Bensheim

Konzert Die Band Soulfinger startete im Musiktheater Rex in den Wonnemonat Mai

30 Songs in zwei Stunden – und jeder Ton sitzt

Archivartikel

Bensheim.Es sind die drei Sängerinnen, die den anderen am Mikro – ohne deren Performance schmälern zu wollen – die Show stehlen. Was Laeh Jones, Darnita Rogers und Daria Biancardi beim Traditionsauftritt von Soulfinger im Rex abliefern, ist phänomenal. Die Band um den Bariton-Saxophonisten Klaus Gassmann hat im Bensheimer Musiktheater wie all die Jahre ein sehr gut besuchtes Heimspiel, bei dem die Besucher von Anfang an voll dabei sind.

„Es gibt keinen anderen Club, in dem wir so oft und über eine so lange Zeit gespielt haben“, freut sich der Heidelberger. Und fängt an zu zählen: „Es dürften in den vergangenen 20 Jahren ungefähr 40 Konzerte gewesen sein.“ Schon im alten Rex in Lorsch herrschte eine unglaubliche Stimmung, sagt Gassmann. „Aber auch in der ehemaligen Güterhalle sind uns die Fans treu“. Viele seit 20 Jahren.

Mehr als zwei Stunden lang gibt’s einen souligen Start in den Mai. Der lockt vor allem die Generation 50 plus an, die die Musik der Sechzigerjahre noch mit der Muttermilch aufgesogen hat. Von Anfang ist die Stimmung einfach klasse. Bei Otis Reddings „Dock of the Bay“ hat Derrick Alexander leichtes Spiel, den Saal zum lauten Mitsingen zu bewegen.

Der weiß, was er an der Band hat: Bestens gelaunte Profi-Musiker, bei denen einfach jeder Ton sitzt, ein perfekter, wohltuend ausbalancierter Sound mit all seinen Differenzierungen, dazu eine Musikauswahl, die von der getragenen Ballade à la „At Last“ von Etta James bis zum fetzigen „Mustang Sally“ von Wilson Pickett alles abdeckt. Das Ganze mit einer Intensität rübergebracht wie in alten Zeiten.

Alte Garde topfit

Einer der alten Garde ist auch wieder dabei: Der Grandmaster of Soul, Jimmy James. Der 78-Jährige ist topfit, holt sich zwischendurch an der Bar ein höherprozentiges Getränk, um die Gurgel zu ölen, und legt dann auf der Bühne wieder los wie die Feuerwehr. Da nimmt man dem unverwüstlichen Haudegen fast die „Sex Machine“ von James Brown ab, in die er ebenso wie das Stück „I feel good“ des Soul-, Funk- und Blues-Großmeisters seine ganze Energie legt.

Ein Schwer- und Höhepunkt ist die Interpretation von acht Aretha-Franklin-Songs. Aus gutem Grund: Gassmann wirbt für seine neue Show „Respect“ als Hommage an die Soul-Queen, die am 16. August Premiere feiert. Dafür hat er sich ins Rex zwei phänomenale Sängerinnen eingeladen. Darnita Rogers aus den USA bringt mit „Respect“ gleich den Titelsong und mit „Think“ das aus dem Blues-Brothers-Film bekannte allseits Stück. Wie sich überhaupt etliche Lieder aus dieser 40 Jahre alten filmischen Hommage an den Blues auf der Setliste wiederfinden.

Darnita verkörpert auch physisch die Aretha, lebt die grandiose, leider im vergangenen Jahr verstorbene Sängerin mit jeder Faser. Mit einer enormen Bühnenpräsenz bringt sie in „I never loved a man“ die ganze Dramatik der unerfüllten Liebe rüber, während sich die Bläsersektion mit Gassmann, Axel Welter und Hermann Peiz (Saxophon) sowie Steffen Mathes (Trompete) richtig austoben darf.

Und dann kommt Daria Biancardi aus Italien. Sie widerlegt das Vorurteil, dass nur Schwarze authentisch Blues oder Soul singen können. Vielleicht hilft das sizilianische Temperament dabei, mit einem vibrierenden Timbre in der voluminösen Stimme vier Songs der Künstlerin zu performen, dass den Zuschauern erst vor Staunen der Mund offen steht und sie danach die „Voice Of Italy“-Finalistin von 2014 begeistert feiern.

Nur Laeh Jones kann dieses Highlight noch toppen. Ihr „I’d rather go blind“ von Etta James ist der herausgeschriene Schmerz einer betrogenen Frau mit solchem Herzblut und einer solchen Hingabe, dass er Gänsehaut verursacht. Besser geht nicht in einer Show, die eigentlich nur Highlights kennt. Wenn Jimmy James, Derrick Alexander und Edward Wade die Temptations mit „Papa was a rolling stone“ oder „Get ready“ wieder aufleben lassen, Derrick „Superstition“ von Stevie Wonder singt oder zusammen mit Edward „I take what I want“ von Sam & Dave, dann macht das den Abend perfekt.

Doch was wären die besten Sänger ohne die kongeniale Begleitband, bei der Gitarrist Christian Gasch mit seinen Soli mehrfach auf sich aufmerksam macht? Artur Jöst (Drums), Heiner Holderbach (Bass) und Markus Schölch (Keyboard) sorgen für den perfekten Soundteppich, die Background-Sängerinnen Lisa Benjamin und Esther Stevens für das melodiöse Fundament der über 30 Songs an diesem Abend.

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