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Erkrankung Fast 18 Millionen Menschen über 18 Jahren in Deutschland betroffen / Offen ansprechen und einander unterstützen

Psychische Probleme nicht totschweigen

Archivartikel

Die mentale Gesundheit oder auch „mental health“ ist zu jedem Lebenszeitpunkt ein wichtiger Faktor. Chemische Vorgänge im Gehirn, vererbte psychische Krankheiten, Traumata oder Misshandlungen können zu schwerwiegenden Problemen führen. Menschen sehen sich heutzutage immer höheren Anforderungen und gesellschaftlichem Druck ausgesetzt.

Fast 18 Millionen Menschen über 18 Jahren sind in Deutschland von einer psychischen Krankheit, beispielsweise Angststörungen, Depressionen oder Essstörungen, betroffen. Auch immer mehr Kinder erhalten Diagnosen. Nicht einmal ein Viertel der Betroffenen sucht sich professionelle Hilfe. Dabei beeinflusst die mentale Verfassung, wie wir denken, fühlen und handeln. Aber auch wie wir mit Stress umgehen, mit Menschen interagieren und Entscheidungen treffen. Oft fühlen sich Menschen mit derartigen Einschränkungen im Stich gelassen. Es ist ein Tabuthema, über das kaum gesprochen wird.

Wir von der BAnane-Jugendredaktion haben drei junge Erwachsene getroffen, die von ihren persönlichen Erfahrungen mit dem Thema berichtet haben. Paul ist 27 Jahre alt und hat schon seit seiner Kindheit mit Schwierigkeiten zu kämpfen. „So richtig fassen und die Dinge beim Namen nennen konnte ich erst Jahre später. Ich habe lange gebraucht, um mir Hilfe zu suchen – und niemand wusste von dem, was in mir vorgeht. Mittlerweile habe ich eine verhaltenstherapeutische Behandlung abgeschlossen und fühle mich besser gewappnet. Trotzdem geht meine Diagnose nicht weg, ich werde nur besser darin, damit umzugehen und mir selbst Raum zu schaffen. Wenn man über seine Erfahrungen spricht, erkennt man, dass man nicht allein ist und man füreinander da sein kann.“

Die 29-jährige Jennifer sieht große Probleme im Umgang mit psychischen Erkrankungen: „Leider sind mit psychischen Erkrankungen noch immer sehr tief verwurzelte Stigmen verbunden. Hast Du einen gebrochenen Arm? Kein Problem, da wirst Du nicht schief angeschaut. Ist die ,Verletzung’ allerdings psychisch, sieht das Ganze ganz anders aus. So ist auch das Problem der Anerkennung von Symptomen bei Ärzten ein Problem – wenn man denn mal einen Termin bekommt. Aber nicht selten wirken sich ja psychische Erkrankungen auch auf den Körper aus oder körperliche Erkrankungen auf die Psyche. Das wird meiner Meinung nach noch zu getrennt betrachtet. Und es wird Zeit, sich mehr darum zu kümmern.“

Christina ist froh, nicht selbst betroffen zu sein. Die 25-Jährige sieht aber eine Aufgabe darin, für andere da zu sein. „Es erschreckt mich immer, wie sehr psychische Gesundheit in der Generation meiner Eltern noch ein Tabuthema und wie undenkbar für diese Personengruppe eine psychotherapeutische Behandlung ist. Dabei erlebt meiner Meinung nach so gut wie jeder Mensch im Laufe seines Lebens Situationen, in denen er oder sie von psychotherapeutischer Hilfe profitieren könnte. Heutzutage wird viel über Achtsamkeit gesprochen; für mich bedeutet der Begriff, nicht nur achtsam mit der eigenen psychischen Gesundheit umzugehen, sondern auch die anderer zu schützen.“

Besonders schwierig wird der Umgang mit der eigenen Krankheit, wenn keine professionelle Hilfe zur Verfügung steht. Psychosoziale Versorgung wird zwar flächendeckend angeboten, die Therapieangebote können die hohe Nachfrage aber nicht stemmen. Aber auch das soziale Umfeld und man selbst kann im Übergang – nachdem man erkannt hat, dass etwas nicht stimmt –, den Umgang mit der Krankheit erleichtern. Unsere Infoboxen geben dazu kleine Hilfestellungen. Alisa Kavelj

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