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Tiermedizin Neueste Technologien für die Vier- und Zweibeiner / Die BAnane sprach mit Tierärztin Tanja Koradin über das Thema Röntgen

Tierische Lieblinge auf Herz und Nieren geprüft

Zahlreiche Studien haben nachgewiesen, dass Haustiere dem Besitzer guttun. Sie sorgen sowohl für unser psychisches als auch physisches Wohlbefinden. Umso wichtiger ist es uns also, dass es unseren Lieblingen an nichts fehlt. Schon auf eine 5000-jährige Geschichte kann die Tiermedizin zurückblicken, heute ist sie der Humanmedizin lange nicht mehr unterlegen. Auch in Tierarztpraxen warten neueste Technologien, und bildgebende Verfahren gehören zum Alltag bei der Diagnose von Krankheiten. Die BAnane hat mit Tierärztin Tanja Koradin, die vor wenigen Wochen eine Praxis in Rimbach übernommen hat, gesprochen, um mehr über das Thema Röntgen eines Haustieres zu erfahren.

Wann werden Tiere geröntgt?

Tanja Koradin: Tiere werden genau wie Menschen nur dann geröntgt, wenn eine konkrete Fragestellung vorliegt. Oft stellt man dann die Extremitäten dar, um einen Knochenbruch oder eine Arthrose abzuklären. Auch Thorax (Herz, Lunge), Abdomen (Leber, Nieren, Milz, Blase, Darm) oder Wirbelsäule lassen sich gut durch eine Röntgenaufnahme abbilden.

Kann das Gebiss geröntgt werden?

Koradin: Ja, natürlich. Es gibt sogar Fachtierärzte, die sich auf Zahnbehandlungen bei Hunden und Katzen oder Pferden spezialisiert haben.

Kann man alle Tiere röntgen oder gibt es Ausnahmen? Ich denke dabei an Vögel oder sehr große Tiere.

Koradin: Eigentlich können alle Haus- und Nutztiere geröntgt werden. Bei Vögeln ist das Stillhalten die größte Herausforderung, da nicht jedes Tier narkotisiert werden kann. Für große Tiere wie Pferde gibt es mobile Röntgengeräte, die ein Röntgen außerhalb der Praxis erlauben.

Müssen Tiere betäubt werden, bevor sie geröntgt werden?

Koradin: Ob ein Tier narkotisiert oder sediert wird, hängt davon ab, wie kooperativ das Tier ist beziehungsweise wie die Fragestellung lautet. Generell ist Röntgen beim Tier auch gut ohne Narkose machbar.

Verwendet man auch Kontrastmittel?

Koradin: Je nach Fragestellung benötigt man Kontrastmittel. Dabei wird das Gleiche wie beim Menschen verwendet. Eine mögliche Fragestellung, bei der man Kontrastmittel benötigt, wäre ein Darmverschluss durch Fremdkörper oder einen Tumor. Hier macht man zeitversetzt mehrere Aufnahmen, um die genaue Lage des Darmverschlusses zu finden.

Muss das Fell abrasiert werden, bevor das Tier geröntgt wird?

Koradin: Nein, das Fell stört nicht. Sogar langes Fell ist auf der Aufnahme in der Regel nicht sichtbar. Selbst wenn ein Pferd mit dem Verdacht, dass es an den Sehnen verletzt sein könnte, mit einer sehr geringen Intensität geröntgt werden, stören die Haare kaum.

Was ist mit dem Chip, den Hunde oder Katzen tragen?

Koradin: Das ist etwas Anderes. Ja, den Chip sieht man auf den Aufnahmen, er hat dann die Form eines Reiskorns.

Welche Sicherheitsvorkehrungen gelten, wenn Tiere geröntgt werden?

Koradin: Grundsätzlich gelten die gleichen Sicherheitsvorkehrungen wie in der Humanmedizin, das heißt, Bleiweste und -handschuhe für anwesende Menschen und Verbot für Schwangere. Der Besitzer muss vor dem Röntgen aufgeklärt werden und das Personal muss regelmäßig Fachkunde nachweisen. Für das Tier wird die Röntgenbelastung so gering wie möglich gehalten, indem man nur dann röntgt, wenn es nötig ist und die Strahlung auf die betroffene Stelle fokussiert.

Müssen die Besitzer oder die Mitarbeiter beim Röntgen assistieren?

Koradin: Beim Röntgen in der Praxis assistiert in der Regel eine TMF (Tiermedizinische Fachangestellte). Nach Anleitung durch den Tierarzt können auch Besitzer assistieren.

Sie haben angesprochen, dass Schwangere nicht anwesend sein dürfen. Können trächtige Tiere auch nicht geröntgt werden?

Koradin: Die für Menschen gedachten Vorsichtsmaßnahmen treffen nicht in gleicher Weise für Tiere zu. So ist bei Hunden oft nur durch eine Röntgenaufnahme zu klären, wie viele Welpen zu erwarten sind. Dies ist mit Ultraschallbildern oft nicht exakt möglich. Diese Information ist aber notwendig, um das Risiko einer natürlichen Geburt gegen einen Kaiserschnitt abzuwägen. Hier wiegt das Überleben der Tiere mehr als die Risiken der Röntgenaufnahme.

Wie viel kostet das Röntgen?

Koradin: Die Preise sind in der Gebührenordnung für Tierärzte geregelt, folglich liegen sie meist zwischen 32 und 64 Euro für ein Röntgenbild. Dabei ist der Preis unabhängig von Tier und Fragestellung.

Gibt es noch andere bildgebende Verfahren bei Tieren?

Koradin: Eine hilfreiche Technik ist der Ultraschall, der zur Untersuchung von Weichteilen genutzt wird, aber das Röntgen nicht ersetzen kann. In Tierkliniken gibt es auch MRT- und CT-Geräte, welche eine detaillierte Aufnahme in multiplen Schichten ermöglichen. Sophia Rhein

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