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Zukunft Sophie Charlotte Keunecke programmiert leidenschaftlich Roboter / Jetzt stellte sie ihr Können bei einer Weltmeisterschaft unter Beweis

Mit einem Herz für Roboter auf Platz drei

Archivartikel

Der Name Sophie Charlotte Keunecke dürfte den allermeisten Mitarbeitern der Halbleiter-Test & Vertriebs-GmbH (HTV) in Bensheim etwas sagen. Spätestens wenn es um die Programmierung von Robotern geht, spricht HTV-Geschäftsführer Edbill Grote sogar von einem „echten Ausnahmetalent“. Das bewies die ehemalige Praktikantin des Bensheimer Unternehmens jetzt auch auf internationaler Ebene: Gemeinsam mit ihrem Teamkollegen Thomas Haag nahm die 24-jährige Mechatronik-Studentin an den sogenannten „World Skills“-Weltmeisterschaften in Russland teil.

Weltmeisterschaft der Berufe

In Kasan erreichte das deutsche Team den dritten Platz in der „Future Skills“-Disziplin Robot Systems Integration, in der es um das Programmieren von Robotern geht. Der „World Skills“-Wettbewerb ist der größte seiner Art. Man trifft sich zum Leistungsvergleich in einem breiten Spektrum von Branchen der dualen Ausbildung, von der Anlagenelektronik bis zum Friseur. Insgesamt kämpften Ende August in Russland 1354 junge Fachkräfte aus 63 Ländern in 56 Disziplinen vor 250 000 Besuchern um den Titel. Die Teilnehmer gehören zu den Besten ihrer Altersklasse und werden durch regionale und nationale Leistungswettbewerbe ausgewählt. Am 19. August startete mit der Maschine nach Russland eine spannende Zeit für Sophie. In einem Tagebuch hielt sie die prägendsten Erlebnisse und Eindrücke vom ersten Tag, bis hin zum großen Finale, fest.

Tag 1: Die erste Nacht in Kasan ist überstanden. Nach nur fünfeinhalb Stunden Schlaf klingelte der Wecker und es hieß aufstehen. Nach dem Frühstück ging es weiter für uns mit einer Stadtrundfahrt. Kasan ist eine überwältigende Stadt mit einer über tausendjährigen Geschichte.

Am Abend wurde für uns im Hyppodrom eine riesige Willkommensparty mit russischen Volkstänzen, russischer Handarbeit, einem Pferderennen und vielen weiteren Aktivitäten, veranstaltet. Wirklich nervig hier ist das ewige Anstehen und Warten. Egal wo wir hinkommen, ob wir in den Bus einsteigen oder zum Essen oder wieder zurück ins Camp wollen - überall müssen wir durch Metalldetektoren laufen und werden genau überprüft.

Tag 2: Heute haben wir unseren Arbeitsplatz für den Wettbewerb kennengelernt. Die Expo ist extra für die Veranstaltung gebaut worden. Sie ist gigantisch groß und alles ist neu. Später haben wir dann auch unsere „Gegner“ kennengelernt. Es sind wirklich sehr nette Menschen in unserem Skill, würdige Gegner, die allerdings leider kaum Englisch sprechen, was zum Teil sehr schwierig ist. Merkwürdigerweise waren wir als erstes Team fertig mit dem Einrichten des Arbeitsplatzes. Warum die anderen stundenlang gebraucht haben, war mir nicht ganz klar. Haben die etwa schon gearbeitet?

Tag 3: Abends war die große Eröffnungsfeier. Sie war wirklich imposant. Die riesige Halle war komplett voll mit Eltern, Freunden und Gästen auf den Rängen. Alle feierten uns Teilnehmer, jubelten, klatschten, schwenkten ihre Landesfahnen, egal welche Nation gerade eingelaufen ist. Es ist schon ein unbeschreibliches Gänsehautgefühl, wenn man mit der ganzen Gruppe, alle in ihren Uniformen, hinter der deutschen Fahne einmarschiert und eintaucht in diese jubelnde Masse und der laute Applaus einen umschließt. Diese Stimmung reißt einen einfach mit.

Tag 4: Leider verlief der erste Wettbewerbstag für uns nicht so gut. Denn das uns zur Verfügung gestellte Softwareprogramm ist abgestürzt! Erst nach der Intervention russischer Besucher, die auf Russisch mit den Experten diskutiert und sich für uns eingesetzt haben, wurde mein Problem von den Experten geglaubt und ernst genommen. Das Programm war tatsächlich komplett abgestürzt.

Ganze Dreieinhalb Stunden habe ich rumgesessen und die Experten haben diskutiert, wie sie das Programm wieder zum Laufen bekommen. Ganze Dreieinhalb Stunden habe ich verloren, aber man hat mir nur eine Stunde zur Wiederaufarbeitung gegeben. Das war natürlich nicht zu schaffen. Aber ich habe mein Bestes gegeben und die fehlende Zeit nahezu ganz aufgeholt. Mein Kollege Thomas und ich sind ein perfektes Team.

Tag 5: Wieder ein arbeitsreicher Tag, aber ein guter Tag. Thomas und ich konnten die gestellten Aufgaben gut lösen. Ich habe ein gutes Gefühl für die Bewertung. Unser kleiner „Skill“ geht heute Abend feiern und meine Mutter sowie mein Freund kommen mit. Das wird bestimmt schön!

Finale: Heute war nun der große Tag. Und was ich nicht für möglich gehalten habe, wir haben den dritten Platz gemacht! Ich kann es immer noch nicht glauben! Da vorne zu stehen, den Namen ganz groß auf der Leinwand zu sehen und dann auf das Podest gerufen zu werden, das ist wie ein Traum! Und dann kommt der Moment, in dem man die Bronzemedaille um den Hals gehängt bekommst. Da stehst du dann da wie in Trance. Wir sind die weltweite Nummer drei! Anna Heiß/Sophie Keunecke

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