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Brandkatastrophe Vor zwei Wochen stand die Pariser Kathedrale Notre-Dame in Flammen. Kann so etwas auch in Deutschland passieren?

Wie sicher sind unsere Kirchen vor Feuer?

Archivartikel

Am Abend des 15. April brach in der Kathedrale Notre-Dame in Paris ein Feuer aus. Dabei stürzte der Mittelturm ein. Der Brand selbst wurde nach fast zehn Stunden gelöscht. Drei beteiligte Personen der Polizei und Feuerwehr verletzten sich bei der Brandbekämpfung.

Die BAnane hat sich für euch bei den Bergsträßer Pfarreien umgehört. Kann auch bei uns eine Kirche in Brand geraten? Oder sind unsere Kirchen alle mit Brandmeldern und Sprinkleranlagen ausgerüstet?

St. Nazarius Kirche in Lorsch

Schon zur Zeit des Lorscher Klosters konnte die Glaubensgemeinde eine eigene Pfarrkirche besuchen – urkundliche Erwähnungen der Pfarrei reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück. Im Laufe der Jahrhunderte war die Kirche aber baufällig geworden, so dass sie 1725 abgerissen und durch eine neue Kirche ersetzt wurde. 1753 wurde das neue Gotteshaus geweiht. 1929 wurde die einfache Saalkirche durch zwei Seitenschiffe erweitert.

Und wie sieht es mit der Brandsicherheit aus? In der Kirche selbst sind keine Brandmelder vorhanden – es gibt jedoch eine Reihe von Feuerlöschern, die regelmäßig geprüft werden. Bei Veranstaltungen mit Kerzenlicht ist zudem eine Brandwache vor Ort, da es keine automatische Sprinkleranlage gibt. Sobald nur ein Verdacht von Feuer besteht, wird die Feuerwehr umgehend benachrichtigt.

Evangelische Bergkirche Bensheim-Auerbach

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstand die erste Kirche über Auerbach, zu finden ist sie im alten Ortskern in erhöhter Lage und ist umgeben von einem Friedhof. Ihre heutige Gestalt erhielt sie 1900 mit dem Anbau des Chores und einer Erweiterung auf der Nordseite. Aber auch in dieser evangelischen Kirche ist kein Brandmelder installiert. Bei den Gottesdiensten sind die Küster für den Raum verantwortlich, dass zum Beispiel alle Kerzen gelöscht sind. Die probenden Organisten kontrollieren die Kirche ebenso wie der Hausmeister unter der Woche.

Eine Sprinkleranlage gibt es in der evangelischen Bergkirche auch nicht. Das ist hier vermutlich nicht mit dem Denkmalschutz zu vereinbaren und könnte sicherlich auch die finanziellen Möglichkeiten der Kirchengemeinde übersteigen. „Wenn durch einen technischen Defekt ein Feuer ausbrechen würde, wie es die Kirchengemeinde in Einhausen erlebt hat, sind wir auf die Menschen aus dem Ort, die vorbeikommenden Spaziergänger oder Wanderern angewiesen“, weiß Pfarrer Christof Achenbach zu berichten. Automatisch wird ein Brand weder erkannt, noch gemeldet oder bekämpft. In der Kirche gibt es jedoch Feuerlöscher.

In den letzten 20 Jahren, seit Pfarrer Achenbach in der Kirchengemeinde ist, gab es keinen Brand. Und aus Erzählungen der heute Lebenden ist ihm auch nichts bekannt. „Gott sei Dank“, meinte der Pfarrer im Gespräch.

St. Laurentius Kirche Bensheim

Eine verhältnismäßig junge Kirche ist die römisch-katholische St. Laurentius in der Bensheimer Weststadt. Sie ist 1965 als modernes Nachkriegsbauwerk erbaut worden und steht heute unter Denkmalschutz. Die Kirche ist modern gestaltet und hat die Form einer Parabel (griech. parabola = Gleichnis) und endet in einem Kreisbogen, was auf dem Bild (unten links) zum Kirchenraum gut zu erkennen ist. Aber ein Brandmelder oder eine Sprinkleranlage sind auch in St. Laurentius nicht installiert. Wahrscheinlich ist es für Kirchen in dieser Bauart nicht vorgeschrieben. Vielleicht würde ein Brandmelder auch zu oft Alarm geben, da in der Kirche brennende Kerzen und Weihrauch im Einsatz sind. Sollten Änderungen in den Vorschriften kommen, so werden diese in Abstimmung mit dem Bistum Mainz aber umsetzt werden.

Ein großer Vorteil hat aber die Kirche in der Weststadt, denn der Stützpunkt der Feuerwehr ist in unmittelbarer Nähe und wird umgehend bei Feuer zu Hilfe gerufen. Zudem gibt es in der Kirche überall an zentralen Punkten Feuerlöscher. Die Punkte, an denen sich die Löscher befinden, sind zudem gut sichtbar markiert. Auch legt die Kirchengemeinde viel Wert darauf, dass die Feuerlöscher, die Löschdecken und der Blitzschutz regelmäßig gewartet und überprüft werden. Genauso werden alle elektrischen Betriebsmittel, wie zum Beispiel die Heizungsanlage, von Fachfirmen ausgeführt. Hervorzuheben ist auch, dass die Mitarbeiter in St. Laurentius über das Thema Brandverhütung informiert und sensibilisiert sind.

„Einen richtigen Brand gab es in der Kirche meines Wissens noch nicht. Neben der Kirche hatten wir vor einigen Jahren einen Fall von Brandstiftung, die Feuerwehr war schnell vor Ort und hat dankenswerterweise den kleinen Brand schnell gelöscht. Doch eine absolute Sicherheit gibt es natürlich nie, das hat man ja auch in Paris gesehen“, so Pfarrer Harald Poggel im Interview mit der BAnane.

Evangelische Heilig-Geist-Kirche Heppenheim

Die Evangelische Heilig-Geist-Kirche Heppenheim, so der offizielle Name der Heilig-Geist-Kirche. Sie ist 131 Jahre alt, wurde also 1888 fertig gestellt und am 23. August 1888 festlich eingeweiht. Aber auch diese kleine Kirche hat weder einen Brandmelder oder gar eine Sprinkleranlage. Es gibt aber Feuerlöscher, die regelmäßig überprüft werden.

Sollte es zu einem Brand in der Kirche kommen, würde der automatische Feuerwehrruf über das Handy erfolgen. Für die Rettung der Gläubigen sind zwei Treppenabgänge und eine lange Leiter, die auf der Empore liegt, vorhanden. Außerdem gibt es Feuerlöscher und Decken.

„In der Tat kam es schon einmal zu einem Brand in der Heilig-Geist-Kirche. Denn am Neujahrstag 1978 ist die Kanzel abgebrannt. Eine darunter stehende Kerze war nicht gelöscht worden und sorgte für den Schwelbrand, der die alte Kanzel dann zerstörte“, so Pfarrer Frank Sticksel.

Im Ernstfall kann schnell reagiert werden

Es ist beruhigend zu erfahren, dass unsere Kirchen mit Feuerlöschern und dergleichen ausgestattet sind und im Falle eines Brands die Feuerwehren schnell vor Ort sein werden. In Frankreich kündigte der Staatspräsident Emmanuel Macron nur wenige Tage nach dem Brand an, dass der Aufbau der Kathedrale erfolgen wird. Bis Redaktionsschluss waren bereits über eine Milliarde Euro Spenden für den Wiederaufbau eingegangen. Alexander Rhein

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