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Corona weltweit Die Bremerin Berit berichtet von ihren Erfahrungen mit der Pandemie am anderen Ende der Welt

In Australien wird es Sommer

Archivartikel

Berit ist 19 Jahre alt und kommt ursprünglich aus Bremen. Im September 2019 ist sie zu einem Work- and Travel-Aufenthalt nach Australien aufgebrochen, um nach dem Abitur den faszinierenden Kontinent zu erkunden. Was damals noch niemand wissen konnte: Das plötzliche Auftreten des Coronavirus sollte ihr vorerst einen Strich durch die Rechnung machen. Aufgeben und zurückreisen wollte Berit deswegen allerdings nicht. Sie macht das Beste aus der Situation und berichtet im Interview von der aktuellen Corona-Situation in Australien – vor allem, wie Reisende davon betroffen sind.

Seit wann ist Corona ein Thema in Australien?

Berit: Ende Januar 2020 ist in Victoria der erste Corona-Fall aufgetreten. Damals war ich sogar selbst in der Nähe, in Melbourne, das war irgendwie ein surreales Gefühl. Ähnlich wie in Deutschland hat sich die Situation dann allerdings erst in den Folgewochen zugespitzt und wurde immer ernster genommen.

Wie ist Australiens Regierung mit der Situation umgegangen? Welche Einschränkungen gab es für die Bevölkerung?

Berit: Ab Februar durften sich nur noch kleine Gruppen im öffentlichen Raum treffen, ab März waren es nur noch zwei Personen. Es gab ein Einreiseverbot für Ausländer, und einreisende Australier mussten hier zwei Wochen in Quarantäne. Viele Ausländer, die aufgrund der Situation zurückreisen wollten, hatten Probleme, einen Flug zu bekommen. Risikogruppen sollten daheim bleiben: Es gab eine Maskenpflicht, ähnliche Abstandsregeln wie in Deutschland und maximale Personenzahlen für die meisten öffentlichen Räume.

Wie wurde Dein Aufenthalt dadurch beeinflusst?

Berit: Ich habe von diesen ganzen Maßnahmen relativ wenig mitbekommen. Anfang Februar war ich bereits weitergereist und habe auf einer Farm im Süden Australiens gearbeitet, um mein einjähriges Working-Holiday-Visum zu verlängern, da ich gern noch ein zweites Jahr bleiben wollte. Die Region war sehr ländlich, hier waren kaum Einschränkungen bemerkbar und Abstand halten war auf den großen Kartoffelfeldern kein Problem. Durch die Hamsterkäufe der Bevölkerung hatte ich sogar besonders viel zu tun und habe mich entschieden, zu bleiben. Schließlich hätte ich in Deutschland nichts tun können, und die Fallzahlen in Australien waren deutlich niedriger. Viele andere Reisende sind allerdings heimgeflogen, da man sich in Australien nicht mehr frei bewegen konnte – Inlandsflüge und Busreisen wurden weitestgehend gestoppt.

Australien hat aktuell verhältnismäßig niedrige Fallzahlen. Hast du eine Idee, warum das so ist?

Berit: Ich denke, dass vor allem das „social distancing“ und der strikte Einreisestopp sinnvolle Maßnahmen waren, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Außerdem ist Australien deutlich weniger dicht bevölkert als die europäischen Länder.

Wie ist die allgemeine Stimmung im Land und speziell in Deinem Umfeld? Haben die Australier Angst oder gehen sie Gelassen mit der Situation um?

Berit: Hier wird es jetzt Sommer. Victoria ist der einzige Staat, in dem es hier überhaupt noch regelmäßig Corona-Fälle gibt. Alle wirken sehr gelassen, die Ansteckungsgefahr ist extrem niedrig. Die Regierung ruft zwar noch immer zum „social distancing“ auf, aber so richtig ernst genommen wird es nicht mehr. Alle Läden und Restaurants haben geöffnet, Freizeitangebote sind möglich – das Leben hier verläuft völlig normal. Ich bin sehr froh, gerade hier zu sein und überlege schon, ein drittes Jahr zu bleiben. Eva-Lotte Wenderoth

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