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Coronavirus und Sucht Der Konsum von Bier, Wein und Spirituosen hat sich auch an der Bergstraße in der Pandemie verändert

Im Corona-Lockdown wird mehr Bier und Wein getrunken

Archivartikel

Abends den Preis seines Cocktails würfeln, zusammen mit Freunden beim Fußball schauen ein Bier trinken oder auf einem Weinfest den guten, neuen Tropfen probieren? All das war in diesem Jahr kaum möglich, was den Eindruck erweckt, der Alkoholkonsum müsste in den vergangenen Monaten gesunken sein. Die Verkaufszahlen bestätigen jedoch, dass die Verbraucher in Deutschland inzwischen mehr und regelmäßiger Alkohol einkaufen, als dies im vergangenen Jahr der Fall war. Im Gespräch mit Hanno Rothweiler und Anja Kühnert, Geschäftsführer der gleichnamigen Weingüter, sowie mit Matthias Häring, Dienststellenleiter der Caritas-Suchtberatung in Heppenheim, zeigt sich, dass sich der Konsum auch an der Bergstraße Pandemie-bedingt verändert hat.

Veränderte Tagesstruktur

Scheint es auf den ersten Blick verwunderlich, dass die Menschen mehr Alkohol trinken, so wurden die Gründe hierfür im Gespräch mit Häring deutlich. Viele Klienten, die sich in der letzten Zeit an die Caritas gewendet haben, hätten ausgesagt, dass die sozialen Einschränkungen und eine Reduzierung positiver Freizeitbeschäftigungen ihre Stimmung gedrückt hätten. Zudem sei ausschlaggebend, dass sich die Tagesstruktur verändert habe und wirtschaftliche Sorgen durch die Corona-Pandemie dazugekommen seien. Ferner führten verschärfte private Situationen im Lockdown zu häufigerem Alkoholkonsum. Doch bislang sei nicht klar, ob der Alkoholkonsum an der Bergstraße tatsächlich gestiegen sei oder sich allein die Gründe geändert haben. Denn einerseits haben während des Lockdowns im Frühling weniger Menschen bei der Suchtberatung Hilfe gesucht, andererseits zeigte die Vergangenheit, dass durchschnittlich acht bis zehn Jahre vergehen, ehe Betroffene bei einem Alkoholproblem die Caritas kontaktieren.

Lieber weniger und dafür besser

Obgleich deutschlandweit die Verkaufszahlen gestiegen sind, liegt hinter den Bergsträßer Winzern ein schlechtes Jahr. Der Onlineversand und der Verkauf im Einzelhandel sei zwar leicht gestiegen, aber gerade im Einzelhandel zeigte es sich, dass sich die Konsumenten in den vergangenen Monaten häufiger für günstigen Wein aus dem Ausland entschieden hätten. Neben den verheerenden Verlusten durch die ausgefallenen Volksfeste, brach mehrfach auch die Gastronomie als großer Abnehmer der Bergsträßer Weine weg, so Rothweiler und Jähring. Gleichzeitig erhalten die Winzer von den staatlichen Hilfen nichts, so dass bei einem zweiten Pandemiejahr und fehlender Werbung für die ansässigen Weingüter seitens der Kommunalpolitik ein Betriebssterben einsetzen könnte.

Auch wenn die aktuelle Situation vielen Menschen in verschiedenster Hinsicht Probleme und Sorgen bereitet, ist Alkohol keine Lösung. Und wenn wir alkoholische Getränke zum Genuss konsumieren, sollten wir uns vielleicht dazu entschließen, seltener, aber dafür besser zu trinken – anstatt zu Billigalkohol lieber zu den regionalen guten Tropfen greifen. Sowohl unsere Leber als auch die hiesigen Weingüter würden sich darüber freuen. Sophia Rhein

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