Bensheim

Heimatgeschichte Interessanter und abwechslungsreicher Vortrag von Rudolf Schmitt

55 Glocken im Stadtgebiet

Archivartikel

BENSHEIM.Glocken läuten zur Trauer, zur Freude, wenn Alarm geschlagen oder die Uhrzeit verkündet wird. Im Stadtgebiet von Bensheim hängen 55 Glocken, die Rudolf Schmitt in jahrelanger Arbeit für den Museumsverein wie in einem Kataster beschrieben hat. In einem Vortrag im Pfarrzentrum Sankt Georg berichtete der Hobby-Heimatforscher, was er dabei an Kuriositäten und Superlativen herausgefunden hat.

Besonders die alten Glocken haben es ihm angetan. So hat Schmitt herausgefunden, dass die älteste Bensheimer Glocke im Turm der Pfarrkirche Sankt Georg hängt. Die Dreifaltigkeitsglocke wurde 1464 im Spessart gegossen. Als Spende von Andreas Zieringer kam sie 1953 nach Bensheim.

Rohstoff in Kriegszeiten

In Kriegszeiten wurden Glocken als Rohstoff für die Rüstung missbraucht. Schmitt zitierte Eberhard Kühner, der 1989 in seinem Buch „Das Dorf in der Grünen Aue“ das Schicksal der vier Glocken aus Gronau beschreibt. Danach haben französische Truppen 1693 das Dorf geplündert und dabei nicht nur die vier Kirchenglocken, sondern auch die Orgelpfeifen mitgenommen.

Die Glocken seien zerschlagen worden, um sie besser transportieren zu können. Wie Schmitt herausgefunden hat, gingen im 20. Jahrhundert in den beiden Weltkriegen in Deutschland 150 000 Glocken verloren. Am 15. März 1940 erließ Hermann Göring das Gesetz zur Beschlagnahme aller Glocken für Kriegszwecke. Zwölf Glocken sollten erhalten bleiben, um damit für den „Endsieg“ läuten zu können.

In Bensheim mussten drei Glocken von Sankt Georg abgegeben werden. Die Größte und älteste durfte hängenbleiben, ging dann aber 1945 in den letzten Kriegstagen zu Bruch. Im Frühjahr 1948 kamen von der Glockensammelstelle in Hamburg zwei der drei Glocken zurück. Die Acht-Uhr- und die Elf-Uhr-Glocke waren beide 1778 in Heidelberg gegossen worden.

Der Referent zeigte Bilder von bedeutenden Glocken. Die älteste datierbare Glocke in Deutschland, die Lullusglocke in Bad Hersfeld, stammt aus dem Jahr 1069. Die größte freischwingende Glocke, der „Dicke Pitter“ in Köln, wurde 1923 in Apolda in Thüringen gegossen und wiegt 24 Tonnen.

Als größte Glocke der Welt gilt die Zarenglocke. Sie steht in Moskau als Denkmal vor dem Kreml. Sie wurde 1735 gegossen, ist 5,67 Meter hoch und wiegt 200 Tonnen. Nach dem Vortrag tauschten Referent und Zuhörer Erinnerungen aus. So berichtete Karl Löw aus seiner Zeit als Messdiener in Sankt Georg. Die Messdiener mussten beim Läuten helfen. Mit Hanfseilen wurden die vier Glocken in Schwingung versetzt.

Für die große Glocke wurden acht Messdiener gebraucht, die an zwei Seilen zogen. 1936 ersetzten Elektromotoren die Messdiener. Doch vieles von dem, was zwischen Himmel und Erde geschieht, soll nicht an die große Glocke gehängt werden. red

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