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MINT Noch immer sind Frauen in den naturwissenschaftlichen Fächern unterrepräsentiert – das Hessen-Technikum möchte das ändern

„Zukunft einfach ausprobieren“

Zukunft einfach ausprobieren“ – das Hessen-Technikum macht es möglich. Hessen-Technikum – was ist das? Seit drei Jahren bietet die Hochschule Darmstadt (HDa) ein Programm an, das sich an Mädchen und junge Frauen richtet, die sich nach der Schule beruflich orientieren wollen, ohne sich gleich für einen Studiengang entscheiden zu müssen.

Dieses sogenannte Orientierungsstudium ist allerdings lediglich auf Studiengänge und Berufe im MINT-Bereich ausgerichtet, da Frauen in diesem Berufsfeld noch immer unterrepräsentiert sind. Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik: All das ist MINT – ein weitläufiger Bereich mit vielen verschiedenen Berufsbildern also. Das Schnupperstudium dauert insgesamt sechs Monate, also ein Semester, und besteht aus zwei Praktika in Kooperationsunternehmen der HDa, an denen die Teilnehmerinnen einen bestimmten Beruf kennenlernen, den sie aussuchen dürfen sowie den Hochschultagen, die jede Woche mittwochs stattfinden. Die Technikantinnen klappern an diesen Tagen alle MINT-Fachbereiche an der Hochschule ab und gehen in Vorlesungen, sprechen mit Professoren und Studenten und arbeiten im Labor. So bekommen sie gute Einblicke.

Lena Loge im Interview

Lena Loge ist Teil des Hessen-Technikum-Teams der HDa und steht den Teilnehmerinnen vor Beginn und auch während des Programms mit Rat und Tat zur Seite. Die BAnane hat sie zu ihrer Tätigkeit befragt:

Frau Loge, seit wann gibt es das Hessen-Technikum und wie ist es entstanden?

Lena Loge: Die Idee kam 2013: Da hatte Prof. Dr. Yvonne Haffner als Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule Darmstadt ein ähnliches Orientierungsprogramm kennengelernt, das „Niedersachsen-Technikum“. Dieses Konzept hat Frau Haffner überzeugt, und weil es ein vergleichbares Projekt in Hessen noch nicht gab, hat sie einen Finanzierungsantrag entwickelt, um das „Hessen-Technikum“ ins Leben zu rufen. 2014 wurden die ersten Mitarbeiterinnen eingestellt, und im Oktober 2015 ist der erste Durchgang an der HDa gestartet. Oktober 2019 wird der erste hessenweite Durchgang starten – an insgesamt fünf Hochschulen.

Seit wann sind Sie im Team und wie sind Sie persönlich dazu gekommen?

Loge: Ich bin von Anfang an im Hessen-Technikum beschäftigt. Davor habe ich Soziale Arbeit studiert mit dem Schwerpunkt der Geschlechtersoziologie – die spielt eine große Rolle, wenn es darum geht, wie Berufsentscheidungen entstehen, gerade im Bereich der Ingenieurs- und Naturwissenschaften, der immer noch männlich dominiert ist. Die Stellenausschreibung des Hessen-Technikums fand ich deshalb spannend – Geschlecht und MINT in einem Projekt vereint …

Wem empfehlen Sie das Hessen-Technikum?

Loge: Allen jungen Frauen mit (Fach-)Abitur, die an MINT-Fächern interessiert sind und erleben wollen, welche konkreten Berufe und Studiengänge es in diesen Bereichen gibt. Schulnoten und die Leistungskurse in der Schule spielen für die Teilnahme keine Rolle – Neugier auf naturwissenschaftliche Themen ist die wichtigste Voraussetzung, um teilzunehmen. Und das eignet sich gerade für diejenigen, die kein Studium beginnen wollen, ohne genau zu wissen, ob der Studiengang zu ihren Vorstellungen passt: Mit dem Technikum kann man sowohl verschiedene Studiengänge wie auch Berufe selbst austesten und dann entscheiden, wie es beruflich weitergeht.

Könnten Sie sich vorstellen, dass in Zukunft auch ähnliche Programme angeboten werden, deren Schwerpunkt nicht im MINT-Bereich liegt?

Loge: Absolut! Es besteht nicht nur im MINT-Bereich Berufsorientierungsbedarf – Programme, in denen auch andere Studiengänge und Berufe selbst erlebt werden können, wären toll. Das wäre auch mit Blick auf die Geschlechterverteilung in anderen Berufsfeldern notwendig: Zum Beispiel werden die pädagogischen Berufe von Frauen dominiert. Früher war für viele Männer der Zivildienst der Einstieg in einen sozialen Beruf – seit die Wehrpflicht abgesetzt wurde, lernen weniger Männer Tätigkeiten im sozialen Bereich kennen. Ein Pendant zum Hessen-Technikum, das jungen Männern Einblick in soziale Berufe ermöglicht, wäre doch eine tolle Idee!

Und das sagen die Technikantinnen…

Beeke (18): Was meine Zukunft betrifft, war ich nach dem Abi ziemlich planlos. Ich wusste nur, dass ich mich generell für Berufe im MINT-Bereich interessiere, aber nicht genau, welche Möglichkeiten es in der Richtung gibt. Beim Recherchieren im Internet bin ich auf das Hessen-Technikum gestoßen. Bisher bin ich mit dieser Entscheidung sehr zufrieden, ich wurde von meinem ersten Praktikumsbetrieb gut „an die Hand genommen“ und bekomme regelmäßig kleine Aufgaben, die sogar für die Produktion des Unternehmens relevant sind.

Charlotte (19): Ich finde, das Hessen-Technikum bietet eine einzigartige Gelegenheit, sich völlig unverbindlich im Berufsalltag zu orientieren und Einblicke in die Arbeit großer Unternehmen zu bekommen. Gleichzeitig kann man an den Hochschultagen verschiedene Studiengänge kennenlernen, ohne sich direkt für einen entscheiden zu müssen oder eine Ausbildung auszuschließen. Ich bin der Meinung, dass Frauen in naturwissenschaftlichen Berufen gestärkt werden sollen und dafür halte ich das Technikum für sehr sinnvoll. Mir gefällt es außerdem, dass man in freundlichem Klima mit anderen jungen Frauen in Kontakt kommt, die ähnliche Interessen haben. Eva-Lotte Wenderoth

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