Bensheim

Sankt Georg Senioren hatten den Bergsträßer Weinkenner Heinrich Hillenbrand zu Gast

120 Weinflaschen im Jahr gab es früher als „Haustrunk“

Bensheim.Der Wein erfreut des Menschen Herz. So steht es in einem der schönsten Psalmen der Bibel und ist damit ein Symbol für Lebensfreude und Nähe Gottes.

Heinrich Hillenbrand (Bild), ein exzellenter Kenner der Bergsträßer Weinbaugeschichte und darüber hinaus, war wieder einmal bei den Senioren von Sankt Georg zu Gast, um über eines der ältesten Kulturgetränke der Menschheit unter der Überschrift „Der Weinbau in Bensheim, früher und heute“ zu sprechen.

Aber bevor Hillenbrand mit seinen Ausführungen beginnen konnte, gratulierten die Senioren dem Großvater der kürzlich gekrönten Deutschen Weinprinzessin Carolin Hillenbrand zu ihrer Wahl. Wie wohl keine andere Familie hat die „Dynastie Hillenbrand“ Weinbaugeschichte an der Hessischen Bergstraße geschrieben und schreibt sie heute noch. Johann Hillenbrand(1873-1943), Großvater von Heinrich, gründete 1902 das Staatsweingut in Bensheim.

Sein Sohn Jean (1904-1967) war Leiter des Hessischen Rebmuttergartens in Heppenheim von 1928-1967. Sein Bruder Franz(1907-1990) übernahm den elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb mit Weinbau (Weinschänke Hillenbrand). Josef Hillenbrand(1911-1988), ein weiterer Sohn von Johann Hillenbrand, war Leiter des Staatsweingutes von 1938 bis 1971 und Vorgänger von Heinrich Hillenbrand. Auch die Schwester Melanie der neuen Weinprinzessin und ihre Mutter Beate, geborene Arnold, waren Gebietsweinköniginnen.

Der Referent begann seinen Vortrag mit Verweisen auf historische Quellen zum Weinbau an der Bergstraße (Ausgrabungen einer römischen Villa am Hemsberg und Traubenkernfunde am Marktplatz) und zeigte auf, dass die Wurzeln des Weinbaus an der Bergstraße weit in die Vergangenheit zurückreichen.

Allerdings wurde der Weinbau früher neben der Landwirtschaft betrieben und hatte keineswegs die Bedeutung wie heute. Alte Lagenamen weckten bei den Senioren sentimentale Erinnerungen; Geyersberg, Langer Jakob, Pfaffenstein, Vetzersberg und Zeller Gold. Auf die Veränderungen der Arbeiten in den Wingerten wurde ausführlich eingegangen, wie auf die heute üblichen Vollernter und die damit verbundenen Probleme bei Dauerregen zur Erntezeit.

Auch die unverzichtbare Schädlingsbekämpfung mittels Hubschrauber oder Drohnen wurde thematisiert. Viele Senioren konnten sich auch noch an die damals üblichen Weinbergssperrungen im Herbst erinnern, bei der selbst die Winzer eine Erlaubnis zum Betreten der eigenen Weinberge bei der Stadtverwaltung einholen mussten.

Damit die Ausführungen nicht zu trocken wurden, hatte Hillenbrand einen Weißen und einen Roten von den Weingütern Mohr und Jäger mitgebracht. Auch viele Gaststätten, die es heute nicht mehr gibt, wurden erwähnt und lösten fröhliche Erinnerungen aus: Backebergel, Clara, Sauter, Weigold, Schanz, Zum guten Tropfen, Rosengarten und einige Heckenwirtschaften, wie In der Raab.

Auch auf seine langjährige Zeit als Leiter des Staatsweingutes in der Grieselstraße von 1971 bis 2001 ging Hillenbrand ausführlich ein und erzählte die eine oder andere Anekdote. So war es früher üblich, dass die Mitarbeiter ihren Haustrunk bekamen: 120 Flaschen im Jahr. Nach dem Keltern wurde der Trester noch einmal mit Wasser versetzt und wenn das Keltern des Haustrunkes anstand, wurde mit dem regulären Keltern früher aufgehört, damit der Haustrunk etwas gehaltvoller wurde. Das Fass trug dann das Kreidezeichen HT. Wenn der Weinprüfer später im Weinkeller fragte, was das Zeichen HT bedeute, bekam er zu Antwort: Himmelströpfchen.

Die Senioren dankten Heinrich Hillenbrand mit viel Beifall für diesen sehr informativen und genüsslichen Vortrag, und Helmut Turber überreichte ihm ein Büchlein mit dem Titel: „Schade, dass man Wein nicht streicheln kann“. red

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