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Kritik Das Theaterstück „All das Schöne“ setzt sich mit den Themen Depressionen und Suizid auseinander

Lebensbejahung anstatt Suizid

Das Theaterstück „All das Schöne“ hört sich schön an, denn es ist kein trauriges Stück über Depressionen, sondern ein humorvolles Stück über Lebensbejahung. Im Fachjargon nennt man das Resilienz (Fähigkeit, Krisen zu bewältigen) und man könnte sagen, das Stück ist eine gemeinsame Übung, mit dem Publikum diese Resilienz zu entwickeln.

Es handelt von einem Sohn, der versucht, mit den Suizidversuchen seiner Mutter klarzukommen und ihr zu helfen, indem er eine Liste mit all dem zusammenstellt, was das Leben schön macht. Diese Liste rettet die Mutter nicht, aber ihn. Aufgeführt wurde der Monolog im Parktheater in Bensheim.

Immer mehr Punkte für die Lebens-Liste werden gefunden

Mit dem ersten Punkt Eiscreme wird die Lebensliste angeführt, darauf folgt die Wasserschlacht und länger fernsehen, aber auch die Schokolade ist lebenswert. Am Ende hat die Liste ein Million Gründe, weshalb es sich lohnt, zu leben. Und aus dem einst siebenjährigen Jungen ist inzwischen ein Teenager geworden, beenden wird er die Liste dann am Ende als erwachsene Person. Die XXL-Liste hat die Mutter zweimal vor dem Suizid gerettet, doch der dritte Versuch endet dann mit dem Tod.

Das Theaterstück „All das Schöne“ war am Ende irgendwie zweigeteilt, denn zum einen steht das traurige Thema Suizid der Mutter im Raum. Zum anderen wurde man als Zuschauer in die Aufführung miteingebunden und nahm somit direkt an der Handlung teil, die damit dann doch nicht so traurig war. Im Verlauf des Abends waren somit ein Junge, eine Freundin, eine Psychologin, ein Tierarzt und viele weitere auf der Bühne. Die Zuschauermenge verringerte sich und aus dem anfänglichen Monolog wurde so ein richtiges Stück mit vielen Bühnendarstellern.

Ein Stück, das zum Nachdenken anregt

Doch Suizid ist nicht nur bei Erwachsenen ein Thema. In der heutigen Zeit nehmen sich gerade viele Jugendliche das Leben, weil sie Mobbingopfer wurden oder vielleicht missbraucht worden sind. Das Theaterstück endete für mich deshalb nicht mit der Aufführung. Denn auf dem Nachhauseweg sind mir so viele Gedanken in den Sinn gekommen. Das sensible Thema sollte meiner Meinung nach durchaus in der Schule Beachtung finden, denn Depressionen können sehr vielfältig sein und werden in dem Monolog herausragend und gleichzeitig skurril beschrieben.

Ich finde, der Dramaturgin Barbara Kantel, die die Leitung junger Schauspieler Hannover inne hat, hat ein interessantes und gleichzeitig ein sehr persönliches Theaterprojekt über Depressionen ausgewählt. Inszeniert hat es der Regisseur Paul Schwesig.

Hervorragend gespielt wurde das Stück durch den Schauspieler Jonas Steglich, der den Günter-Rühle-Preis gewann. Außerdem hat „All das Schöne“ sowohl den Schülerpreis, als auch den Publikumspreis bekommen. Das ist der erste Triple seit 24 Jahren, seit dem Bestehen der Woche für junge Schauspielerinnen und Schauspieler. Alexander Rhein

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