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Interviews, Teil 1 Die BAnane sprach mit Harry Hegenbarth und der Bensheimer Schülerin Celine über mögliche Treffpunkte für junge Menschen

Jugendlichen eine Bühne geben

Immer mehr junge Leute wie wir wollen sich auch abends irgendwo mit ihren Freunden treffen und ein bisschen Spaß haben. Vor allem in diesem Jahr wurden dazu vermehrt der Bensheimer Stadtpark und die umliegenden Weinberge bis zum Kirchberghäuschen genutzt.

Bürger beschweren sich wegen Lärmbelästigung, Veranstalter haben Probleme bei Projekten im Stadtpark, Security vertreibt Leute von öffentlichen Plätzen – und Jugendliche haben keinen Platz für sich! Wir wollten wissen – seit wann ist im Stadtpark so viel los, dass es zu diesen Situationen kommt? Was kann man tun, damit sich die Lage bessert? Was macht die Stadt für Bensheims Jugend? Und vor allem – wie sieht die Jugend selber die Situation?

Dafür haben wir uns mit verschiedenen Leuten getroffen und mit ihnen diskutiert. Harry Hegenbarth

(Showmaker-Chef und Initiator des Vogel-der-Nacht-Festivals), die Bensheimer Schüler Celine G. (16) und Konrad M. (15), außerdem den Bensheimer Bürgermeister Rolf Richter.

Im Gespräch mit Harry Hegenbarth

BAnane: Inwiefern sehen Sie eine Veränderung im Verhalten der Jugendlichen im Stadtpark? Welche Probleme treten durch die vielen Menschen auf?

Harry Hegenbarth: Im Rahmen des diesjährigen Vogel der Nacht ist uns besonders aufgefallen wie viele Jugendliche sich im Stadtpark abends aufhalten. Das war sonst auch der Fall, aber es wird einfach jedes Jahr mehr. Der Großteil ist auch friedlich und wir hatten keine Probleme. Leider war aber auch eine kleine Gruppe von 10 maximal 15 Leuten die sehr gewaltbereit war. Es kam auch in den Nebenparks zu Schlägereien. So etwas löst natürlich ein mulmiges Gefühl aus. Mittlerweile braucht man bei Veranstaltungen rund um den Stadtpark immer mehr Hilfe von einem Sicherheitsdienst. Diese Veränderung finde ich sehr schade. Das hat aber nicht direkt etwas mit den Jugendlichen zu tun, die einfach nur einen Platz für sich suchen an dem sie abends etwas entspannen können.

Uns ist auch aufgefallen, dass vor allem in den Weinbergen ein Sicherheitsdienst kontrolliert – auch abseits von Veranstaltungen.

Harry Hegenbarth: Ja dort gibt es Kontrollen. Das Problem ist, dass die Security ab einer gewissen Uhrzeit die Leute dort oben weg schickt. So lautet deren Auftrag. Aber wohin sollen sie jungen Menschen die sich einfach nur treffen möchten? Die Jugendlichen werden also nur hin und her geschoben. Es gibt für sie kaum Freiraum, vor allem wenn man nicht in Vereinen oder so organisiert ist. Früher gab es viel mehr Möglichkeiten für junge Menschen, aber aktuell habe ich das Gefühl niemand kümmert sich so richtig um die Thematik und spricht auch mal direkt mit den Leuten. Es gibt im Sommer doch täglich die Möglichkeit sich mit Ihnen auszutauschen. Einfach mal aufs Kirchberghäuschen hoch laufen…

Und wer sollte aus Ihrer Sicht für solche Freiräume sorgen?

Harry Hegenbarth: Alle! Die Politik in Bensheim zum Beispiel. Aber auch die Schulen, kulturelle Einrichtungen, Vereine usw. Man denkt einfach es gibt keinen Bedarf, weil sich ja kaum junge Menschen mehr als das was da ist wünschen. Aber ist das wirklich so? Das Thema gibt es schon viele viele Jahre, vielleicht wurde auch aufgegeben mittlerweile. Wir bieten zwar oft auch jungen Künstlern Möglichkeiten auf einer Bühne sich zu entfalten, aber das ist „nur“ punktuell und nicht dauerhaft. Uns berichten die jungen Musiker dass man sie kaum auftreten lässt. Meiner Meinung nach müsste man zum Beispiel mehr Räume stellen, mehr Budget für Jugendliche einplanen. Nur wo ist die Jugend die was auf die Beine stellen möchte in unserer Stadt? Ich fände auch einen Jugendrat nicht schlecht über den Jugendliche der Stadt direkt Feedback geben könnten.


Celine G. war eine Zeit lang in einem Jugendparlament tätig, deshalb hat mich natürlich interessiert, inwiefern ein Jugendparlament in Bensheim helfen würde.

Celine, Du warst mal in einem Jugendparlament, wie viel hilft so etwas den Jugendlichen?

Celine: Es macht schon Spaß, dort mitzuarbeiten. Bei uns war es nur leider so, dass wir nicht so viel bewegen konnten. Die Zusammenarbeit mit der Politik ist eben nicht so einfach, wie man es sich wünscht. Es wäre besser, wenn Politiker einfach direkt mehr auf Jugendliche zugehen würden.

Und in welcher Form sollten Politiker das machen?

Celine: Am besten ist immer ein Gespräch. Ich denke nur, dass die Jugendlichen, die Probleme machen, nicht erreicht werden wollen. Und dann gibt es auch keine Möglichkeit, sie zu erreichen.

Und wie siehst Du die Situation der Jugendlichen rund um Bensheim?

Celine: Es gibt einfach zu wenig Möglichkeiten. Und für die wenigen Möglichkeiten, die es gibt, wird einfach nicht geworben. Das ist sehr schade, so geht auch viel verloren. Ich finde, man sollte einen einigermaßen freien Raum schaffen, in dem die Jugendlichen sich nur an ein paar Grundregeln halten müssen. Klar, an Gesetze, die es gibt, muss man sich auch halten. Wenn es aber einen Platz gäbe, an dem eben Schülerbands auftreten können, dann würden da bestimmt auch viele Leute hingehen. Vor allem, wenn man die Musiker kennt. Dafür müsste die Stadt aber erstmal einen Raum schaffen.

Mehr Raum für Jugendliche, genau das ist der Knackpunkt. Wo ist dieser Raum? Wer kümmert sich darum, neuen Raum zu finden oder zu schaffen? Wo gehen die jungen Leute aktuell hin, wenn es keinen Raum gibt und es jetzt vor allem immer kälter wird?

Das Interview mit Rolf Richter und dem Bensheimer Schüler Konrad gibt es nächste Woche in Teil zwei zu lesen. Cara Metzner

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