Bananeweb

Studienfahrt Abschlusstour des Politik-und-Wirtschaft- und des Deutsch-Tutoriums des Starkenburg-Gymnasiums nach Athen

Leben zwischen Luxus und Verfall

Archivartikel

Athen – eines der bedeutendsten Zentren der Antike, wenn nicht das signifikanteste – verkörpert mit seinen graziösen Tempeln und Staatsbauten den Status einer Touristenstadt. Von der Akropolis bis zum Syntagma-Platz ist für jeden etwas geboten – sei es vor 2500 Jahren gebaut worden oder in den vergangenen Jahrhunderten, sei es Kultur und Tradition oder einfach nur Shopping und moderner Lifestyle. Athen ist und war das Zentrum Griechenlands und zu seiner Blütezeit das der damaligen bekannten Welt.

Davon ist heute außer ein paar ansehnlichen Ruinen nichts mehr übrig. Diese gehören zwar definitiv zum Erscheinungsbild der Stadt und prägen dieses, spiegeln Athen allerdings nicht wider. Begibt man sich auch nur außer direkte Sichtweite der nächsten Tourismusattraktion – sei es durch die Unfähigkeit, Karten zu lesen, sei es durch Zufall oder aus purer Absicht – begegnet man dem tatsächlichen Leben Athens, geprägt von Armut und Zerfall. Direkte Konfrontation mit einem Leben, welches sich die meisten nicht vorzustellen vermögen, zumal in einer solchen Tourismus-Hochburg. Alles ist verfallen, besprüht mit Graffiti und ruhig. Der Kontrast zwischen Hektik und Gelassenheit, zwischen Reinheit und Verschmutzung, zwischen Touristen und Einheimischen bietet die wahre Schönheit und Authentizität Athens.

Stadt mit zwei Gesichtern

Der Ausblick von der Akropolis über den Parthenon auf die Stadt ist wohl weltberühmt. Doch weniger aufgrund der Häuser im Hintergrund, die aus dem Fokus rücken, sondern rein aufgrund der Grazie und dem Alter der antiken Stätten. Schaut man sich dann aber das Umfeld genauer an, sticht vor allem eines heraus: heruntergekommene, nah nebeneinander stehende Gebäude, Häuserschluchten, soweit das Auge reicht, meist vier- oder fünfstöckige Bauwerke. Nicht umsonst hat sich der englische Graffitikünstler „The Krah“ Athen als Stadt ausgesucht, von der aus seine Kunstwerke weltweites Ansehen generieren sollten. Graffiti ist hierzulande verpönt – macht man sich doch viel zu viele Gedanken, wie es Häuser ruinieren kann. Dass es auch vorteilhaft sein kann, beachten wenige. Besonders, wenn man in Betonklötzen wohnt, können diese Kunstwerke den Alltag auffrischen, eben wie in Athen.

Denkt man an die griechische Hauptstadt, verbindet man damit direkt die Akropolis und andere Tempel, vielleicht sogar noch die Parade der Elitetruppe Griechenlands mit ihren Röcken und Pompons auf den Schuhen. Auf den Markt auf dem Monastiraki-Platz wird sich die Mehrheit noch einlassen können. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Marktes herrscht jedoch eine andere Realität. Armut steht dem Geldfluss gegenüber, Ruhe dem Chaos, Alltag dem Vergnügen. Genau dies macht Athen aus. Genau dessen sollte sich jeder bewusst werden. Genau dies sollte jeder erlebt haben.

Athen ist eine Stadt mit zwei Gesichtern, und jedes der beiden kommt gleichermaßen zum Zuge. Nur mit beiden versteht man Athen. Gerade deswegen ist es in Athen wichtig, sich nicht nur die Hotspots des Tourismus anzuschauen, sondern auch das normale Leben. Nicht nur strikt nach Karte oder Reiseführer zu laufen, sondern sich einen Tag freizunehmen und ohne Ziel durch die Stadt zu laufen. Nur so erfährt man die wirklich schönen Orte Athens und lernt diese schätzen.

Dies gilt in jeder Stadt, aber besonders in Athen, da man dort dem klaffenden Unterschied zwischen Realität und Inszenierung begegnet. Ziel sollte es sein, sich dem Mainstream zu widersetzen und die Realität zu erleben – nicht die Inszenierung. Marc Wohlfart

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel