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Erfahrungsbericht Die Amphibienwanderung im Bensheimer Stadtteil Langwaden hat begonnen – BAnane-Mitarbeiter Moritz Müller war als Helfer dabei

Sicher über die Straße kommen

Sie wandern wieder. Insbesondere in den Abend- und Nachtstunden, wenn es wärmer als fünf Grad, windstill und regnerisch ist, sind Amphibien unterwegs. Die Querung von Straßen kostet jährlich viele Tiere das Leben, die versuchen, an die Tümpel und Gewässer zu gelangen, um zu laichen.

In Langwaden steht seit Jahrzehnten ein Amphibienschutzzaun, der unzähligen, teilweise seltenen, Fröschen, Molchen und Kröten das sichere Überqueren der Straße ermöglicht. Naturschützerinnen und Naturschützer gehen deswegen täglich, manchmal sogar mehrfach, die mehreren hundert Meter Zaunstrecke ab und kontrollieren eingegrabene Eimer, in die die Amphibien fallen, weil sie der Zaun am Überqueren der Straße hindert. Die BAnane-Jugendredaktion war vergangene Woche erstmals selbst dabei und hat die ersten Frösche und Kröten sicher über die Straße begleitet.

Um sieben Uhr ist schon viel los

Morgens, sieben Uhr, in Langwaden. Obwohl es sich um Bensheims kleinsten Ortsteil handelt, ist schon viel los auf der Straße. Und jedes Auto, das von Hähnlein in den Ort hinein fährt, bedeutet Gefahr – wenn nicht sogar den Tod – für die querenden Amphibien.

Um die Tiere zu retten, graben Freiwillige seit Jahren Eimer vor den Amphibienzaun, in den Frösche, Kröten und Molche fallen, sobald sie sich der Straße nähern. Die Eimer haben Löcher, um die Tiere bei starkem Regen vor dem Ertrinken zu retten, und einen Ast, der Mäusen und anderen Kleintieren hilft, herauszuklettern, sollten sie aus Versehen in einem der Eimer landen.

Die nächste Aufgabe der Helfer ist dann, die Amphibien herauszunehmen und sicher an den Rand ihres Laichgebietes abzusetzen, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt. Die Amphibien werden dort schnell wieder aktiv und hüpfen beziehungsweise schwimmen fort. Nach einer halben Stunde sind meist alle Tiere sicher über die Straße gebracht und ein Stück Fauna wurde erhalten.

Grasfrosch – der Lurch des Jahres 2018

Grasfrösche, eine der häufigsten Amphibienarten in Deutschland, sind auch für Laien gut von ihren Artgenossen zu unterscheiden: Die Frösche sind bis zu elf Zentimeter groß und besitzen eine gelbe bis rotbraune Farbe mit dunkleren Flecken auf dem Rücken. Am auffälligsten sind die dunkelbraunen Schläfendreiecke der Tiere, die wie eine Maske aussehen. Der Grasfrosch wird schon bei niedrigen Temperaturen aktiv und ist die erste einheimische Amphibienart, die auf Wanderschaft zu den Laichplätzen geht.

Wie jeder zum Krötenretter werden kann

Wurden keine Amphibienzäune oder -eimer aufgestellt, müssen Tierschützer selbst aktiv werden, um Unglücke zu verhindern. Kröten, Frösche und Molche, die sich auf der Straße befinden, sollten schnellstmöglich eingesammelt und an einen sicheren Ort gebracht werden. Dazu zählen erst einmal Wälder, Wiesen und Felder in Wassernähe sowie Sümpfe und Teiche auf der anderen Straßenseite. Sollte die „Abladestelle“ nicht dem Laichgebiet der Kröten entsprechen, macht das nichts; die Tiere werden ihre ursprüngliche Route wieder aufnehmen.

Kröten sterben nicht nur beim direkten Überfahren, sondern auch, wenn ein Auto schnell über sie hinwegfährt. Das hängt mit dem Unterdruck zusammen, der sich unter dem Fahrzeug bildet. Die einzige Rettung für die Tiere sind also aufmerksame Autofahrer, die sehr langsam über sie hinwegfahren oder –besser – vorsichtig aussteigen und den Tieren von der Straße helfen. Am besten also immer einen Eimer und Handschuhe im Kofferraum verstauen und die Warnweste nicht vergessen!

Wer bei der Aktion in Langwaden in den kommenden Wochen mithelfen möchte, kann sich gerne über die üblichen Kanäle (E-Mail, Telefon, Facebook oder Instagram) an die BAnane-Jugendredaktion wenden. Moritz Müller

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