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Tag der Genitalverstümmelung Millionen Frauen werden jedes Jahr Opfer dieses grausamen Rituals – am 6. Februar wird ihrer gedacht

Leid im Namen der Tradition

Wortformen wie Leser oder LeserInnen stehen hierzulande oft zur Debatte, wenn es um Frauenrechte geht. Diese Lappalien sind nichts im Vergleich zu der Situation unzähliger Mädchen und Frauen weltweit. Ein besonders erschreckender Ausdruck der Unterdrückung der Weiblichkeit ist die feminine Beschneidung, die leider bis heute im westlichen und nordöstlichen Afrika zum Alltag gehört.

Schätzungen zufolge werden jährlich mehr als drei Millionen Mädchen Opfer dieser brutalen Tradition. Viele von ihnen leiden über Jahrzehnte unter Schmerzen, einige verlieren bei der Prozedur gar ihr Leben. Um auf dieses Tabuthema aufmerksam zu machen, wurde 2004 der Welttag gegen weibliche Genitalverstümmelung etabliert. Morgen, am 6. Februar, findet er zum 15. Mal statt

Das tatsächliche Ausmaß der Verbreitung dieser grauenhaften Tradition ist nicht bekannt. Dennoch wird von 200 Millionen beschnittenen Frauen ausgegangen, die zum Teil aus Ländern außerhalb Afrikas wie etwa Malaysia stammen. Besonders dramatisch ist die Situation in Guinea, Somalia und Ägypten, wo jeweils mehr als 90 Prozent der Frauen beschnitten sind. Die Mehrheit von ihnen wurde verstümmelt, bevor sie das 15. Lebensjahr vollendet hatte. Einige unter ihnen waren vermutlich noch Kleinkinder, da sich diese dem Eingriff nicht entziehen können.

Wie genau der Prozess aussieht und was dabei entfernt wird, ist nicht festgelegt. Bewusst wurde der Begriff sehr weit gefasst, um keinerlei Schlupflöcher zu lassen. Jedoch wird zwischen verschiedenen Typen je nach Schwierigkeitsgrad unterschieden. Gemeinsam haben fast alle weiblichen Genitalverstümmelungen, dass sie ohne medizinische Begründung durchgeführt werden. Meistens finden sie unter unhygienischen Bedingungen mit Rasierklingen oder Glasscherben statt. Betäubt werden nur die wenigsten Mädchen, da in der Regel kein medizinisches oder medizinisch geschultes Personal anwesend ist.

Die zumeist uralten Beschneiderinnen verletzen Stellen, die mit vielen Nerven durchzogen und dadurch äußerst sensibel sind. Durch die altersbedingte, eingeschränkte Sicht kommt es dabei nicht selten zu einer Schädigung der Harnröhre oder gar zu Inkontinenz. Häufig sind außerdem schwerste Blutvergiftungen und Infektionen mit HIV. Starke Blutungen können bis zum Tod führen. Viele Völker denken zwar, dass die Fruchtbarkeit der Frau gefördert werden könnte, tatsächlich ist jedoch Gegenteiliges der Fall. Mit dem Grad der Beschneidung wächst die Gefahr, dass sie nicht mehr in der Lage ist, Kinder zu gebären. Zu den körperlichen Folgen kommen auch psychische hinzu. Viele Betroffene leiden anschließend unter Angstzuständen und einem massiven Vertrauensbruch gegenüber ihren Familien.

Obgleich es sich um eine Verletzung des Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit handelt und es inzwischen unzählige Hilfs- und Aufklärungsorganisationen in diesen Ländern gibt, geht die Zahl nicht zurück. Denn die ethnischen Gruppen, in denen weibliche Beschneidung Tradition hat, halten mit allen Mitteln am Brauchtum fest. In vielen Stämmen wird sie als feierliche Zeremonie angesehen. Nur ein Elternteil von 25 möchte, dass seine Tochter verschont wird. Nichtbeschnittene Mädchen in diesen Kreisen werden oft ausgegrenzt, während eine Verstümmelung als ein Garant der Jungfräulichkeit angesehen wird. Gesetze wie zum Beispiel ein absolutes Beschneidungsverbot von Frauen, das 2007 in Ägypten eingeführt wurde, haben da nur wenig Einfluss.

Auch in Deutschland ist das Verbot der weiblichen Genitalverstümmelung im Strafgesetzbuch verankert, außerdem ist eine Verjährung ausgeschlossen. Den bereits beschnittenen Frauen hilft dies nur wenig, dafür aber die Desert Flower Foundation, die Berlin gegründet wurde und psychologische, sowie medizinische Hilfe leistet. Außerdem gibt es dort ein mehrsprachiges Beratungstelefon. Sophia Rhein

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