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Erinnern Sie sich noch an das Lutherjahr? Na klar, schließlich hat sich der Thesenanschlag des Reformators an die Schlosskirche zu Wittenberg erst 2017 gejährt. Immerhin auch zum 500. Mal. Und immerhin gab es für alle einen Feiertag geschenkt. Das vergisst man nicht so schnell. Zwei Wochen ist es hingegen her, dass sich die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland zum 100. Mal gejährt hat. Die Presse war voll davon, und auf der offiziellen Feier wurde auf die sich Schritt für Schritt nahende Geschlechtergerechtigkeit angestoßen. Doch Ende der Woche schon war der Festakt nahezu vergessen. Spätestens dann nämlich, als die Bundesfamilienministerin (ein typisches Frauenministerium übrigens) eine neue Kriminalstatistik zur Partnerschaftsgewalt vorstellte. Das Ergebnis: In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Opfer von Partnerschaftsgewalt um 10 000, davon mehr als 80 Prozent weiblich, gestiegen. Von der hohen Dunkelziffer gar nicht zu sprechen. Da ist sie wieder, die Opferrolle, die meinem Geschlecht auferlegt wird. Und damit waren die Errungenschaften, für die manche Pionierinnen vor über 100 Jahren mit dem Leben bezahlen mussten, völlig vergessen. Olympe de Gouges, Marie Juchacz, Helene Lange, Hedwig Dohm – sagt Ihnen nichts? Aber Martin Luther hatten Sie in der Schule, richtig? Es ist kein Wunder, dass Frauen so wenig in der Politik vertreten sind, wenn Schulkinder mit ihrer Rolle in der Geschichte so wenig vertraut gemacht werden. Mit ihrem Einsatz für ein Fitzelchen Geschlechtergerechtigkeit. Im Vergleich zu einem umstrittenen Mönch, dessen Thesenanschlag in der handwerklichen Form nicht einmal stattgefunden hat, finde ich, hat das Frauenwahlrecht mehr als einen Feier-Tag verdient. Bis neulich, Eure BAte

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