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Interview In Hamburg kursiert die Idee einer Flexibilisierung der Grundschulzeit – die BAnane hat eine Lehrerin aus der Region zu ihrer Einschätzung befragt

Revolution im Klassenzimmer?

Archivartikel

Hamburgs Elternkammer hatte vor kurzem eine Idee, die sie der Öffentlichkeit vorgetragen hat und die demnächst den Behörden vorgelegt werden soll. Eine Idee, die die Grundschulzeit revolutionieren soll. Zu dieser hat sich auch der Hamburger Schulsenator Ties Rabe in „Treffpunkt Hamburg“ des NDR geäußert.

Grundsätzlich geht es dabei um die Flexibilisierung der Dauer der Grundschulzeit, genauer gesagt um die Idee einer „flexiblen Schuleingangsphase“. Diese soll den bereits „erfahrenen“ Schülern, also all denen, die im Schulalltag gut mitkommen, ein Jahr schenken und diese von der ersten in die dritte Klasse schicken. Andere, die zum Beispiel noch Probleme mit Lesen, Schreiben oder der deutschen Sprache haben, würden die Schulzeit normal durchlaufen. Somit würde jeder halbwegs gute Schüler verbindlich überspringen, die anderen jedoch nicht wiederholen müssen, sondern nur die normalen vier Jahre durchlaufen.

Um zu erfahren, was Grundschullehrer in unserer Region davon halten, ist ein Mitglied der BAnane-Jugendredaktion losgezogen, um eine Lehrerin zu befragen. Die Gesprächspartnerin zog es vor, anonym zu bleiben.

In Hamburg sollen, wenn es nach der Hamburger Elternkammer geht, all diejenigen Schüler, welche pfiffig und motiviert seien und mit den Anforderungen der Schule zurechtkommen, von der ersten direkt in die dritte Klasse wechseln. Ziel davon soll sein, die Schule je nach Lernniveau der Schüler flexibler zu gestalten. Ergibt dies für Sie Sinn beziehungsweise wird so „flexibles Lernen“ ermöglicht?

Lehrerin: Diese Durchlässigkeit ist sinnvoll. Jeder Einzelfall muss allerdings genau geprüft werden, da auch noch andere Faktoren außer der Leistung der Schüler berücksichtigt werden sollten.

Die Schulzeit betrüge dann drei bis fünf Jahre. Sehen Sie darin eher einen Vorteil oder Nachteil für die Schüler in deren Entwicklung, schon früher (oder später) in die weiterführenden Schulen zu kommen?

Lehrerin: Das kommt auch auf den Einzelfall an. Es sollte immer genau geprüft werden, ob ein Schüler reif für einen frühen Schulwechsel ist oder nicht. Wichtig hierbei ist die emotionale Stabilität und die soziale Entwicklung des Schülers. Auch Ausdauer und die Motivation vom Schüler aus (nicht nur durch die Eltern) sollte gegeben sein.

Wäre das in dieser Form überhaupt möglich oder würde es voraussichtlich eher Komplikationen mit sich bringen?

Lehrerin: Möglich ist diese Form sicherlich, welche Komplikationen daraus entstehen würden, kann ich nicht beurteilen.

Ob sich der Versuch zur Reform durchsetzen wird, bleibt offen. Hamburgs Schulsenator Ties Rabe findet die Idee nicht schlecht, auch er hätte vor einigen Jahren ein Pilotprojekt starten wollen – jedoch wollte sich keine Grundschule daran beteiligen. Ob dies künftig anders sein wird, bleibt ebenfalls offen. Sicher ist: Sollte es bei dem achtjährigen Programm der Hamburger Gymnasien bleiben – was in nächster Zeit, wenn es nach der jetzigen Regierung geht, nicht verändert wird – dann wird der Großteil der Abiturienten beim Schulabschluss noch nicht volljährig sein. Marc Wohlfart

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