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Hoffnung siegt über Realismus

Archivartikel

Der Alptraum der meisten Studierenden der Soziologie und Politikwissenschaften ist der obligatorische Kurs in Statistik. Kein Wunder also, dass wir Normalsterblichen einen großen Bogen um die statistischen Wahrscheinlichkeiten unseres Handelns machen. Die Chance, sechs Richtige im Lotto zu haben, beträgt eins zu einhundertvierzig Millionen. Statistisch gesehen entpuppen sich über 98 Prozent aller deutschen Lottoscheine als Nieten. Und trotzdem kreuzen Woche für Woche Tausende hoffnungsvolle Lottospieler die nummerierten Kästchen an. Gleichzeitig sind neun von zehn Lungenkrebserkrankungen auf aktives Rauchen zurückzuführen. Doch diese Gewissheit schreckt Raucherinnen und Raucher nicht davon ab, immer wieder zum Glimmstängel zu greifen. Jede zweite Ehe wird geschieden. Rechtshänder leben länger als Linkshänder. Es ist wahrscheinlicher, von einem Stuhl getötet zu werden als von einem Hai. Und wiederum ist die Wahrscheinlichkeit, von einem Hai angegriffen zu werden, höher, als im Lotto zu gewinnen. Doch warum ignorieren wir Erfahrungswerte und denken, wir könnten uns über die Schicksale von Otto Normalverbraucher und Erika Mustermann hinwegsetzen? Wieso ist Stochastik ein Fremdwort für uns? Es ist wahrscheinlich weniger das Problem, dass wir in Mathematik nicht aufgepasst haben, sondern vielmehr, dass wir beratungsresistent sind, wenn es um unsere eigenen Schwächen geht. Wir tauschen unseren Realismus ein gegen den Glauben, dass alles gut werden wird. Wider alle Vernunft. Und wider alle Statistik. Bis neulich, Eure BAte

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