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Erfahrungsbericht Luzie Zillig und Luisa Herborn waren nach dem Abitur mit dem Freiwilligendienst „Weltwärts“ ein Jahr in Tansania

Spannende Reise ins ferne Afrika

Archivartikel

Die Freundinnen Luzie Zillig und Luisa Herborn entschieden sich nach ihrem Abitur 2017, für ein Jahr nach Afrika zu gehen und dort in einem Montessori-Kindergarten zu arbeiten. Die beiden gingen mit dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „Weltwärts“ nach Tansania in Ostafrika. Der Kindergarten, in dem die beiden arbeiteten, befindet sich im südlichen Hochland in einer Stadt namens Njombe auf 2000 Metern Höhe. Die Michaelsgemeinde Bensheim unterstützte die Reise nicht nur finanziell, sondern stellte auch den Kontakt her, da der Montessori-Kindergarten ein Partner der Michaelsgemeinde ist. Ich habe mich mit den Freundinnen unterhalten, und sie erzählten mir von ihren Erfahrungen vor Ort.

Betreuung von 70 Kindern

Luisa berichtet mir, dass der Kindergarten rund 70 Kinder beherbergt, was immer von der Zeit im Jahr abhängig sei, da sich nicht jede Familie ganzjährig die Kosten für die Betreuung leisten könne. Sie berichtet auch, dass der Tagesablauf immer relativ gleich gewesen sei. Morgens sei als erstes gesungen und getanzt worden. Als nächstes wäre der Biologieunterricht an der Reihe gewesen, bei dem spielerisch die Tierwelt erlernt wurde. Danach gab es Frühstück mit anschließendem Zähneputzen, das die beiden Helferinnen aus Deutschland eingeführt hatten. Vor dem Mittagessen, bei dem es meistens Reis mit Bohnen oder Kohl gab, wurde Englisch, Mathe oder die Landessprache Kiswahili unterrichtet. Nach dem Essen wurde ein Mittagsschlaf gehalten, bevor die Eltern um 15 Uhr zum Abholen vorbeigekommen seien. Die beiden Freiwilligen arbeiteten zusammen mit einer Köchin und drei anderen Erziehern. Zeit zum Spielen hätten die Kinder nicht viel gehabt, da in Tansania sehr viel Wert auf Bildung gelegt würde. Der Arbeitstag für die deutschen Ex-Schülerinnen ging von 9 Uhr morgens bis 15 Uhr nachmittags. Ihre Aufgaben waren es, mit den Kindern zu spielen, sie zu unterrichten und in der Küche zu helfen.

Vor- und Nachbereitung

Die Organisation veranstaltete sowohl vor der Reise als auch während und nach dem Projekt Seminare, in erster Linie, um die Chance zu bieten, über Erlebtes zu sprechen und dies zu verarbeiten. Im Vorhinein sammelten die beiden Teilnehmerinnen mit Hilfe der Michaelsgemeinde 3000 Euro an Spenden, die die Organisation forderte. Davon bekamen sie monatlich eine gewisse Summe als Taschengeld sowie Geld für Verpflegung. Die beiden wohnten in einer kleinen Wohnung im Hochland, wo es sogar im Sommer ziemlich kalt war. Das Hochland von Tansania sei kein klischeehafter Ort für Afrika, sagen die beiden.

Luisa erzählt mir, ihr habe an dem Freiwilligen Sozialen Jahr insbesondere der interkulturelle Austausch gefallen. Außerdem habe sie Kleinigkeiten zu schätzen gelernt, die in Tansania nicht alltäglich seien, beispielsweise das fließende Wasser, Elektrizität oder eine Heizung. „Die Menschen sind so positiv und ich glaube, das hat so ein bisschen auf mich abgefärbt“, erzählt sie glücklich.

Jedoch sagen die Mädchen auch, dass es nicht nur Positives gegeben habe. Leider sei Gewalt noch immer eine gängige Methode, um die Kinder zu bestrafen. Außerdem sei es als europäisch aussehende Person manchmal schwierig gewesen, da man immer auffalle. Normal durch die Straßen zu gehen, ohne einen spaßig gemeinten Heiratsantrag zu bekommen, sei selten gewesen. Man hätte nie gewusst, ob die Menschen einen kennenlernen wollen, weil man weiß ist und anscheinend viel Geld besitzt, oder ob Interesse an der Person an sich bestünde. Dies sei manchmal etwas nervig und bedrückend gewesen.

Trotz einiger negativer Eindrücke sind die Freundinnen froh, die Reise gemacht zu haben, weil sie jetzt viel geduldiger und positiver seien und mit einer anderen Grundeinstellung durchs Leben gingen. Als ich die beiden nach Tipps für Nachfolgende frage, sagt Luisa: „Ich denke, man muss sich einfach auf die Erfahrung einlassen und mutig sein, auch wenn man manchmal an seine Grenzen stößt.“ Yara Völker

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