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Interview III Das Haus am Maiberg hat auf die aktuelle Situation reagiert und ein Online-Seminar entwickelt

Politisch weiterbilden trotz Corona

Archivartikel

Seit mehreren Monaten ist es nicht mehr möglich, sich in größeren Gruppen zu treffen. Darunter leiden neben Sportvereinen aber auch politische Einrichtungen, wie zum Beispiel das Haus am Maiberg in Heppenheim. Wie dessen Mitarbeiter mit dieser außergewöhnlichen Situation umgehen und wie sie trotzdem Workshops anbieten, berichtet Hanne Kleinemas.

Wie erfüllen Sie während der Corona-Situation weiterhin Ihren Bildungsauftrag?

Hanne Kleinemas: Die Corona-Situation stellte und stellt uns vor große Herausforderungen. Unser Tagungshaus ist seit April geschlossen, und niemand durfte sich mehr treffen, was für uns die wohl größte Hürde war und ist. Wir wissen, dass wir auch jetzt unser Bildungsangebot weiterhin für Menschen zugänglich machen müssen, und tun dies auch. Zusätzlich bilden wir uns selbst immer weiter fort und überlegen gemeinsam, wie wir welche Angebote auch online anbieten können. Hierbei sind wir auch gut mit anderen Einrichtungen vernetzt.

Was sind die Vor- und Nachteile von Online-Seminaren gegenüber den Physischen?

Kleinemas: Vorteile bei Online-Seminaren sind sicherlich, dass wir eine viel größere Reichweite haben. Wir erreichen Menschen in ganz Deutschland, für die sich ein physisches Treffen zeitlich nicht lohnen würde. Außerdem erreichen wir ganz neue Zielgruppen, die sich zum Beispiel nicht trauen, an einem Seminar vor Ort teilzunehmen. Der aber wohl größte Unterschied ist, dass man, wenn das Meeting beendet ist, man sofort den „Bildungsraum“ verlässt. Wenn wir bei uns im Haus am Maiberg tagen, kann man als Teilnehmer nach einer hitzigen Debatte und der anschließenden Reflexionsphase bei einem gemeinsamen Essen nochmals, gelassener, über die Ereignisse sprechen. Der digitale Weg ist also eine willkommene Ergänzung, kann aber keinesfalls den direkten Kontakt ersetzen.

Inwiefern unterscheidet sich Ihre Arbeitsweise aktuell von der in einem gewöhnlichen Alltag?

Kleinemas: Unser Bildungsteam arbeitet in erster Linie zuhause. Mittlerweile treffen wir uns ab und zu im Büro für Besprechungen oder Arbeit. Durch die Pandemie haben sich für uns neue Kommunikationswege ergeben. So benutzen wir nun alle das gleiche Tool und können so zusammen leichter an einem Projekt oder Dokument arbeiten. Falls ein Webinar ansteht, befindet sich allerdings das ganze Jugendbildungsteam im Haus, um dieses aus verschiedenen Räumen zu leiten. Diese Webinare sind natürlich auch „anders“, da man nicht die Stimmung der Gruppe einschätzen kann. Ebenso bekommt an kein direktes Feedback, was sehr schade ist. Treffen außerhalb des eigenen Teams finden offline kaum statt.

Welche Erfahrungen können Sie dieser komplizierten Zeit entnehmen und welchen Einfluss wird sie auf Ihre zukünftige Arbeit haben?

Kleinemas: Auch, wenn es ein paar Wochen gedauert hat, bis erste Veranstaltungen online stattfinden konnten, hat die Pandemie für eine beschleunigte Digitalisierung im Haus am Maiberg gesorgt. Wir lernen auch hier nie aus, aber mittlerweile nutzt fast jeder von uns eine digitale Plattform, um zu kommunizieren. Für den Sommer bis September haben wir eine Reihe auf die Beine gestellt. Diese trägt den Titel „(De-) Maskierte Solidarität in Europa?“. Hierbei sind Jugendliche und Erwachsene dazu eingeladen, sich mit verschiedenen Themen und Experten auseinanderzusetzen. Sicherlich wird die Digitalisierung auch in unserer Zukunft eine wichtigere Rolle bekommen. Aber unsere Treffen vor Ort sind aus unserer Perspektive wichtiger und vor allem intensiver als zuhause vor dem Computer. Marco Mautry

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