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Gute Sprachen, schlechte Sprachen

Archivartikel

Ich bin bilingual aufgewachsen“, erzählt eine neue Mitschülerin bei ihrer Vorstellung in unserer Klasse stolz. „Mein Vater kommt aus Argentinien und deshalb sind Deutsch und Spanisch meine Muttersprachen.“ „Tolle Wurst“, denke ich, „Übersetzt heißt das: In Spanisch wirst Du also auf jeden Fall eine Eins bekommen. Wir alle dürfen uns glücklich schätzen, wenn Du uns mal bei den Hausaufgaben oder der Prüfungsvorbereitung hilfst.“ Nichts für ungut: Ich kenne die neue Mitschülerin noch nicht und ich habe auch nichts gegen die spanische Sprache. Mich nervt vielmehr, dass unser Schulsystem immer die gleichen Sprachen bevorzugt. Spanisch, Französisch und Englisch – das sind die guten Sprachen. Chinesisch – kommt. Finnisch – interessant. Tschechisch, Russisch und Suaheli – schlechte Sprachen. Ich habe die Diskriminierung der meisten Weltsprachen am eigenen Leibe erfahren, schließlich bin ich selbst auch bilingual aufgewachsen. Meine Familie kommt aus Polen und benannt wurde ich nach meiner Urgroßmutter BAta. Früher sind wir in den Ferien immer zur Familie nach Polen gefahren und haben Polnisch gesprochen, doch sobald wir die deutsche Grenze übertreten haben, galt nur noch das deutsche Wort. In der Bundesrepublik konnten wir mit dieser Sprache nicht viel anfangen, so schien es, schließlich gibt es für diese Sprachen weder Schulunterricht noch Noten und kaum jemand aus unserem Bekanntenkreis ist des Polnischen mächtig. Kaum jemand interessiert sich für unsere bilinguale Familie. Außer natürlich, die Nachbarn haben Handwerker mit einem polnischen Background, dann werden meine Eltern gerne mal auf einen Kaffee eingeladen. Während sie diesen trinken, werden sie dann beiläufig dazu aufgefordert zu sagen, dass die Wandfarbe zu dunkel ist und der Küchenschrank etwas zu tief hängt. Bis neulich, Eure BAte

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