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Interview BAnane-Autorin Alisa Kavelj trifft eine Pole-Dancerin zum Gespräch – und nimmt gleich mal am Training teil

Leistungssport an der Stange

Archivartikel

Morgen wird dir alles wehtun, ich hatte nach dem ersten Mal komplett blaue Oberarme.“ Das ist der erste Satz, den ich zu hören bekomme, als ich den Raum betrete, in dem ich mich das erste Mal im Pole Dance ausprobiere.

Der Raum ist voller junger Frauen und Männer. Alle sportlich gekleidet und offensichtlich gut in Form. Das Training startet mit den üblichen Aufwärmübungen, Muskeln lockern, dehnen. Dann geht es an die Stange. Was oft so einfach aussieht, ist extrem fordernder und anstrengender Hochleistungssport. „Hier werden Muskelgruppen angesprochen, die man im normalen Leben gar nicht hat“, sagt meine Trainerin Sarah. Sie selbst hat mit Akrobatik angefangen und ist durch Youtube-Videos auf die Sportart aufmerksam geworden. „Ich fand das sofort unglaublich. Nicht weil es sexy war, sondern weil es so einfach aussah, so magisch. Ich wollte das auch machen und habe einen Verein gefunden, der das anbietet. Seitdem bin ich dabei.“

Der Sport selbst kommt, genau wie Sarah, ursprünglich aus der Akrobatik. In Asien werden Stangen schon seit dem zwölften Jahrhundert zum Training des Körpers genutzt, ausgebildete Artisten haben die Bewegungen perfektioniert. In den 80er Jahren kam der Stangentanz mehr und mehr in Stripclubs auf. Dieses Image der lasziven Freizügigkeit kann der Sport immer noch nicht ganz abschütteln. Sarah möchte als Trainerin den Sport von Vorurteilen befreien. Im BAnane-Interview erzählt sie davon.

Was bedeutet der Sport für dich?

Sarah: Auch wenn es sexy ist, geht es um den Sport und das Training. Dehnen, Kraft, Koordination, das ist das Wichtige. Es heißt auch High Heel Pole Dance, da kommt die Assoziation mit Sex natürlich sofort. Aber generell ist das ein Kraftsport, den man in Verbindung mit Ballett, Breakdance oder auch Bauchtanz individuell ästhetisch gestalten kann. Man muss sich von dem Bild des Striptease abwenden. Meine Schüler erlernen ein ganz neues Körper- und Selbstwertgefühl. Einige kommen hier hin und wollen sich nicht im Spiegel sehen. Jetzt ist da ein Lächeln. Sie fühlen sich stärker und denken „Vielleicht sehe ich ja auch gar nicht peinlich aus, sondern sogar ein bisschen sexy.“ Ich selbst habe gelernt, meinen Körper so einzusetzen, wie wir es als Säugetier auch tun sollten. Einmal bin ich an einem Fluss entlanggelaufen und wollte den Abhang runter ins Flussbett. Da bin ich einfach an den Ast eines Baumes gesprungen und habe mich langsam runter gelassen. Das hätte ich mich vorher nie getraut.

Wie sinnvoll sind Stangen für zu Hause?

Sarah: Die sind wirklich superwichtig, wenn man immer im Training bleiben möchte. Man kann immer üben, wenn man will, das macht Spaß. Die Stangen kann man einfach einklemmen, es gibt auch welche zum Bohren, aber das ist nicht wirklich nötig.

Wie sieht ein typischer Wettkampf aus?

Sarah: Ich habe bis jetzt an zwei Wettkämpfen teilgenommen. Vor drei Jahren war in Gießen der Pole Dance Globe, es gibt generell viele Amateurmeisterschaften, auch in Deutschland. Die International Pole Sports Federation trägt seit 2012 jährlich die Weltmeisterschaften aus. Bei den Wettkämpfen wird auf Kraft, Koordination, die Verbindung von Tanz und Musik und die Schwierigkeit der Figuren geachtet. Die Musik darf dabei keinen Gesang enthalten, und ein Einteiler als Kleidungsstück ist Pflicht.

Seit Oktober dieses Jahres ist Pole Dance eine offiziell anerkannte Sportart und hat gute Chancen, in das Programm der Olympischen Spiele aufgenommen zu werden.

Nach dem Training heißt es Liegestütze, Sit-ups und dann endlich Muskelentspannung. Meine Arme schmerzen, aber ich werde wiederkommen. Alisa Kavelj

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