Bananeweb

Feuerwerk Es ist schön anzusehen, doch Tiere, Menschen und Umwelt leiden unter dem Geknalle

Was uns von Silvester bleibt

Archivartikel

The same procedure as every year, James!“ Dieser berühmt gewordene Satz aus Dinner for One dürfte für viele Menschen neben dem Raclette und dem abschließenden Feuerwerk fester Bestandteil eines jeden Jahreswechsels sein. Das Feuerwerk am Brandenburger Tor ist nicht umsonst ein Besuchermagnet für all jene, die es an Silvester mal richtig krachen lassen möchten.

Doch während viele in diesen Stunden die Sektkorken knallen lassen und ihre Raketen und Böller zünden, beginnt für Tiere die schlimmste Zeit des Jahres. Gerade weil diese oft ein feineres Gehör als Menschen haben, nehmen sie die ohnehin ohrenbetäubenden Böller um ein Vielfaches lauter war, als wir es tun. Besonders betroffen sind Wildtiere, die in Stress und Panik geraten und dadurch viel ihrer Energie verbrauchen, die sie gerade im Winter benötigen. Verängstigte Vögel fliegen in große Höhen, da sie am Boden keinen Schutz finden. Dabei nehmen ihnen Rauchschwaden und das grelle Feuerwerk die Sicht, was dazu führt, dass sie Hindernissen nicht mehr rechtzeitig ausweichen können und verunglücken.

Panische Reaktionen

Auch Haustiere leiden unter dem lauten Silvesterfeuerwerk. Viel schlimmer sind jedoch die vereinzelten Böller, die schon viele Stunden vor dem eigentlichen Feuerwerk gezündet werden. Hunde und Katzen sind dadurch immer wieder Stress ausgesetzt und gerade beim Gassi gehen drohen Hunde zu entlaufen, wenn sie durch einen lauten Knall in Angst und Schrecken versetzt werden. Deshalb sollten Hundebesitzer in den Tagen vor und nach dem Jahreswechsel ihre geliebten Vierbeiner stets angeleint lassen.

Dennoch registrierte die Tierschutzorganisation TASSO an den letzten beiden Tagen des Jahres 2018 insgesamt 416 entlaufene Hunde. Verglichen mit den durchschnittlich rund 100 vermissten Hunden pro Tag wird deutlich, wie beängstigend und gefährlich Silvester für diese ist. Neben den Tieren leiden aber auch wir Menschen unter den Auswirkungen des Feuerwerks. Jährlich erleiden rund 8000 Menschen Hörschäden, von denen viele ein Leben lang bleiben. Auch vermehrter Alkoholkonsum, Leichtsinn und falsche Bedienung von Feuerwerkskörpern führen immer wieder zu schweren Verletzungen. Darüber hinaus wird gerade die Luft in Städten durch den freigesetzten Feinstaub enorm beeinträchtigt.

Tagesmittelwerte überschritten

Laut Umweltbundesamt ist die Belastung am Neujahrstag so hoch wie im ganzen Jahr nicht. Insbesondere nach Mitternacht überschreitet der Feinstaub die zulässigen Tagesmittelwerte um ein Vielfaches. Die entstehenden 4200 Tonnen entsprechen dabei mehr als 15 Prozent der jährlichen Feinstaubemissionen des Verkehrssektors und zwei Prozent der gesamten freigesetzten Feinstaubmenge eines Jahres. Kein Wunder, dass angesichts des gestiegenen Umweltbewusstseins 57 Prozent der Deutschen ein Böllerverbot befürworten. Bei mehreren Hundert Tonnen Müll, die am Neujahrstag zusätzlich auf den Straßen liegen, ließe sich damit zumindest die Vermüllung in Grenzen halten.

Dennoch bietet ein Feuerwerk spektakuläre Bilder. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov finden 84 Prozent der Befragten, dass ein Feuerwerk schön anzusehen sei. Das spiegelt sich auch in den Umsatzerwartungen der pyrotechnischen Industrie wieder, die dieses Jahr bei 133 Millionen liegen und sich damit im Bereich der vergangenen Jahre befinden.

So bleibt es abzuwarten, ob sich künftig mehr Unternehmen dem Trend anschließen werden, aus Umweltschutzgründen keine Feuerwerkskörper mehr zu verkaufen, oder ob man die bereits seit dem Mittelalter bestehende Silvester-Tradition auch in Zukunft aufrechterhalten wird. Marvin Zubrod

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel