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Haus der Geschichte Rund 850 000 Menschen besuchen jährlich das Bonner Museum zur Historie Deutschlands seit 1945

Wo die Vergangenheit lebendig wird

Archivartikel

Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Parteivorsitzender der CDU und schließlich der „Kanzler der deutschen Einheit“. Doch Helmut Kohl schrieb nicht nur selbst Geschichte, sondern wollte diese auch dokumentiert wissen.

„Inzwischen wächst aber eine junge Generation heran, die die Anfänge unserer Demokratie nicht mehr aus eigener Anschauung kennt“, sagte Kohl, der selbst Geschichte studiert hatte, in einer Rede vor dem Bundestag und forderte aus diesem Grund bereits kurz nach seinem Amtsantritt als Bundeskanzler im Jahr 1982 eine Sammlung zur Geschichte Deutschlands. Und tatsächlich weihte Kohl nur zwölf Jahre später einen Ort ein, der eben diesem Zweck diente: Das Haus der Geschichte in Bonn, welches noch heute existiert und mit rund 850 000 Besuchern im Jahr eines der meistbesuchten Museen der Bundesrepublik ist. Und obwohl sich das Museum hauptsächlich mit der Geschichte Deutschlands befasst, finden auch viele ausländische Geschichtsinteressierte ihren Weg nach Bonn.

Die Besichtigung der Dauerausstellung ist kostenlos und gibt Aufschluss über die deutsche Geschichte von 1945 bis heute, die mithilfe von mehr als 7000 Ausstellungsstücken veranschaulicht wird. Zu diesen zählen zum Beispiel Originalsteine der Berliner Mauer oder die Stühle des Bundestages der 1950er Jahre. Auch ein „Rosinenbomber“, der im Zuge der Berlin-Blockade 1948 eingesetzt wurde, und ein russischer Panzer sind unter den Ausstellungsstücken. Geschützt in einem Glaskasten befinden sich zudem die Notizen, von denen John F. Kennedy bei seiner Rede im Juni 1963 das Bekenntnis „Ich bin ein Berliner“ ablas. Aber das Haus der Geschichte thematisiert nicht nur das Weltgeschehen, sondern beschäftigt sich auch mit Kultur und Zeitgeist. Was bewegte die Menschen in den 50er Jahren, und wie sah ihr Alltag aus? Was waren ihre Lieblingsbücher? Welche Kleidungsstücke hingen in ihren Schränken? All diese Geheimnisse werden im Haus der Geschichte gelüftet. Die erste Ausgabe des Micky-Maus-Comics oder Kinoplakate der damals populären Heimatfilme sind nur einige der vielen Ausstellungsstücke, welche über das Alltagsleben Ende des 20. Jahrhunderts Aufschluss geben. Aber auch Technikbegeisterte und Autoliebhaber kommen in Bonn auf ihre Kosten. So können Besucher über den originalen Dienst-Mercedes Konrad Adenauers sowie den Eisenbahnsalonwagen der Bundeskanzler staunen. Auch ein „Hippie-Bulli“ und ein VW Käfer sind unter den Ausstellungsstücken zu finden.

Seit Helmut Kohl das Gebäude 1994 eröffnete, ist die Ausstellung außerdem immer wieder erneuert und um weitere Ausstellungsstücke ergänzt worden. Erst im vergangenen Jahr wurden Sanierungsarbeiten an dem Gebäude vorgenommen, welche auch eine Neugestaltung der Ausstellungsräume ab den 1980er Jahren beinhalteten. Neue Ausstellungsstücke wie Trümmer der Twin Tower in New York oder ein Flüchtlingsboot machen nun auch auf aktuelle Probleme aufmerksam.

So bleibt Kohls Vermächtnis erhalten und dokumentiert weiterhin den nie endenden Lauf der Geschichte. Laura Kress

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