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Eigene Meinung Die Angabe auf Lebensmitteln schadet mehr als sie nutzt

Mindesthaltbarkeitsdatum führt Verbraucher in die Irre

Archivartikel

Das Mindesthaltbarkeitsdatum wird bei vielen dem Sinn des Parasitismus gerecht. Es pflanzt sich in uns ein und beeinflusst unser Handeln – stets zum Negativen.

Das Problem an dem Vergleich ist nur, dass bei einem Parasitismus definitionsgemäß der Parasit Vorteile genießt. In der Realität unterscheidet sich hier aber die Praxis von der Theorie. Denn dort herrscht aufgrund der im Volksmund als „abgelaufen“ bezeichneten Lebensmittel eine reine Konsumgesellschaft. Je knapper die Absicherung der Firmen gegenüber den Konsumenten, Produkte im qualitativ gleichen Zustand wie am Tag der Herstellung zu liefern, gesetzt wird, desto stärker steigt der Konsum der Güter. Unangetastete Lebensmittel, unter anderem durch die Unterschätzung der Menge beim Einkauf, werden sogleich am ersten Tag des „Ablaufdatums“ ersetzt – wohlgemerkt bei geeigneter Lagerung in einem nur minimal veränderten Zustand im Vergleich zum Herstellungsdatum.

So steigt zusehends die Fertigungsmenge, ganz zur Freude der Wirtschaft – die Kehrseite der Medaille sind die unnötigen Auswüchse der Wegwerfgesellschaft. Nicht nur zulasten derjenigen, die, wenn überhaupt, nur schwer an etwas Essbares kommen, sondern und vor allem derjenigen Lebewesen, die direkt darunter leiden – seien es nun Fühlende wie Tiere oder auch Pflanzen. Schlussendlich kommt alles zusammen und schädigt dem Individuum schlechthin – der Natur, an der wir uns täglich laben.

Die direkte Folge, die sich für die nächsten Jahre ergibt, wird jedoch die Wirtschaft einerseits, die Produzenten andererseits immens treffen – dann nämlich, wenn die Produkte, die heutzutage in unseren Breitengraden selbstverständlich sind, ganz plötzlich ein knappes und kostbares Gut werden, und somit der Preis für diese in die Höhe schnellt.

Die scheinbar unwissende oder sich selbst bemutternde Gesellschaft vergleicht grundsätzlich Äpfel mit Birnen: Mindesthaltbarkeitsdatum und Verfallsdatum. Und da die Angst, sich von möglicherweise verdorbenen Lebensmitteln eine Magenverstimmung zu holen, die vor dem Verzehr von Junkfood und dessen Risiken allgemein überwiegt, wird die Zukunft von „lebensmittelrettenden“ Geschäften gesichert bleiben. Marc Wohlfart

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