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Manspreading Wien will mit Kampagne Männer darauf aufmerksam machen, sich nicht breitbeinig in Bus und Bahn zu setzten

„Sei ein Ehrenmann und halt deine Beine zam!“

Archivartikel

Wien facht eine alte Debatte neu an. Die Rede ist von dem zur Zeit vieldiskutierten Manspreading. Die Wiener Linien des öffentlichen Nahverkehrs haben die Kampagne „Sei ein Ehrenmann und halt deine Beine zam!“ gestartet, um Manspreading zu stoppen. Dabei geht es darum, dass Männer mit breit geöffneten Beinen Sitze blockieren und so unangenehme Situationen bei ihren Mitfahrern auslösen.

So kommt es durch dieses Verhalten wiederholt zu ähnlichen Situationen. Eine Bahn oder ein Bus ist voll und man muss um einen Sitzplatz bitten, da häufig nicht freiwillig der eigentlich freie Nachbarsitz geräumt wird. Dies führt zu eigentlich leicht vermeidbaren Ärgernissen. Aber auch das Gefühl, dass einem jemand ungewollt zu nah kommt, ist für viele unangenehm. Häufig sind es Frauen, die sich belästigt fühlen, wenn das Knie ihres unbekannten Sitznachbarn andauernd ihren Oberschenkel streift. Mit der „No-Manspreading“-Kampagne wollen die Wiener genau darauf aufmerksam machen.

Aber sie sind nicht die ersten, die eine solche Kampagne starten und mit Schildern in den Bussen und Bahnen auf das Problem aufmerksam machen wollen. In den USA gibt es ähnliche Projekte schon seit Anfang der 2010er Jahre. Auch Kanada, Spanien und zuletzt auch im vergangenen März Berlin machten auf die Problematik aufmerksam. Eine Ausnahme ist Japan. Dort gibt es solche Kampagnen schon seit den 70er Jahren.

Aber woher kommt die Problematik? Wieso setzen sich vor allem Männer breitbeinig hin? Es gibt verschiedene Untersuchungen, die sich damit beschäftigen, weshalb Männer häufig eine solche Sitzposition einnehmen. Die einen gehen davon aus, dass sie auf den Körperbau zurückzuführen ist, andere führen die Sitzposition auf das Unterbewusstsein zurück. Die Position sei etwas Erlerntes. Eine Handlung, die man von klein auf bei anderen Männern gesehen hat und nachahmt. Außerdem soll, laut Studien, eine offene Sitzposition bei Männern attraktiver auf Frauen wirken. Genau umgekehrt wirkt in der Regel eine solche Sitzposition bei Frauen auf Männer. Doch egal, woher das breitbeinige Sitzen kommt, eins ist klar: Es hat Konfliktpotenzial.

Ähnliche Problematik bei Frauen

Aber ist es nur das Manspreading? Nein, es gibt einen weiteren Aspekt zu beachten. Neben dem Manspreading gibt es auch das sogenannte She-Bagging. Dies ist eine Bezeichnung für Frauen, die durch ihre Handtaschen oder Ähnliches, zwei Plätze in Bus oder Bahn für sich beanspruchen. Trotzdem sollte man bei dieser Betrachtung nicht außer Acht lassen, dass eine Handtasche seltener an die Grenzen der persönlichen Komfortzone, beziehungsweise der Privatsphäre, anderer stößt, anders als das Bein eines Fremden, das einen permanent berührt. Gegen die Differenzierung zwischen Männern und Frauen wurde in der Metropole Seattle in Washington eine charmante Lösung gefunden. Hier heißt es „one body, one seat“. Zu Deutsch: „ein Körper, ein Sitz(platz)“. Dadurch wird sowohl Manspreading als auch She-Bagging verboten und der Aspekt der Diskriminierung gegenüber Männern, der vor allem in Social-Media-Kanälen zu dem Thema häufig angesprochen wird, fällt weg.

Als Frau habe ich persönlich kein Problem, wenn ein Mann in einem Bus breitbeinig sitzt, solange er Platz macht, wenn der durch ihn doppelt belegte Sitzplatz benötigt wird. Ich finde es sogar praktisch gegenüber eines Mannes zu sitzen, der die Füße weiter auseinander stellt – das bietet mir nämlich mehr Beinfreiheit nach vorne. Manspreading ist für mich, genauso wie She-Bagging, kein Problem, solange der Sitzende auch kein Problem damit hat seine Beine oder Taschen bei sich zu behalten. Wenn andere Fahrgäste einen Platz daneben einnehmen möchten und er oder sie sich ohne Beschwerde auf nur einen Sitzplatz zurückzieht. Denn in einem überfüllten Bus oder einer Bahn eingeengt stehen zu müssen, weil ein anderer Fahrgast meint, mehrere Sitze unnötig durch Egoismus belegen zu müssen, ist immer unschön. Egal, ob ein Mann oder eine Frau Grund für den erhöhten Sitzverbrauch ist. Cara Metnzer

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