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Interview Ein Mitarbeiter der BAnane-Jugendredaktion hat sich mit Lehrerin Nathalie Donié getroffen, um über das Fach Latein zu sprechen

Latein ist doch keine tote Sprache

Archivartikel

Latein ist offiziell eine „tote“ Sprache. In einigen Schulen wird Latein zwar noch unterrichtet, aber viele haben das Fach nun aus ihrem Sprachangebot entfernt. Woran das liegt, was Lateinlehrer davon halten und welche Folgen dies haben kann, darüber hat die BAnane-Jugendredaktion mit Nathalie Donié, Latein-Lehrerin, gesprochen.

Wie sind Sie zu Latein gekommen, und wie hat sich das Schulfach mit der Zeit verändert?

Nathalie Donié: Früher war es gang und gäbe, dass Eltern die Laufbahn ihrer Kinder auf dem Gymnasium bestimmten. Ich besuchte dann ein Gymnasium, auf dem als erste Fremdsprache Latein unterrichtet wurde. Diese Sprache und die Geschichte der Römer gefielen mir von Anfang an. Nach meinem Abitur studierte ich dieses Fach dann auch und lehre es seit 13 Jahren meinen Schülern. Durch die modernere Ausstattung der Schulen hat sich Latein insofern verändert, dass man nun viel einfacher Bilder und oder Videos zeigen kann.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass Latein an einigen Schulen im Abwärtstrend ist, und was können Schulträger dagegen machen?

Donié: Fälschlicherweise denken viele Schüler, dass Fremdsprachen wie Französisch oder Spanisch leichter sind als Latein. Doch jede Sprache hat ihre simpleren und komplizierteren Seiten. Wer in Französisch, Latein oder Spanisch weder Vokabeln noch Grammatik lernt, wird in allen Fächern keine guten Noten bekommen. Meiner Meinung nach würden mehr Schüler Latein als Fremdsprache wählen, wenn man eine Kursfahrt nach Rom veranstalten würde. Spanische und französische Austauschfahrten machen ein Fach deutlich attraktiver. Auch sollten Sprachen und dritte Fremdsprachen viel mehr gefördert werden in der Schule.

Ist Latein wirklich tot?

Donié: Latein wurde schon oft für tot erklärt. Dazu sage ich nur: Ad multus annos (deutsch: Auf viele Jahre). Latein wird noch viele weitere Jahre, denke ich, Bestandteil des Schullebens sein. Das Problem ist allerdings, dass viele denken, die Schule würde Schüler auf das Berufsleben oder sogar spezifische Berufe vorbereiten und man Fächer wie Latein also nicht benötige. Doch die Schule soll Schülern lediglich Lerntechniken beibringen, den Verstand schärfen und Problembehandlung lehren. Latein schult hierbei vor allem das Durchhaltevermögen der Schüler bei schwierigen Textstellen. Zudem lernt man eine fremde Kultur kennen und kann lernen, wie das Leben früher im alten Rom war. Letztendlich sehe ich die Zukunft positiv und kann nur sagen: Totgeglaubte leben länger! Marco Mautry

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