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Zero Waste Shia und Hanno Su verzichten fast vollständig auf Plastikmüll – BAnane-Autorin Cara hat mit ihnen gesprochen und den Selbstversuch gemacht

Manchmal ist weniger einfach mehr

Hobby-Selbstexperimentlerin, Teilzeit-Veganerin, Welt-verbessern-Wollerin – alles Bezeichnungen, die es nicht gibt, die aber wohl auf mich zutreffen.

Seit ein paar Jahren beschäftige ich mich immer mehr mit Themen wie Naturkosmetik, Veganismus oder Nachhaltigkeit. Da war ich natürlich dabei, als Shia und Hanno Su in der Buchhandlung Schlapp einen Vortrag über „Zero Waste“ (deutsch „Null Abfall“) gehalten haben. Die beiden schaffen es, in einem Jahr nicht mehr als ein Einmachglas an Müll zu produzieren (ausgenommen Papier- und Biomüll). Wie sie das machen und dass das alles kein Hexenwerk ist, haben die beiden den Zuhörern dynamisch und einfach erzählt. Und eigentlich klingt es wirklich nicht so kompliziert. Denn Zero Waste heißt nicht verzichten, sondern achtsamer leben. Obst und Gemüse nicht in Plastik verpackt kaufen, den Kaffee gleich von zu Hause mitnehmen, statt to go zu kaufen und ganz viele Sachen leicht und schnell selber herstellen. Wie das geht, erklären Shia und Hanno im Interview.

Gibt es ein Produkt, was euch spontan als Erstes einfällt, worauf man verzichten oder welches man ersetzen kann?

Hanno: Das ist personenabhängig, aber ganz klassisch würde ich sagen, der Strohhalm. Für viele ist das eine kleine Sache, die man ganz einfach weglassen kann. Für andere kann es aber natürlich genauso einfach sein, im Bad bei der Seife anzufangen oder eben bei den Lebensmitteln. Jeder muss selber wissen, wie es für ihn am besten funktioniert.

Und noch ein sehr guter Tipp von beiden: Erstmal das benutzen, was man hat, anstatt ständig Neues zu kaufen. Und ja – auch ich finde bei mir zu Hause sofort drei Flaschen vom gleichen Shampoo. Also erstmal aufbrauchen, was schon da ist – dann eine müllfreie Alternative suchen.

Aber was, wenn ich mal keine Alternative finde?

Hanno: Eigentlich findet sich immer irgendwie eine Alternative. Aber auch wir haben ja noch unseren Müll im Glas. Ganz ohne geht also auch nicht. Wenn man größere Sachen sucht, dann hilft oft leihen oder tauschen. So muss nichts Neues angeschafft werden. Manchmal muss man einfach nur mal beim Nachbarn klingeln und nett fragen, dann bekommt man auch mal etwas, was man so nicht im Haus hätte.

Hanno und Shia haben ein ganz einfaches Konzept. Ich habe selber natürlich auch mal versucht, müllfrei oder zumindest weniger Müll produzierend zu leben. Zwei Wochen hatte ich für mein Selbstexperiment angesetzt. Und tatsächlich: Es ist nicht so schwer, wie man meint. Fast alles Obst und Gemüse habe ich unverpackt gekauft. Einziges Manko: Brombeeren in der Plastikschale. Alle anderen waren mir schlicht zu teuer. Shias Tipp an der Stelle: die Seite mundraub.org. Dort findet man öffentliche Bäume und Sträucher in der Umgebung, an denen man Obst für den Eigenbedarf pflücken darf.

Insgesamt ist ihr Lebensstil aber nicht teurer. Für etwa 50 Euro pro Woche kaufen sie frisch in Bio-Qualität ein. Alle zwei Monate kommen nochmal 80 bis 100 Euro für andere Lebensmittel dazu. Bis auf die Beeren habe ich in meinen zwei Wochen auch nicht mehr ausgegeben als sonst. Was bei mir vor allem an Müll anfällt: Joghurtbecher und Kassenzettel. Die Zettel sind nämlich „dank“ einer BPA-Beschichtung kein Papier-, sondern Restmüll. Shia und Hanno haben aber auch viele Haushaltsprodukte durch nachhaltige ersetzt. Zum Beispiel Putzmittel, Shampoo, Deo und Waschmittel. Viele Anleitungen für diese Produkte finden sich auch in Shias Buch „Zero Waste: Weniger Müll ist das neue Grün“.

Für viele Jugendliche ist das aber alles noch schwerer, weil nicht die ganze Familie mitmachen will. Was habt ihr für Tipps für Schüler, die noch zu Hause bei den Eltern wohnen?

Shia: Ausziehen (lacht). Naja, mit den Eltern reden und sich irgendwie einigen. Ansonsten bei den Sachen, die man selber kauft, einfach darauf achten, was man kauft. Klamotten zum Beispiel Second Hand besorgen und vor allem mal im Bad umsehen. Da steht nämlich meistens viel mehr, als man wirklich braucht. Schulsachen so lange verwenden, wie nur irgendwie möglich, und bei Markern zum Beispiel auf Bunstiftmarker zurückgreifen und gebrauche Heftumschläge von Freunden benutzen, die sie nicht mehr brauchen.

Wir sehen also: Es ist einfach, wenn man es nur möchte. Auch ich habe das in meinem kleinen Zwei-Wochen-Experiment gemerkt. Ich brauche viel weniger, als ich immer dachte. Und vor allem: Wenn man dann mal alles Überflüssige aufgebraucht hat und plötzlich viele freie Stellen in der Wohnung entdeckt, merkt man: weniger ist einfach mehr! Text und Interview: Cara Metzner

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