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Lehre An den Universitäten hat das Semester bereits wieder begonnen, doch auch da ist alles anders

Studieren über digitale Kanäle

Archivartikel

Seit dem 22. März gilt in Deutschland nun schon die Kontaktsperre. Im Gegensatz zu Schulen waren Universitäten von den Corona-Maßnahmen zunächst noch nicht stark betroffen, da sich die meisten Studierenden in den Semesterferien befanden. Das hat sich nun geändert. Denn am 24. April startete an vielen Universitäten das Sommersemester. Jedoch ganz anders als gedacht. Vorlesungen finden online statt, und je nach Bundesland hatten nicht einmal die Universitätsbibliotheken geöffnet. Aber wie empfinden die Studierenden das Lernen von zu Hause? Die BAnane hat nachgefragt:

Svenja (21) studiert Politikwissenschaften in Marburg: Die Uni ist für mich bisher erstaunlich angenehm von zu Hause. Ich versuche, die Vorzüge zu sehen und habe das Gefühl, dass ich mich bei Selbststudium und Live-Sessions ein bisschen besser konzentrieren kann. Auf der anderen Seite bedeutet Uni für mich aber eben auch „Zusammenkommen“ und die physische Anwesenheit mit anderen Studierenden. Das geht dieses Semester leider unter. So gibt es über ein digitales Lehren zum Beispiel weniger Wortmeldungen. In den Seminaren redet meistens der Dozent. Aber vielleicht wird sich das ja auch noch bessern. Im Großen und Ganzen hat sich jeder Mühe gegeben und Gedanken gemacht, wie man das Studium in der derzeitigen Lage gestalten kann. Und vielleicht wird es ja irgendwann möglich sein, sich zumindest für Gruppenprojekte wieder mit anderen Studierenden zu treffen.

Sarah (20, Bild) studiert Psychologie an der Universität Würzburg: Vorlesungen im Homeoffice: Ganz unter dem Motto starten dieses Semester Vorlesungen und Seminare online. Professoren und Dozenten stellen uns Videos und Skripte zur Verfügung, mit denen wir uns den Stoff selber erarbeiten können. Auch Diskussionsforen erlauben einen aktiven Austausch zwischen Kommilitonen und Lehrenden. Obwohl mir ein normales Semester natürlich lieber gewesen wäre, bin ich sehr zufrieden mit dem Online-Angebot und an die morgendlichen Vorlesungsaufzeichnungen mit Kaffee und Frühstück könnte man sich beinahe gewöhnen.

Aber nicht nur in Deutschland beeinträchtigt Corona den Uni-Alltag. Auch im Ausland bleiben die Hörsäle geschlossen. So auch im niederländischen Leiden, wo Charlotte (19) Psychologie studiert: Dass auch die niederländischen Universitäten geschlossen wurden, kam dann doch sehr überraschend. Im Vergleich zu anderen Ländern wurden einschränkende Maßnahmen hier nämlich zunächst sehr locker gehalten. Da ich mich im internationalen Zweig meines Studienfachs befinde, wurde direkt verkündet, dass das komplette akademische Jahr online beendet werden müsse. Denn viele Leute sind in ihre Heimatländer zurückgekehrt und können nicht ohne Weiteres zurückkommen. Die größte Umstellung für uns im Online-Studium waren die ersten Klausuren, die plötzlich am eigenen Küchentisch und mit den Freunden an der Seite stattfanden. Das mag im ersten Moment nach vielen Vorteilen klingen, allerdings hat die Uni ihre Anforderungen an mögliches Spicken angepasst. Das schon vorher sehr verschulte System meiner Uni setzt jetzt auf Hausaufgaben, Video-Präsentationen und Online-Arbeitsgruppen. Der gesteigerte Arbeitsumfang hält einen beschäftigt, erhöht aber auch den Druck, trotz der beängstigenden Umstände vollauf funktionieren zu müssen. Ich glaube, ich kann hier für die meisten aus meinem Semester sprechen: Wir werden alle aufatmen, wenn wir endlich wieder mit Enthusiasmus, an den Grachten liegend, unsere Vorlesungen schwänzen können. Laura Kress

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