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Interview Mathematik- und Sportlehrerin Inga Lemke über das Unterrichten während der Corona-Pandemie

Hürden gemeinsam überwunden

Archivartikel

Für viele Jugendliche und auch Erwachsene bestimmt die Schule den Alltag. Doch gerade während der Corona-Pandemie ist es sehr schwer, als Lehrkraft seine Schüler zu informieren oder gar zu unterrichten. Wie man dabei vorgehen kann und welche Auswirkungen diese Zeit haben wird, erläutert Inga Lemke, Sport- und Mathematiklehrerin an der Geschwister-Scholl-Schule in Bensheim, im Interview.

Auf welcher Art und Weise haben Sie Ihren Schülern Unterrichtsinhalte während der Corona-Zeit vermittelt?

Inga Lemke: Der Kreis Bergstraße hat vor zwei Jahren allen Schulen ein Office-Paket gestellt. Darüber habe ich nach einem etwas holprigen Start die ersten drei Wochen der Corona-Zeit Arbeitsaufträge an meine Mathe- und Sportkurse verteilt. Seit den Osterferien halte ich zusätzlich regelmäßige Videokonferenzen mit meinen Schülern ab und biete Online-Sprechstunden an.

Gab es dabei Probleme?

Lemke: Es war für einige Schüler eine echte Hürde das vom Kreis bereitgestellte Office-Paket auf ihrem Endgerät zu installieren und zu bedienen. Dazu kam dann, dass viele von ihnen und auch einige Lehrer nicht wussten, wie man nun richtig untereinander kommunizieren kann und inwieweit dies datenschutzrechtlich unbedenklich ist. Zudem sind auch nicht alle Schüler in Besitz eines mobilen Endgeräts oder haben daheim nicht die Möglichkeit, in Ruhe an einer Onlinekonferenz teilzunehmen. Resultierend daraus durften im so genannten „Homeschooling“ nur Lernangebote gemacht werden, die, wenn überhaupt, nur positiv bewertet werden. Schüler, die nicht zu Konferenzen erschienen sind oder keine Rückmeldungen gegeben haben, gab es natürlich auch. In solchen Fällen habe ich mich telefonisch an diese Schüler oder an ihre Eltern gewandt, was zu Ergebnissen führte.

Wie wurden speziell die Fächer, die Sie unterrichten, eingeschränkt?

Lemke: Mathematik war eher das geringere Problem für mich. Ich konnte Übungsaufgaben zu einzelnen Themen ins Homeschooling verlagern. Schwierigkeiten hatten vor allem die Schüler, für die Mathematik generell schon eine Hürde ist, da neue Themen eigenständig mithilfe des Buches und von Lernvideos erarbeitet werden sollten. Sportunterricht findet nach aktuell aufgrund der Hygiene- und Abstandsregeln nicht statt. Die größte Hürde war das sportpraktische Abitur, was aber mit starken Einschränkungen trotzdem stattfinden konnte.

Welche Auswirkungen hat der neueste Hygieneplan auf den Sportunterricht und das Sportabitur?

Lemke: Sportunterricht wird in naher Zukunft ein Problem. Klassen müssten theoretisch aus der Turnhalle ausweichen, was der Schulhof aktuell, aber nicht wirklich zulässt. Viele Sportkurse werden vermutlich im Weiherhausstadion oder anderen Anlagen in der Nähe der Schule abgehalten werden. Das Sportabitur wird für die zwei der drei Themenbereiche, nämlich Leichtathletik und Badminton, im kommenden Jahr stattfinden können. Basketball vermutlich nur abgewandelt, so wie es dieses Jahr der Fall war.

Welches Fazit ziehen Sie aus dieser Zeit? Wird sie signifikante Einflüsse auf Ihren weiteren Unterricht haben?

Lemke: Es war eine interessante Erfahrung, die Wichtigkeit fester Strukturen zu erkennen und die unterschiedlichen Kompetenzen der Schüler im Umgang mit Computern mitzuerleben. Positiv ist vor allem, dass nun alle Schüler per Chat oder Mail erreichbar sind und ich dies zukünftig auch für das Verteilen von Arbeitsaufträgen oder Hilfestellung bei Hausaufgaben nutzen werde. Trotz alledem bin ich sehr froh, zumindest Mathematik wieder in der Schule unterrichten zu können.

Marco Mautry

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