Bensheim

1400 Synagogen zerstört, 30 000 Männer ins KZ verschleppt

Stadtrat Peter E. Kalb, aktueller Vorsitzender der Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger, skizzierte bei der Gedenkfeier die Ereignisse und Folgen der Novemberpogrome: Über 1400 Synagogen, Gebetshäuser, jüdische Schulen und Friedhöfe wurden zerstört und geschändet. Zirka 30 000 Männer wurden ins KZ verschleppt. Heute leben in Deutschland etwa 250 000 Juden. In 106 Gemeinden sind etwa 99 000 Menschen organisiert. Hinzu kommen weitere 27 Gemeinden mit etwa 5300 Mitgliedern, die der Union progressiver Juden in Deutschland angehören.

Kalb betonte, dass sich Juden in Deutschland einer wachsenden Bedrohung ausgesetzt sehen. Das war auch eine der Kernerkenntnisse aus dem Bericht des Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus des Deutschen Bundestages, der Ende April vorgestellt wurde. Der Bericht spricht von einer deutlichen Wahrnehmungsdiskrepanz: Während sich die jüdische Gemeinschaft zunehmend bedroht fühle, empfinde die Mehrheitsgesellschaft Antisemitismus offenbar nicht als relevantes Problem. Eine Tendenz, die sich auch auf die Erinnerungskultur der Zukunft auswirken könnte, warnte Peter E. Kalb.

Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier von Liedermacher Peter Kühn. Unterstützt wurde sie vom Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge und dem Auerbacher Synagogenverein.

Die Vortragsveranstaltung der Geschichtswerkstatt wurde in diesem Jahr zeitlich von der Gedenkfeier getrennt. Im Museum der Stadt Bensheim am Marktplatz berichtet am heutigen Montag (13.) um 19.30 Uhr Zeitzeugin Edith Erbrich aus ihrem Leben in Nazi-Deutschland. tr

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