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„Net uffresche“

Archivartikel

Obwohl es mir widerstrebt, von einer Ersten, Zweiten oder Dritten Welt zu sprechen, nehme ich den gern zitierten Begriff der ’First World Problems’ auf. Über diese wird sich in letzter Zeit, wie ich finde, besonders häufig beschwert. Obwohl – oder gerade weil – es uns alles in allem so gut geht wie noch nie. Manch einer sieht aus, als würde die Welt untergehen, weil beim Eiertrennen ein Stückchen Schale mit in die Schüssel gerutscht ist, ein anderer kriegt schlechte Laune, weil Kirschen statt Äpfeln im Obstkuchen sind. Das Glas ist immer zu voll oder zu leer, das Licht zu hell oder zu dunkel, die Waden zu dick oder zu dünn. Wann geben wir uns endlich mit dem zufrieden, was wir haben? Oder sind wir im tiefsten Innern glücklich, meckern aber einfach zu gerne, um das zuzugeben? Immerhin meckern wir auf sehr hohem Niveau. Erst heute spielte sich folgendes Szenario ab: „Die Schlange an der Supermarktkasse ist viel zu lang“, klagte ein über 70-jähriges Pärchen, das von allen Anstehenden wahrscheinlich die meiste Freizeit hat, unisono. Aber sie waren sowieso schon genervt, weil der Lollo Bianco bereits ausverkauft war und sie auf den Lollo Rosso ausweichen mussten. Im Supermarkt gibt es so viele unterschiedliche Lebensmittel – gelbe und rote Bananen, längliche und runde Zucchini und Pudding original oder mit minus 20, minus 30, minus 40 Prozent Zuckergehalt –, dass es mich gar nicht wundert, dass die Leute durchdrehen. BAtes Lösung für die Winzerfest-Woche lautet darum: Relax. Take it easy. Gönnt euch ein Glas Rebensaft im Winzerdorf und quatscht mit euren Freunden, Verwandten und Nachbarn. Oder wie die Hessen sagen: „Net uffresche“. Bis neulich, Eure BAte

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