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Nachbericht I Bergsträßer Weinlagenwanderung / Nicht nur die Natur kann man während der Wanderung entdecken

Wandern, Wein und Müll

Archivartikel

Die Bergsträßer Weinlagenwanderung erfreut sich seit über 30 Jahren großer Beliebtheit – auch weit über unsere Region hinaus. Doch in den letzten Jahren häuften sich auch immer wieder die Probleme: Mehr mitgebrachte Getränke führten zu mehr stark alkoholisierten Personen. Bereits im vergangenen Jahr hat der Weinbauverband mit dem Kreis Bergstraße und den teilnehmenden Städten die gesamte Strecke als Festgelände ausgewiesen, um Einlass- und Alkoholkontrollen durchführen zu können. Das Mitbringen alkoholischer Getränke wurde verboten und die Sanitätsdienste aufgestockt.

Doch auch weitere Beschwerden gingen vonseiten der Winzer und der Besucher ein: Die Vermüllung der Weinberge mit Verpackungsmaterial, Flaschen und anderen Hinterlassenschaften machten Deutschlands kleinstem Weinanbaugebiet zu schaffen.

Müll in den Weinbergen

Mehr WCs und mehr Mülleimer wurden vor der Weinlagenwanderung in der Presse angekündigt. Die Besucher hatten tatsächlich mehr Toiletten zur Verfügung und die Wartezeit hielt sich in Grenzen, doch die Abfalleimer suchte manch einer vergebens. Auf der Strecke zwischen Heppenheim und Bensheim schien nur ein zusätzlicher Müllsack am Steinkopf zur Verfügung gestellt worden zu sein, der schon zur Mittagszeit völlig überfüllt war. So war es kein Wunder, dass sich am Rand des Wanderwegs der Müll sammelte. Die schlechten Erfahrungen in den vergangenen Jahren haben mich dazu gebracht, mich einer Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener anzuschließen, die – ähnlich wie bei der Winkelbach-Aktion „Bensheimer krempeln die Ärmel hoch“ – den Müll, den andere achtlos hinterlassen, einsammeln.

Die drei prall gefüllten Müllsäcke, die wir am Ende unseres Weges in den Händen hielten, zeugen davon, wie sinnvoll eine solche Aktion ist. Denn in unseren gefüllten Säcken befanden sich Getränkeverpackungen aus Glas, Aluminium und Plastik, Pfandflaschen, Plastikbecher, Korken und Kronkorken, die Filter und leeren Verpackungen von Zigaretten, Schnüre und Folien, die beim Weinbau anfallen, volle Hundekot-Tüten, Papiertaschentücher, zahlreiche Flyer und sogar eine grüne Socke.

Viele Weinflaschen, wenige Bierflaschen und zahlreiche Getränkedosen fanden sich am Wegesrand. Bei den mit Abstand am häufigsten eingesammelten Hinterlassenschaften handelte es sich um Getränkedosen einer Odenwälder Apfelweinfirma.

Bei der diesjährigen Bergsträßer Weinlagenwanderung durften laut Marktordnung nur Bergsträßer Weine und Seccos angeboten werden. Die drei Dutzend Glasflaschen von Weinen aus aller Welt und die zahlreichen Apfelweindosen waren allerdings der Beweis dafür, dass trotz Eingangs- und Taschenkontrollen viele Alkoholika auf die Strecke geschmuggelt werden konnten.

Zusätzlich sorgte die Erhöhung des Flaschenpfandes auf zwei Euro dafür, dass die an den Ständen gekauften Flaschen ordnungsgemäß zurückgegeben wurden und es sich bei fast allen der verwaisten Weinflaschen nicht um Produkte der Bergsträßer Betriebe handelte.

Wie war die Reaktion der anderen Wanderer?

Eines muss immer wieder betont werden: Die meisten Wanderer verhalten sich vorbildlich, wenn sie in der Natur sind: Sie benutzen die Wege, behandeln die Rastplätze pfleglich und nehmen ihren Müll mit nach Hause oder zumindest bis zum nächsten Abfalleimer. Darum hat dieser Personenkreis auch durchweg positiv auf die Reinigungsaktion reagiert.

Doch es gab auch weniger schöne Begegnungen. Eine Gruppe Jugendlicher reagierte genervt darauf, dass wir langsamer als die meisten Teilnehmer laufen mussten – weil jeder Meter Wegstrecke mit mindestens einem Zigarettenstummel, einem Kronkorken oder einer Flasche verschmutzt war. Unverständnis über die Aktion wurde in blöden Kommentaren geäußert wie „dafür kriegen die bestimmt viel Geld“ – schön wär’s!

Andere sahen einen Nutzen darin, dass wir den schwer beladenen Bollerwagen durch die Weinberge kutschierten: „Könnt ihr mein Leergut auch mitnehmen?“ – ja, das haben wir in Einzelfällen gemacht, aber irgendwann waren unsere Transportkapazitäten aufgrund der zahlreichen Hinterlassenschaften erschöpft.

Die Winzer selbst freuten sich über unsere Reinigungsaktion und nahmen uns an ihren Ständen dankbar die eingesammelten Flaschen ab. Moritz Müller

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