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Erfahrungsbericht Zehntklässlerinnen der Bensheimer Liebfrauenschule schauten sich einen Dokumentarfilm im Heppenheimer Saalbaukino an / Regisseur zu Gast

Kinofilm: „Wir sind Juden aus Breslau“

Die zehnten Klassen der Liebfrauenschule Bensheim haben eine Exkursion ins Saalbaukino nach Heppenheim gemacht. Dort schauten sie sich den Film „Wir sind Juden aus Breslau“ aus dem Jahr 2016 an – ein Dokumentarfilm, der die Lebensschicksale von 14 Überlebenden des Holocausts erzählt.

14 Zeitzeugen berichten über ihre Erfahrungen

Breslau beheimatete einst die drittgrößte jüdische Gemeinde, jedoch nur, bis Hitler an die Macht kam. 14 Zeitzeugen berichten von ihrer Flucht, der ständigen Verfolgung oder Aufenthalten in Konzentrationslagern und wie sie sich als Überlebende ein neues Leben in den USA, Israel, England oder auch in Deutschland aufgebaut haben. Einige dieser Menschen erklärten sich dazu bereit, in das heutige Wroclaw zu reisen, wo sie eine deutsch-polnische Jugendgruppe trafen. Mit dieser Jugendgruppe besuchten sie Orte, an denen beispielsweise Hitler eine Rede gehalten hatte oder sich Juden versucht hatten zu verstecken.

Der Film spiegelt die Gefühle der Überlebenden sowohl zur Zeit Hitlers und zur heutigen Zeit wider. Wie sich diese Menschen gefühlt haben müssen, was sie alles versuchten, um zu überleben, ist unvorstellbar. Im Film wurden teilweise auch Live-Aufnahmen von dieser Zeit gezeigt, die für die Bensheimer Jugendlichen unreal wirkten.

Es ist nicht leicht zu verstehen, was diese Menschen durchmachen mussten, um zu überleben. Doch dieser Film hat den Zuschauern einen guten Eindruck über diese Zeit vermittelt. Die Regisseure Karin Kaper und Dirk Szuszies haben sich bemerkbar große Mühe mit ihrem Film gegeben. Man spürt, dass sie sich mit den Zeitzeugen auseinandergesetzt haben und einen guten Draht zu ihnen hatten. Dass diese 14 Menschen ein und dasselbe Schicksal teilen und überlebt haben, ist erstaunlich und pures Glück. Alle haben die NS-Zeit auf unterschiedliche Weise überstanden und diese Schicksale, von denen der Film berichtet, geben den Zuschauern zu denken.

Fragerunde mit dem Regisseur Dirk Szuszies

„Wir sind die Juden aus Breslau“ ist sehenswert, wenn man als Jugendlicher versucht, diese Zeit, die für uns so schwer nachzuvollziehen ist, zu verstehen. Aber auch alle anderen, die sich mehr mit diesem Thema beschäftigen möchten, sollten sich den Film anschauen.

In einer anschließenden Fragerunde durften die Jugendlichen einem der Regisseure, Dirk Szuszies, Fragen bezüglich des Films stellen. Eine der gestellten Fragen war, wie es den Zeitzeugen während des Filmens ergangen sei. Alle 14 Überlebenden stellten sich freiwillig zur Verfügung, um ihre Geschichte, ihr Schicksal zu erzählen. Die Regisseure besuchten sie für die Dreharbeiten in ihrer gewohnten Umgebung zu Hause. Zu diesem Zweck reisten sie in die verschiedensten Länder, um die Menschen zu besuchen und zu begleiten. Sie sagten ihnen beispielsweise, dass sie in der Sprache sprechen sollen, mit der sie sich am wohlsten fühlen, so dass sie sich nicht zu etwas gezwungen fühlten. Unter anderem fragten ihn die Schüler auch, warum er diesen Film gedreht habe. Szuszies Antwort darauf war, dass er die Menschen auf diese Zeit aufmerksam machen wollte. Es sei ein Teil unserer deutschen Geschichte, die man kennen und verstehen sollte. Außerdem möchte er mit diesem Film auf den steigenden Antifaschismus hinweisen.

Die Jugendlichen schauten den Film ein paar Wochen nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle. Menschenleben waren dort in Gefahr gebracht worden und zwei Personen bei dem Attentat gestorben. Solche Taten sollten nicht passieren dürfen. Dies und auch der Film sind Hinweise eines steigenden Antifaschismus, und dies können wir uns nicht noch einmal leisten.

Dirk Szuszies Ansichten zur politischen Situation und warum er genau solch einen Dokumentarfilm gedreht hat, sind nachvollziehbar. Er wirkte sehr bodenständig und als stehe er komplett hinter diesem Film, was ihn sympathisch macht. Und wie er mit den 14 Überlebenden umgegangen ist, ist im Film deutlich spürbar. Die Menschen strahlen dieses Gefühl aus, das macht den Film interessant und spannend für die Zuschauer jeder Generation. Svenja Thomas

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