.

Autorin Enid Blyton arbeitet in ihren Geschichten häufig mit Stereotypen, seien es mollige Köchinnen, ängstliche Mädchen, unansehnliche Verbrecher oder starke Jungen. Eine Ausnahme unter den Fünf Freunden bildet Georgina alias George, die mit ihren kurzen Locken und weiten Klamotten nicht nur aussieht wie ein Junge und sich auch wie einer benimmt, sondern auch die bei Blyton männlich konnotierten Attribute Entschlossenheit, Stärke und Mut in sich vereint.

Aufgepeppt werden die doch recht einfachen Charaktere in den Fünf-Freunde-Hörspielen durch exotische Gäste wie Zirkusleute oder Zigeuner, gegenüber denen Vorurteile bis hin zu Diskriminierungen geäußert werden.

Enid Blytons Charaktere lassen sich leicht in gute und böse einteilen, wobei vor allem Stereotypen und Rassismen ein einfaches und leider veraltetes Weltbild prägen. Im neuen Format, das vierzig Jahre nach der Veröffentlichung des ersten Hörspiels entstanden ist, wird davon glücklicherweise Abstand genommen. Dennoch werden einseitige Inhalte vermittelt, indem Zukunftsthemen wie gesunde Ernährung und Mobilität ins Lächerliche gezogen werden.

Bildungsauftrag wird konsequent ignoriert

In „Fünf Freunde essen glutenfrei“ wird nicht darauf eingegangen, was Gluten ist oder was es bedeutet, unter Zöliakie zu leiden. Vielmehr richtet sich die gesamte Folge schlichtweg gegen alternative Ernährungsformen. Der Bildungsauftrag, den ein Hörspiel für Jugendliche und junge Erwachsene ernst nehmen sollte, wird ignoriert und sogar ins Gegenteil gekehrt. Als Lösung der gesamten Problematik wird zu guter Letzt der Spiralschneider, der sinnbildlich für die gesunde Ernährung steht, schlichtweg „entsorgt“, indem er in einen Bach geworfen wird.

Wer eine Stunde und 13 Minuten des Hörspiels hinter sich gebracht hat, wird spätestens an diesem Punkt an der Sinnhaftigkeit des neuen und zugleich anachronistischen Formats zweifeln. „Das war unser erstes richtiges Abenteuer seit Jahren“, jubeln die Fünf Freunde am Ende des Hörspiels, doch von einem Abenteuer kann mangels Gehalt nicht die Rede sein.

BAnane-Fazit: Das Hören dieses Hörspiel ist eine reine Zeitverschwendung. Moritz Müller

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