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Bore-Out Nicht nur Überforderung mit der Leistungsgesellschaft ist ein Problem – auch das Gegenteil sollte man ernst nehmen

Vom Leid des Nichtstuns

Jeder hat schon mal den Begriff Burn-out gehört. Ein Burn-out haben in unserer Leistungsgesellschaft immer mehr Menschen: zu viel Arbeit, zu viele Ansprüche, zu wenig Zeit. „Bore-out“ hingegen kennen die wenigsten.

Wenn jemand sagt, er sei so erschöpft vom Nichtstun, hält dies jeder für ein Luxusproblem. Denn: Welcher normale Mensch beschwert sich schon über zu wenig Arbeit und zu viel freie Zeit? Aber die Krux ist: Wer den ganzen Tag im Büro sitzt und nach einer Stunde mit seiner gesamten Arbeit fertig ist, für die ihm ein voller Arbeitstag zur Verfügung steht, der ist nicht ausgeglichen. Abends fühlt man sich zwar fertig, aber nicht, weil man den ganzen Tag geackert hat, sondern weil man im Job so viel Zeit totschlagen musste. Man hat das Gefühl, der Tag war verschwendet, man hat nicht wirklich was erreicht, und ein Erfolgserlebnis fehlt auch vollkommen. Schlichtweg: Man ist unterfordert.

Das Ganze stellt kein „Luxusproblem“ dar, sondern erzeugt ein ernstzunehmendes Gefühl der Unausgeglichenheit und vor allem Unzufriedenheit. Was kann man dagegen machen? Anderen, die zu viel zu tun haben, Arbeit abnehmen, ein neues Projekte ausdenken und ausabreiten oder zur Not auch einfach nur den Schreibtisch aufräumen – irgendwann geht auch das nicht mehr.

Wenn es sich bei dieser Unterforderung nicht um eine dauerhafte Situation handelt, kann man sich auch schon mal darauf vorbereiten, was auf einen zukommt. Wenn diese Situation sich aber unverändert über Monate hinwegzieht, sollte man versuchen, mit einem Vorgesetzten die Angelegenheit zu besprechen – und wenn alles nichts mehr hilft, dann ist vielleicht der richtige Zeitpunkt für eine berufliche Neuorientierung gekommen. Cara Metzner

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