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Erfahrungsbericht II In Hessen müssen angehende Lehrer noch das Staatsexamen ablegen. Wie läuft dieses ab?

Wohlfühlstudium oder doch nicht?

Archivartikel

Über kaum einen anderen Beruf wird so häufig gelästert wie über den des Lehrers. Angeblich fahren sie die ganzen Sommerferien an die Côte d‘ Azur, kommen jeden Tag um 13 Uhr von der Arbeit und das, obwohl das Lehramtsstudium sowieso geschenkt war. Welche Mythen über den Lehrerberuf stimmen und welche nicht zutreffen, werde ich erst in ein paar Jahren wirklich durch Erfahrung beantworten können. Bezüglich des Studiums kann ich jedoch bereits bestätigen, dass es sich hierbei nicht um ein Zuckerschlecken handelt. Die letzten Monate dominierte das Staatsexamen meine Gedanken, hier in der BAnane möchte ich nun meine Erfahrungen aus den schriftlichen Prüfungen teilen.

Hessen ist eines der wenigen Bundesländer, in welchen das Lehramtsstudium nach wie vor mit dem Staatsexamen abgeschlossen wird. In den meisten anderen Bundesländern ist inzwischen der Master of Education üblich. Das Staatsexamen setzt sich aus einer mindestens 60-seitigen Hausarbeit, zwei schriftlichen und je nach Lehramt zwei oder drei mündlichen Prüfungen zusammen. Geprüft werden die angehenden Lehrer in den Bildungswissenschaften und den jeweiligen Fächern des Prüflings.

Obgleich die Prüfungen binnen weniger Wochen stattfinden, beginnt die Planung des Examens teilweise schon Jahre zuvor, da in einigen Fächern viel mehr Prüflinge sich zum Examen anmelden möchten als die Prüfer Kapazitäten haben. Sind nach zahlreichen Sprechstunden alle Prüfer gefunden und kommt die Meldung zum Examen, deren Prozess mit einem einzigen Wort – Bürokratie – bestens beschrieben werden kann.

Die Vorbereitung für das Staatsexamen im Lehramt ist ungewöhnlich, statt Stoff zu wiederholen, den man in Vorlesungen behandelt hat, besteht die Vorbereitung in der eigenständigen Bearbeitung festgelegter Themen. Obgleich diese Art der Prüfungsvorbereitung sehr aufwendig ist, finde ich es sinnvoll, dass Lehramtsstudierende so zeigen können, dass sie auch komplexe Themen selbstständig aufarbeiten können – dies entspricht einer wichtigen Kernkompetenz für das spätere Berufsleben.

Insgesamt fand ich Zeit vor den schriftlichen Prüfungen sehr anstrengend, gut 3000 Seiten dürfte ich gelesen haben. Ich begrüße es daher, dass vielerorts das Lehramtsstudium reformiert wird, vielleicht ist dies auch eine Möglichkeit, mehr Praxisbezüge in die Prüfungen einzubauen. Wichtiger als das Bestreben der Universitäten ist jedoch, dass die Leistungen von Lehramtsstudenten in der Gesellschaft nicht herunter gespielt werden und ihnen vorgeworfen wird, dass Lehramt einem Wohlfühlstudium entsprechen würde. Sophia Rhein

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